Schmerzen gehören für Agnes Reisch dazu, sagt die Skispringerin vom WSV Isny (Kreis Ravensburg). Das war auch bei den Olympischen Winterspielen in Italien nicht anders. Hatte sie früher Probleme mit dem Knie, schmerzt ihr seit geraumer Zeit der Rücken.
"Natürlich nervt es und natürlich merke ich, dass ich seit eineinhalb Monaten kein Krafttraining mehr gemacht habe", sagte sie im ARD-Interview. Sie hat stattdessen an ihrer Mobilität gearbeitet, den Rücken entlastet, spürte aber während ihrer beiden Wettkämpfe, dass die Spritzigkeit in den Beinen darunter gelitten hat.
Reisch mit zwei stabilen Auftritten
Aber, und das ist angesichts ihrer Vorgeschichte umso bemerkenswerter: Die 26-Jährige sprang auf der Normalschanze auf den neunten Platz und wurde zweitbeste Deutsche. Auf der Großschanze war sie als Zehnte sogar die beste Springerin des DSV. "Das ist schon sehr stark, dass ich überhaupt hier bin, dass ich meinen Weg gegangen bin, dass ich Erfahrung sammeln konnte", erzählte sie hinterher.
Reisch springt noch nicht allzu lange in der Weltspitze mit. Es waren ihre ersten Olympischen Winterspiele - und dennoch zeigte sie eine Stabilität, die beispielsweise der Fahnenträgerin Katharina Schmid abhanden gekommen war.
Reisch und Freitag als Nachfolgerinnen von Schmid
Schmid, die 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking jeweils Silber holte, blieb in Predazzo auf der Normal- und Großschanze als 16. und 42. hinter den Erwartungen zurück. Überhaupt erlebten die deutschen Springerinnen eher enttäuschende Winterspiele: drei Wettbewerbe, keine Medaille.
"Dass es jetzt so endet, ist natürlich hart. Es tut sehr, sehr weh", sagte die Oberstdorferin Schmid mit zittriger Stimme nach dem Großschanzen-Wettbewerb am Sonntag (15.02.2026). Die 29-Jährige wird nach der Saison ihre aktive Karriere beenden.
ARD-Doku "Fly" Frauen im Skispringen: Der lange Weg zur Schanzengleichheit
Aufmerksamkeit, Prämien, Vierschanzentournee: Skispringerinnen bekommen längst nicht das, was Skispringer bekommen. Die ARD-Doku "Fly" widmet sich diesem Thema ausführlich.
Reisch und Selina Freitag, die als Medaillenanwärterin gehandelt wurde, treten ihre Nachfolge als Aushängeschilder des deutschen Frauen-Skispringens an. "Sie hat eine Wahnsinskarriere", lobte Reisch und fügte hinzu: "Wir werden das schon machen, ihr werdet Freude mit uns haben."
Bevor die Saison weitergeht, braucht Reisch erstmal Abstand: "Ich will eine Woche nichts von Skispringen hören, was anderes sehen." Danach wolle sie mit Vollgas im Gesamtweltcup etwas weiter nach vorne kommen. Aktuell ist sie Siebte.