Zeitzeugin Hannelore (101) und ihre Enkelin Lara haben viel Quality Time

Hannelore (101) verbringt gerne Zeit mit ihrer Enkelin Lara. Sie sprechen nicht nur über den Zweiten Weltkrieg, sondern auch über Liebe, Tod und wie man das Leben so richtig genießen kann.

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Von Autor/in Sabeth Wollinger

Ich bewundere ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Erst vor vier Jahren dachten wir, es wäre vorbei. Aber sie hat sich wieder zurück ins Leben gekämpft.

Quality Time mit Oma Hannelore 

Da Hannelore mit ihren 101 Jahren schon viel Lebenserfahrung hat, sucht Lara oft ihren Rat: Sie reden über die Familie, über Laras Studium und Hannelores frühere Beziehungen. „Die Omi bringt mich immer zum Lachen und erzählt lustige Geschichten. Da sieht man mal, was die Omi so für Geheimnisse hat“, erzählt Lara (25). Hannelore habe ihr beigebracht, dass Familie immer an erster Stelle stehe. „Die Omi war schon in meiner Kindheit eine wichtige Person. Wir haben zusammen gekocht und Eis gegessen und sind mit ihrem Mercedes durch die Stadt gecruist. Sie hat mich schon verwöhnt.“

Hannelore wächst während der NS-Zeit auf 

Hannelore hat ihrer Enkelin schon immer viel von früher erzählt. Eine ihrer schlimmsten Erinnerungen aus ihrer Jugend sei die an Heini, einen Jungen aus ihrem Dorf: Heini habe eine geistige Behinderung gehabt und habe damit nicht dem Idealbild der Nationalsozialisten entsprochen. Er sei von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) abgeholt und in ein Heim gebracht worden, aus dem er nicht mehr zurückgekommen sei.

Ein persönliches Schicksal in einem System der Gewalt 

Die Gestapo war für die Verhaftungen politischer Gegner verantwortlich und maßgeblich an Deportationen und Tötungen von z. B. jüdischen Menschen und Menschen mit Behinderung beteiligt. „Ich habe immer an den Heini denken müssen“, erzählt Hannelore.

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurden schätzungsweise 200.000 bis 300.000 kranke oder behinderte Menschen im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms systematisch ermordet. bpb zufolge gehen Opfervertretungen von einer noch höheren Zahl aus. Die Morde wurden von ca. 1939 bis 1945 verübt und richteten sich gegen Menschen mit psychischen Erkrankungen, Lernschwierigkeiten, körperlichen Behinderungen und anderen chronischen Krankheiten, die von den Nazis als „lebensunwert“ eingestuft wurden. Dass auch Heini vergast worden sei, erfährt Hannelore später von einem Bekannten ihres Vaters: „Furchtbar war das.“

Lara möchte dazu beitragen, die Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten

Die Erzählungen ihrer Oma inspirieren Lara (25) dazu, Geschichte zu studieren und Geschichtslehrerin werden zu wollen. Die beiden sehen sich mehrmals die Woche und nehmen ab und zu TikTok-Videos auf, in denen Hannelore von ihrer Kindheit während der NS-Zeit erzählt. Diese Videos möchte Lara später auch im Unterricht verwenden. „Mir ist es wichtig, dass die Erzählungen in Erinnerung bleiben und ich möchte den Kindern beibringen, Erzählungen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.“ Sie sollen das objektive Urteilen lernen, wodurch Lara Aufklärung schaffen möchte. 

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