Sozialarbeiter Wolfgang über Erfolge und den Umgang mit Schicksalen

Wolfgang arbeitet als Sozialarbeiter beim Caritasverband Stuttgart. Er erzählt uns, warum er sich von Schicksalen nicht abgrenzt und was er von seinen Klienten lernen kann.

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Von Autor/in Julia Reithmeier, Corinna Jähn, Berno Graf, Joëlle Roos

Die Leute ziehen uns gar keine Energie. Sie geben uns eher Energie.

Seit 31 Jahren ist Wolfgang Sozialarbeiter. Aktuell arbeitet er beim Caritasverband Stuttgart im Bereich Armut, Wohnungsnot und Schulden. Je nach Schwierigkeit der Fälle betreut Wolfgang acht bis zwölf Klienten.   

Wie sieht ein Arbeitstag als Sozialarbeiter aus? 

Wolfgangs Tag startet im Büro. Hier kann er mit Kolleginnen und Kollegen sprechen, über schwere Fälle, aber auch über Privates. Wolfgang nimmt hier auch Termine mit seinen Klienten wahr. Außerdem gehört die Dokumentation zu seinen Aufgaben. Neben Berichten und Anträgen schreibt er die Ziele auf, die er mit seinen Klienten setzt. „Wichtig ist, dass man einen guten Weg findet zwischen: die Defizite nicht zu verschweigen, aber die Ressourcen auch nach vorne zu bringen.“  

Das hilft, den Klienten oder die Klientin nicht einfach nur als Problem zu sehen, sondern als jemand, der sich selbst auch helfen kann.

Viel unterwegs in der Sozialarbeit 

Neben der Büroarbeit gehören auch Hausbesuche zu Wolfgangs Arbeit. Er fährt zu Klienten, die nicht ins Büro kommen können. Einer von ihnen ist Erwin, der mit 74 Jahren Wolfgangs ältester Klient ist. Er ist von Altersarmut betroffen. Wolfgang hilft ihm u. a. beim Stellen von Anträgen für z. B. Betreuungsgeld oder beim Einschicken von Rechnungen an unterschiedliche Stellen. „Ansonsten höre ich zu, was so los war im Leben, das interessiert mich am allermeisten. Wir gehen auch zusammen einkaufen, spielen Tischtennis, so Sachen.“  

Ein jüngerer Klient ist Pedram. Er flüchtete vor neun Jahren aus dem Iran und bekommt von Wolfgang Hilfe bei Anträgen zu seinem Aufenthaltstitel, für neue Ausweisdokumente und bei Behördengängen. 

 Wenn ich einen Brief habe, ist die erste Person, die ich sofort anrufe, Wolfgang.

Wie distanziert man sich von so vielen Schicksalen? 

In 31 Jahren als Sozialarbeiter hat Wolfgang schon viele Geschichten und Schicksale gehört und begleitet. Wie es ihm gelingt, sich davon abzugrenzen? „Nicht so gut“, antwortet er. „Ich möchte es auch gar nicht. Jetzt bin ich schon so alt, dass ich denke: Jetzt hätte ich noch zwölf Jahre Zeit, um mir das beizubringen, das mache ich aber einfach nicht. Ich lasse mich rein in die Schicksale, und die sind ja auch oft eine Mischung aus Not und Kraft. Ich lasse mich darauf ein und ich prüfe das immer eher so: Kann ich schlafen, kann ich nicht schlafen? Und wenn ich dann nachts aufwache und ich kann in einer kurzen Spanne diese Erlebnisse nochmal verarbeiten, dann ist das für mich alles okay.“ 

Ich möchte mich gar nicht so weit distanzieren.

Was ihm dabei unter anderem sehr nah geht, sind die Hürden, mit denen manche seiner Klienten konfrontiert sind. „Manchmal muss man auch schwer verhandeln, um Dinge, die eigentlich dem Klienten zustehen“, erzählt er. Für Wolfgang könnte dabei die Zusammenarbeit der verschiedenen Anlaufstellen noch optimiert werden, um seinen Job einfacher zu machen. „Ich würde schauen, dass zum Beispiel die Jobcenter und die Sozialarbeit noch näher zusammenkommen und nochmal klar wird, dass ein Bürgergeld keine soziale Hängematte ist.“ Dabei geht es Wolfgang darum, sich für mehr Wertschätzung für Klienten einzusetzen. „Dass man zusammenarbeitet, um Situationen zu entschärfen und Menschen in Armut Würde verleiht und anders über Menschen in Armut spricht.“    

Menschen geben sich auch auf in manchen Situationen und sterben langsam vor sich hin. Das ist überhaupt nichts, was man so wegsteckt.

Sozialarbeit – ein vielfältiges Arbeitsfeld 

Was Wolfgang an seinem Job so mag? „Die Vielfalt der Themen, die hier kommen, dass ich zum Beispiel in die Schuldnerberatung einsteigen kann, aber auch in die Arbeit mit Konsummustern. Auch das generationenübergreifende Arbeiten, dass ich über die Kolleginnen und Kollegen weiterkomme.“  Aber auch von seinen Klienten kann er viel mitnehmen, wie er immer wieder betont: „Unsere Arbeit ist natürlich sehr viel Beziehungsarbeit. Dass man in diesem Auf und Ab im Leben das Ab nicht so überbetont, sondern sagt, es wird auch wieder ein Auf geben – das lehren mich meine Klienten.“  

Immer wieder finden Menschen einen Job, sogar in Stuttgart eine Wohnung… Wir haben tolle Erfolgsgeschichten!

Andere Bereiche der Sozialarbeit sind u. a. Kinder- und Jugendhilfe, Suchtberatung, im Gesundheitsbereich oder Justizvollzug. Um Sozialarbeiter zu werden, studiert man Soziale Arbeit, an Unis oder Hochschulen. Das geht in Vollzeit oder dual, man braucht dafür mind. das Fachabitur. Quereinsteigen aus anderen Berufsgruppen ist aber auch möglich. „Find ich gut, weil andere Berufe andere Perspektiven bringen“, meint Wolfgang.  

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