Familiengeschichte: Mein Opa war Nationalsozialist

Felix recherchiert seine Familiengeschichte und findet heraus: Seine Vorfahren waren überzeugte Nationalsozialisten. Der 30-Jährige arbeitet die Vergangenheit auf und setzt sich heute gegen Antisemitismus ein.

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Ich habe keine Kriegsverbrechen begangen, aber ich trage sie in mir. Heute gehe ich gegen Antisemitismus vor.  

Felix ist Christ und hat zusammen mit seiner Familie versucht, die Familiengeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus zu erforschen. „Jesus war Jude, und meine Vorfahren haben versucht, Juden auszulöschen – das geht für mich gar nicht zusammen.“  

Familiengeschichte recherchieren und Düsteres finden 

Schnell stellt er fest, dass seine Vorfahren überzeugte Nationalsozialisten waren. „Einer war am Maschinengewehr, der andere Blockwart in einer kleinen Gemeinde“, erklärt er. „Ich habe festgestellt, dass in mir eine ähnliche Härte vorhanden war. Ich hatte auch eine Abneigung und Hass gegen ‚Ausländer‘. Diese Härte – das habe ich in mir gespürt. Es war eine innere Not. Ich habe gemerkt, wie ich das Gedankengut kultiviere.“  

Ein Gespräch mit Holocaust-Überlebenden verändert Felix 

2013 besucht Felix eine Bibelschule in Israel. Dort trifft er auf Holocaust-Überlebende und erzählt seine Familiengeschichte. „Als ich vor ihnen stand, habe ich gemerkt, dass mein ganzes Wissen über den Holocaust von meinem Hirn ins Herz gerutscht ist.“ Felix entschuldigt sich für das, was seine Familie getan hat. „Auf einmal war mir nicht mehr alles egal. Es war ein Schrecken, aber es hat mich befreit. Ich habe Rotz und Wasser geheult.“ Die Härte von damals spürt er heute nicht mehr, sagt er.  

Felix ist im Verein ‚Marsch des Lebens‘ tätig und setzt sich so gegen Antisemitismus ein. „Ich will die Decke des Schweigens lüften, auch wenn andere mich dann einen Nestbeschmutzer nennen. Aber ich will das Schweigen brechen.“  

Leonberg

Simone lebt mit ständigen Schmerzen: „Manchmal habe ich an 25 Tagen im Monat Migräne”

Simone aus Leonberg hat seit ihrer Kindheit chronische Migräne. In manchen Monaten hat sie an 25 Tagen Kopfschmerzen. Doch sie will sich von der Migräne nicht unterkriegen lassen.

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SWR