Seit dem 25. November 2025 hat das Warten ein Ende – strenggenommen aber erst einmal nur auf dem Papier. An jenem Dienstag verbreitete sich die Meldung, auf die internationale Top-Skispringerinnen jahrelang gewartet hatten: Die Vierschanzentournee soll kommen. Endlich auch für Frauen.
Vierschanzentournee ab 2026/27 auch für Frauen
Was jahrzehntelang ausschließlich den Männern im Weltcup vorbehalten war, mussten sich Springerinnen über einen langen Zeitraum hart erkämpfen. Ab der Saison 2026/27 – wenn das Bergisel-Stadion in Innsbruck über eine Flutlichtanlage verfügt – soll es aber soweit sein.
So richtig glauben wollen es Deutschlands beste Athletinnen wie Katharina Schmid aus Oberstdorf aber erst, wenn die erste Springerin tatsächlich im Rahmen einer Vierschanzentournee vom Schanzentisch abspringt und der Vorgängerwettbewerb, die Two Nights Tour, der Vergangenheit angehört.
Selina Freitag: Das "Shampoo-Gate" und seine Folgen
Denn: Die Tournee – das größte Event, das diese Sportart kennt – ist nicht der einzige Punkt, an dem die viel zitierte Schanzenungleichheit zwischen Springerinnen und Springern deutlich wird. Auch beim Thema Prämien und Preisgelder sehen viele Beteiligte Nachholbedarf. Zu peinlich war jenes Kapitel, das in der abgelaufenen Saison als "Shampoo-Gate" seine Kreise gezogen hatte.
Shampoo, Duschgel und vier Handtücher – das war die 'Prämie', die Selina Freitag für ihren Sieg in der Qualifikation beim Two-Nights-Tour-Springen in Garmisch-Partenkirchen erhalten hatte. Mit einem Beitrag in den sozialen Netzwerken machte sie darauf aufmerksam, gefolgt von viel Zuspruch für die heute 24-Jährige und großen Diskussionen.
Agnes Reisch: "Das ist schon immens"
Im Weltcup der Männer erhält ein Qualisieger eine Geldprämie über 3.000 Schweizer Franken. Umgerechnet sind das etwas mehr als 3.200 Euro. Sphären, von denen Springerinnen generell immer noch weit entfernt sind.
Hier geht es zur Doku-Serie "Fly - Skispringen hautnah".
"Wir verdienen ein Drittel von den Preisgeldern der Herren – und machen genau das Gleiche. Das ist schon immens, wenn man sich mal überlegt, was man mit dem Geld machen kann, wie professionell man den eigenen Sport gestalten könnte", sagt Agnes Reisch in der vom SWR produzierten ARD-Doku "Fly – Skispringen hautnah".
ARD-Doku "Fly" übers Skispringen
Die mehrteilige Serie begleitet das deutsche Team durch die turbulente Saison 2024/25 und widmet sich intensiv der Vergangenheit, der Gegenwart sowie der Zukunft des Frauen-Skispringens. Über das Gender Pay Gap sagt Reisch, die aus Missen-Wilhams (Oberallgäu) stammt und sportlich zuletzt große Entwicklungsschritte machte: "Es ist extrem wichtig, dass sich diese Lücke schließt – dass es irgendwann kein Unterschied mehr ist, ob man als Mann oder als Frau geboren wurde."
Freitags Gang an die Öffentlichkeit bezeichnet Reisch als "extrem stark". Bei den Weltmeisterschaften im norwegischen Trondheim jubelten beide gemeinsam, holten im Team-Wettbewerb Anfang März die Bronzemedaille für den Deutschen Skiverband. Der hat angekündigt, in Abstimmung mit den lokalen Ausrichtervereinen zumindest punktuell für höherwertigere Prämien sorgen zu wollen. Allerdings sind hier auch die Regularien des Ski-Weltverbandes FIS maßgebend.
An sich machen wir ja nichts anderes als die Männer – ich glaube, das haben viele noch nicht richtig verstanden. Wir können Kinder gebären, natürlich können wir das auch.
"An sich machen wir ja nichts anderes als die Männer – ich glaube, das haben viele noch nicht richtig verstanden", sagt Freitag in der ARD-Doku "Fly": "Wir können Kinder gebären, natürlich können wir das auch." Aus der Schanzenungleichheit zwischen Frauen und Männern wird im Skispringen nur langsam eine Schanzengleichheit.
In der ARD-Mediathek "Fly - Skispringen hautnah": ARD-Doku über eine Saison voller Höhen und Tiefen
Es ist der härteste Winter, den das internationale Skispringen je erlebt hat - und mit der ARD-Doku "Fly" sind Fans noch einmal hautnah dabei.