Der Moment der Kündigung: ein Schock
Seit 2001 wohnt die Berlinerin in einer Eigentumswohnung. Mit den Jahren wechselten die Besitzer – und jedes Mal standen Besichtigungen an. Dann war es erneut soweit: Eigentümerwechsel, aber bereits drei Monate später folgte die Kündigung wegen Eigenbedarf. Als sie vor etwa einem Jahr den Brief öffnete, wusste sie sofort, dass etwas nicht stimmt: „Ich dachte kurz, ich falle in Ohnmacht. Es fühlte sich schrecklich an. Es ging mir 2 Tage richtig schlecht.“
25 Jahre im selben Kiez – und jetzt soll sie gehen?
Sie sucht – aber findet nichts. So beschreibt sie ihre Lage: „Es gibt gar kein Getümmel, weil es für mich gar kein Wohnungsangebot gibt. Der Berliner Wohnungsmarkt ist bekanntlich extrem schwierig. Es gibt keine freien Wohnungen." Sie ist aktuell arbeitslos. Jetzt muss sie konkurrieren mit Interessent:innen, die einen Arbeitsvertrag vorlegen und ein sicheres Einkommen nachweisen können. Außerdem falle es ihr schwer den gewohnten Kiez zu verlassen, in dem sie seit fast 25 Jahren lebt. Ärzte, Alltag, Freunde – alles liege in Laufweite. „Das ist der längste Zeitraum, den ich jemals irgendwo gelebt habe“, sagt sie. Ein Umzug weit weg sei für sie nicht vorstellbar.
Ich muss noch ein paar Jahre arbeiten. Ich kann auch nicht 1,5 Stunden in die Stadt pendeln. Ich werde nicht am Stadtrand arbeiten.
Ein Gefühl von Ohnmacht
Sie informiert sich, kennt ihre Rechte – und dennoch fühle sie sich aufgeschmissen: „Es kommt nie der Punkt, an dem man sagt: Jetzt habe ich die Lösung.“ Das bestätigt auch Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund (DMB). Die Chancen stünden schlecht gegen eine korrekt gestellte Eigenbedarfskündigung vorzugehen. Und der Begriff "Eigenbedarf" sei weit gefasst.
Trotzdem seien Mieter:innen nicht völlig hilflos, erläutert die Pressesprecherin des DMB. Sie rät auf jeden Fall Widerspruch einzulegen.
Angst vor Obachlosigkeit in der Großstadt
Die alleinstehende Mieterin aus Berlin macht jetzt ihre Geschichte über die ARD Mitmachaktion #besserwohnen öffentlich, weil sie sieht, dass immer mehr Menschen wie sie betroffen sind. Die Politik, findet sie, könne deutlich mehr tun. Sie fürchtet, demnächst obdachlos zu sein – weil sie niemanden habe, bei dem sie länger unterkommen könne. „Diese Angst habe ich immer im Hinterkopf.“
Ich habe keinen gut verdienenden Partner. Oder jemand, der mich unterstützt. Das wäre auch noch eine andere Situation.