Vom Sohn zum Chef: Rainer übergibt Sohn Marcel seine Autowerkstatt

Marcel wächst im Familienbetrieb auf, den sein Papa Rainer (64) aufgebaut hat. Seit zwei Jahren leitet der 27-Jährige nun die Autowerkstatt. Vater und Sohn erzählen, wie sie den Generationswechsel erlebt haben. 

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Von Autor/in Corinna Jähn

„Mit 6 Jahren habe ich meine erste Latzhose geschenkt bekommen – die erste eigene Arbeitshose“, erinnert sich Marcel (27). Sein Vater Rainer (64) ergänzt: „Das war die gleiche, die ich hatte, nur in einer anderen Größe.“

Im Familienunternehmen zwischen Autos aufwachsen

1992 eröffnet Rainer seine eigene Autowerkstatt und Marcel wächst mit dem Familienbetrieb auf. Rainer erinnert sich: „Es wurde ihm in die Wiege gelegt. Schon als Neugeborener war er immer dabei. Wenn er hier saß, war er immer ganz ruhig und entspannt. Das hat ihm gefallen.“ Für Marcel gehört es zum Alltag, seine Freizeit in der Werkstatt zu verbringen. Mit 16 beginnt er die Ausbildung im Elternbetrieb. „Ich habe schon ins Freundebuch geschrieben, was ich werden will: Entweder Rennfahrer oder Kfz-Mechatroniker. Ich wollte nichts anderes sehen. Für mich war klar, dass das meine Zukunft wird. Ich fand es immer cool, wenn ein Auto mit Unfallschaden in der Werkstatt gestanden ist und einen Tag später fährt es ganz wieder raus. Wenn jemand etwas, was nicht fährt, wieder zum Fahren bringen kann – ich habe gedacht, das will ich auch machen.“

Unternehmensnachfolge: Wenn der Sohn zum Chef wird

Vor zwei Jahren entscheiden sich Rainer und Marcel dazu, den Betrieb auf Marcel zu überschreiben. „Jetzt ist Marcel der Chef und ich bin wieder Angestellter. Wir haben das schon lang besprochen: Wir wollen nicht zu lange warten. Du weißt ja nie, in einem gewissen Alter kann immer mal was passieren. Nicht, dass dann mal was ist und er steht dann da und hat gar nichts. Für mich und meine Frau war das immer klar: Die Voraussetzung ist, dass Marcel das will,“ erklärt Rainer.

Familienbetrieb: Mehr als Arbeit? 

Für Marcel geht es um mehr als nur das Autoschrauben: „Es ist einfach schön, dass du so viel Zeit mit deinem Vater verbringen darfst. Und dass sich daraus mehr als eine Vater-Sohn-Bindung entwickelt, eine Freundschaft.“ Für Rainer ist das Schönste: „Dass wir immer zusammen sind. Bei vielen ist es ja so: Die Eltern trennen sich oder die Kinder ziehen weg. Wir wohnen 10 Meter auseinander und können über den Balkon schreien: Guten Morgen. Wenn er mal 2 Tage nicht da ist, dann ist das komisch. Marcel bedeutet mir alles.“

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Corinna Jähn
Porträt Corinna Jähn.