Ich habe mich lange nicht mehr gemeldet. Es war einfach zu viel los. Um nicht zu sagen, ich habe einfach sehr viel gearbeitet – meine Kompensation, um die Einsamkeit nicht so zu spüren.
Gestern bekam ich von einer weitläufigen Bekannten einen Anruf – und das wollte ich doch festhalten. Wir erzählten so ein bisschen hin und her. Und irgendwann meinte sie: Wenn Du in Deiner neuen Stadt niemanden kennst und so viel (von zuhause) arbeitest – bist Du dann nicht einsam? Sie fragte das nicht besorgt oder abwertend. Sondern einfach ganz normal.
Es klingt vielleicht seltsam, aber ich habe mich über diese Frage total gefreut. Vor allem erstmal, weil das jemand gesehen hat. Aber auch, weil es eben kein Problem- oder Psycho-Gespräch war. Sondern eben ganz selbstverständlich. Und dadurch konnte ich offen sagen: „Ja, ich bin einsam.“ Es hat gut getan.
Was sich Sarah wirklich wünscht
Im letzten halben Jahr habe ich ja viel über Einsamkeit und Freundschaften nachgedacht. Den richtigen Schlüssel habe ich noch nicht. Einsamkeit legt man schließlich nicht wie einen Mantel ab. Aber mir ist klarer geworden, was mir fehlt: Dass Leute zuhören und nicht einfach sagen: „Arbeite doch einfach weniger“ oder „Geh halt mal mehr raus“.
Gefragt zu werden: „Wie geht es Dir wirklich? Willst Du da und da vielleicht mitkommen?“ Nicht immer die Kraft für alles aus mir selbst ziehen zu müssen. Ich wünsche mir das Gefühl, „anzukommen“ – was immer das auch sein mag. Und mir fehlt eine Regelmäßigkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, mit denen es einfach immer schön ist. Wenn manche erzählen, dass sie ihre Freundinnen einmal die Woche sehen – weiter könnte ich davon nicht entfernt sein.
Ich weiß, was jetzt wieder alle sagen: ICH müsse was ändern. ICH müsse aktiv werden. Und ja, es stimmt. Natürlich muss ich versuchen, Dinge anders zu machen. Wie auch immer dieses anders aussehen soll. Aber macht man es sich nicht ein bisschen einfach, wenn man die Verantwortung wieder nur dem Einzelnen zuschiebt?
Gegen die Einsamkeit - Ist Mut der Schlüssel?
Was ich aber in den letzten Monaten tatsächlich gesehen habe: Wenn ich mich etwas mehr geöffnet und den Schutzpanzer abgelegt habe, ist etwas passiert: Es kam etwas in Bewegung. Menschen haben anders zugehört, anders reagiert. Ich hatte das Gefühl, der Mut, nicht alles mit mir selbst auszumachen, wurde irgendwie belohnt. Nicht sofort und nicht mit jeder Person (das will man ja auch nicht). Aber mit manchen – sogar auch Fremden – entstanden Momente der Nähe.
Und je mehr ich drüber nachdenke, frage ich mich: Ist das vielleicht der Schlüssel? Diese kleinen magischen Momente, in denen durch das Zeigen der eigenen Verletzlichkeit plötzlich beim Gegenüber ein „Geht mir genauso“ aufflackert? Das braucht so viel Mut – und ich weiß noch nicht, ob ich den wirklich habe. Aber vielleicht reicht es fürs Erste, dass ich das jetzt mehr versuchen werde.
Deine Sarah (Name anonymisiert)