Diagnose Panikattacken: Mit Therapie in der Psychiatrie findet Christine aus Panik

Christine leidet lange an Panikattacken. Bis zu ihrer Diagnose vergehen etwa zehn Jahre, in denen die Symptome immer stärker werden. Mit einer Therapie findet sie einen Weg aus der Panik.

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Von Autor/in Martika Baumert

Ich konnte irgendwann nicht mehr in den Keller runtergehen. Als es dunkel war, kam dann sofort die Panik. Ich konnte meine Hände nicht mehr waschen. Sobald Wasser auf die Haut kam, kam wieder eine Panikattacke.

Symptome von Panikattacken 

Lange ist Christine Jirikovsky auf der Suche nach der Ursache für ihr starkes Schwitzen, die Atemnot, den Schwindel, die Kopfschmerzen, ihre innere Unruhe. Sie ist bei ihrer Frauenärztin, weil sie glaubt, es seien die Wechseljahre. Sie lässt Bluttests machen und geht zum Hals-Nasen-Ohrenarzt. Immer ohne Ergebnis. Als sie glaubt, sie habe einen Herzinfarkt, stellt ihr Hausarzt die Diagnose: Panikattacken. „Da war ich eigentlich erleichtert, dass es endlich mal jemand erkannt hat”, erzählt Christine.  

Nach der Diagnose folgt eine Therapie – ein anstrengender und harter Weg für Christine 

Doch die Diagnose bedeutet auch viel Arbeit an sich selbst. „Weil ich über 50 bin, kam ich in die Tagesklinik für Ältere. Das heißt, ab 50 bis über 80 waren Leute da. Bei meinem Aufnahmegespräch habe ich dann gesagt: ‚Ich bin nicht richtig, mir geht es doch gar nicht so schlecht.‘ Aber die Ärzte meinten: ‚Sie sind krank, das kriegen Sie allein nicht mehr los.‘ Und dann bin ich ein paar Wochen später eingerückt. Ich wollte ja, dass es besser wird. Irgendwann habe ich zu mir gesagt: ‚Du vertraust jetzt in die Leute und in dich und machst einfach alles mit.‘ Und das war das Wichtige, dass es Schritt für Schritt besser wurde.” 

Mithilfe von Konfrontationsübungen lernt die 53-Jährige mit ihrer Panik klarzukommen. „Die Therapeutin hat mir als Tipp gegeben, dass man drei Dinge sagt, die ich sehe, drei Dinge, die ich höre, drei Dinge, die ich rieche, um wieder ins Hier und Jetzt zu kommen. Das war für mich der Gamechanger.” 

Wichtige Unterstützung von ihrer Familie während der Therapie 

Während ihres zehnwöchigen Aufenthalts in der Tagesklinik war die Unterstützung ihrer Familie essenziell: „Sie haben mir Freiraum gegeben. Und Zuspruch, dass es wieder gut wird. Und mein Mann hat nicht locker gelassen und mich jeden Tag in die Tagesklinik gefahren und gesagt: ‚Du gehst jetzt dahin.‘ Und ich bin glücklich, dass ich es losgekriegt habe und dankbar für mein Umfeld, für die Ärzte und vor allem für meine Familie, dass sie das so getragen hat. „Das Schöne ist nicht, dass ich jetzt nicht mein Leben zurück habe von vor drei Jahren, sondern von vor zehn Jahren. Weil ich mit den Symptomen bestimmt schon zehn Jahre rumgemacht habe. Und heute ist mir auch egal, was andere von mir denken.” 

Warum hat Christine überhaupt Panikattacken bekommen? Was war der Auslöser? 

Christine Jirikovsky glaubt, dass sich bei ihr die Ängste immer mehr verfestigt haben, weil sie einen hohen Anspruch an sich selbst hat: „Es fing eigentlich schon mit der Schwangerschaft vom ersten Kind an. Schon die Sorge: Ist alles in Ordnung? Und dann ging es weiter mit Arbeit und Kindern. Das Stresslevel ist angestiegen. Es besonders gut machen zu wollen, bei der Arbeit und auch mit der Familie. Und dass man Gefühle auch unterdrückt und sagt: Ich kann jetzt nicht traurig sein, ich muss ja funktionieren und für meine Kinder jemand sein, der alles im Griff hat. Es wurde immer stärker, dass ich dachte, mir ist so schwummrig, schwindlig. Das hat sich so eingeschlichen.” 

Erfahrung mit psychischer Erkrankung weitergeben und damit auch anderen helfen 

Nachdem sie selbst psychisch krank war, hat sie mehr Verständnis für andere mit ähnlichen Problemen: „Mir hat jemand mit Burnout erzählt, dass er sich morgens nicht mehr bewegen und aus dem Bett aufstehen konnte. Da hätte ich vor ein paar Jahren noch gedacht: Quatsch, du hast doch Muskeln. Und jetzt weiß ich doch, das macht die Psyche einfach mit dir.” 

Heute gibt Christine Jirikovsky ihre Erfahrung auch in Achtsamkeitskursen weiter, für Menschen, die unter innerer Anspannung und Unruhe leiden. „Wenn ich jetzt merken würde, das ist sehr stark – ich bin ja keine Therapeutin – dann sage ich, sie sollen sich professionelle Hilfe holen.” 

Wunsch für die Zukunft: Offenerer Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft 

Es wäre schön, wenn es selbstverständlich wird, dass man wie bei körperlichen Beschwerden auch bei psychischen Problemen zum Arzt geht und sich Hilfe holt.

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Anna aus Stuttgart ist freiberufliche Hebamme und Trauerbegleiterin in Teilzeit. Zu ihrem Job gehören Termine wie Babybaden genauso wie Gespräche mit Frauen, die gerade ihr Kind verloren haben. Ein Job mit viel Emotionen, Verantwortung, Dankbarkeit und Frust.