Zuhause ist kein Ort – Asiye aus Mainz studiert in Istanbul

Asiye wächst in Mainz als Kind türkischer Einwanderer mit zwei Kulturen auf. Nicht leicht für die Identität – heute sieht sie es als Gewinn.

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Das, was ich jetzt heute geworden bin, das hat das gemacht, was ich bisher alles erlebt habe, wo ich gelebt habe und mit welchen Menschen ich zusammengekommen bin.

Asiye wird in Mainz geboren, ihre Eltern kommen aus der Türkei. Zuhause wird türkisch gesprochen, den Eltern ist es wichtig, dass sie ihre Kultur und Rituale an ihre Kinder weitergeben: „Mein Vater wollte nicht, dass zwei Sprachen gemischt werden. Dann hatten wir das Abkommen, dass wenn der Satz mit Türkisch angefangen hat, er mit Türkisch enden sollte. Und wenn er mit Deutsch anfängt, dann mit Deutsch.“ Asiye wächst zweisprachig auf, geht zur Schule und arbeitet nach ihrer Ausbildung mehrere Jahre als Krankenschwester an der Universitätsklinik in Mainz. Noch heute sagt sie, dass die Sprache ein wichtiger Teil der Integration für sie war.

Umzug in die Türkei

Mit 29 Jahren wird sie Mutter, ist mit ihrer Tochter in Elternzeit und entscheidet sich, gemeinsam mit ihrem damaligen Mann in die Türkei zu gehen. Er hat ein Jobangebot dort, sie folgt ihm – und erlebt in Zentralanatolien einen Kulturschock, wie sie es selbst nennt. „Wir sahen türkisch aus, haben aber Deutsch geredet und haben deutsch gedacht und deutsch gefühlt.“ Anfangs hat sie starkes Heimweh nach Deutschland, mit der Zeit lebt sie sich ein. Nach zwölf Jahren zieht die Familie dann nach Istanbul. Asiye fühlt sich endlich angekommen, liebt die Metropole mit ihren unterschiedlichen Einflüssen. Nach wie vor besucht Asiye mehrmals pro Jahr in Mainz ihre Familie und Freundinnen.

In Istanbul verwirklicht sie mit 44 Jahren ihren Kindheitstraum: Sie besteht die Universitätsprüfung und studiert im Doppel-Bachelor: Dolmetschen (Türkisch-Deutsch) und Geschichte. Die anfängliche Angst, dass sie aufgrund ihres Alters auffallen könnte, verfliegt schnell, die Alter der Studierenden sind bunt gemischt. Asiye macht ihr Ding, sieht ihre Erfahrungen als Gewinn und will anderen Mut machen:

Ich würde raten, dass man niemals aufgeben und sich von niemandem beeinflussen lassen sollte. Man kennt sich selbst am besten.

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