Ich dachte: Du machst jetzt genau das, was dir Spaß macht. Dann bin ich erst richtig kreativ geworden.
Kreativ war Mechthilde schon immer: „Ich habe mich gerne bunt angezogen und mit meinen Kindern viel gebastelt. Ich habe allerdings nie gemalt“, erinnert sich die 76-Jährige. „Wenn man mir vor sieben Jahren einen Pinsel in die Hand gedrückt hätte, hätte ich gesagt: ‚Kann ich nicht.‘“ Das ändert sich, als sie ihren Enkelkindern zum Geburtstag einen Malkurs schenkt, selbst mitmacht und merkt: „Das steckt an!“
Ab diesem Moment malt sie Tag und Nacht. „Natürlich hatte ich Hemmungen und Zweifel“, erinnert sich Mechthilde, die zuletzt als Heilpraktikerin gearbeitet hat. Immer wieder übermalt sie fertige Bilder, weil sie unzufrieden ist.
Ich habe es nicht als ‚toll‘ empfunden. Ich habe nur die pure Lust gespürt, dass ich mit dieser Farbe was machen kann.
Die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ beantwortet sie endgültig, als sie von einer Pariser Galerie eingeladen wird. Es folgt direkt die nächste Einladung nach New York, die Mechthilde zunächst ausschlägt. „Da hat meine Tochter gesagt: ‚Mama, du spinnst komplett. Wenn du eine Einladung für New York hast, dann musst du dort sein.‘“ Am Ende überreden sie ihre Töchter, gemeinsam hinzureisen.
Neben weiteren internationalen Ausstellungen eröffnet sie in ihrer Wahlheimat Bad Dürkheim eine eigene Galerie. Doch die gelernte Kinderkrankenschwester zweifelt noch immer, denn mit der Entscheidung, auf die Kunst zu setzen, kommt der Gedanke: „Dann machst du ja nur noch was für dich.“ Also beginnt sie, mit ihren Bildern Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln.
Als ich den Punkt gefunden habe, wo ich mit der Kunst Gutes tun kann, konnte ich Vollgas geben.
Ihre Kreativität hat sich auch auf ihre Enkel übertragen: „Die Älteste studiert Kunst, die Zweitälteste macht eine Ausbildung als Grafikerin. Die Jüngsten finden das auch toll, wenn sie bei der Oma im Atelier malen dürfen.“ Mechthildes größter Wunsch neben Gesundheit?
Dass ich mit dem, was ich mache, möglichst viele Menschen glücklich mache.