Elisa ist 10 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und drei Geschwistern in Duisburg. Für Hausaufgaben zieht sie sich oft ins Treppenhaus zurück, weil es zuhause kein Platz ist. Klassenfahrten oder Musikunterricht sind für die Familie kaum bezahlbar. Elisa gibt es so nicht wirklich. Aber Geschichten wie ihre passieren jeden Tag in Deutschland.
Eine neue UNICEF-Studie zeigt jetzt, wie stark die Chancen von Kindern noch immer vom Einkommen der Eltern abhängen. Deutschland landet beim kindlichen Wohlbefinden nur auf Platz 25 von 37 untersuchten Industrieländern. Besonders bei Bildung und Chancengleichheit schneidet Deutschland schlecht ab. Kinder aus ärmeren Familien haben laut Studie deutlich schlechtere Voraussetzungen beim Lernen, im Bereich Gesundheit und bei der gesellschaftlichen Teilhabe.
An der Spitze des Rankings liegen die Niederlande, Dänemark und Frankreich. Auch Länder wie Portugal und Litauen schneiden besser ab als Deutschland – trotz teilweise geringerer Wirtschaftskraft.
Erfolg in der Schule hängt weiter stark vom Elternhaus ab
Nach Angaben von UNICEF beeinflusst das Einkommen der Eltern in Deutschland weiterhin maßgeblich den Bildungsweg von Kindern. Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien haben deutlich schlechtere Voraussetzungen in Schule und Alltag.
Besonders groß sind die Unterschiede zwischen sozialen Gruppen: Nur 46 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen die Mindeststandards. Liegt ein so genannter privilegierter Haushalt vor, sind es dagegen 90 Prozent.
Kinder aus ärmeren Familien leben zudem häufiger in beengten Wohnverhältnissen und haben schlechtere Bedingungen zum Lernen und Aufwachsen.
Kinderarmut in Deutschland bleibt hoch
Die Kinderarmut liegt in Deutschland laut UNICEF seit Jahren nahezu unverändert bei rund 15 Prozent. Gleichzeitig wächst die Einkommensungleichheit weiter. Nach Angaben der Studie verfügen Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung inzwischen über fünfmal so viel Einkommen wie Menschen im ärmsten Fünftel. 2012 lag dieses Verhältnis noch bei 1 zu 4,3. UNICEF warnt davor, dass soziale Ungleichheit langfristige Folgen für Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe habe.
Gesundheit und Lebenszufriedenheit hängen oft vom Einkommen ab
Die Studie zeigt auch deutliche Unterschiede bei Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern. Während 79 Prozent der Kinder aus wohlhabenden Familien laut UNICEF in sehr guter gesundheitlicher Verfassung sind, trifft das bei Kindern aus armen Familien nur auf 58 Prozent zu.
Auch beim mentalen Wohlbefinden zeigen sich klare Unterschiede: 73 Prozent der Jugendlichen aus finanziell besser gestellten Haushalten geben an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Bei Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien liegt der Anteil nur bei 61 Prozent. Armut und finanzielle Unsicherheit belasten laut Studie Familien zusätzlich und wirken sich negativ auf die psychische Gesundheit von Kindern aus.
UNICEF fordert mehr Investitionen in Kinder und Familien
Die Autor*innen der neuen Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti fordern deshalb stärkere Investitionen in Bildung, soziale Infrastruktur und Familienförderung. Besonders benachteiligte Schulen und Stadtteile müssten gezielt unterstützt werden.
Wo sind Kinder willkommen?
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Außerdem fordert die Organisation bessere Zugänge zu Schulen, Arztpraxen und Spielplätzen sowie mehr politische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Kinderrechte sollten nach Ansicht von UNICEF stärker im politischen Handeln berücksichtigt werden.
UNICEF-Deutschland-Geschäftsführer Christian Schneider erklärt, die Bekämpfung von Kinderarmut müsse politische „Top-Priorität“ werden. Wer heute nicht in Bildung, Teilhabe und Gesundheit investiere, schade langfristig der gesamten Gesellschaft.
ARD startet Mitmachaktion zur Kinderfreundlichkeit
Vor diesem Hintergrund startet die ARD am 17. Mai die Mitmachaktion #unsereKinder.Teilnehmende können kinderfreundliche Orte und Aktionen für Kinder auf einer deutschlandweiten Karte markieren. Aber sie sind auch aufgerufen, dort einen Pin zu setzen, wo es Probleme gibt. Gemeinsam mit UNICEF will die ARD herausfinden, welche Veränderungen notwendig sind, damit Deutschland kinderfreundlicher wird.