Es ist morgens um zehn Uhr, leichter Nieselregen legt sich über das Spielfeld. Das kann die Mannschaft, die eigentlich keine ist, nicht stoppen. Ein lockeres Aufwärmtraining, ein paar Pässe, es könnte ein ganz normales Fußballtraining sein.
Alles für den Profisport
Doch etwas ist anders hier in Karlsruhe in der Sportschule Schöneck. Wer hier kickt, will sich fit halten, in Form bleiben. Wer hier kickt, hat gerade keinen Vertrag, ist arbeitslos. Einer der Spieler ist Duncan Cunion. Er ist 29 Jahre alt.
Bei mir ist noch viel Luft nach oben.
Duncan Cunion lächelt und sagt: "Ich bin realistisch, ich werde keine Champions League spielen, aber Profi- oder Semiprofibereich sollte es schon sein." Bisher hat er beim TV Echterdingen gespielt, davor in Polen in der vierten Liga. Er hat ein zweites Standbein als Vermögensberater, sollte das mit dem neuen Vertrag doch nicht klappen.
Auch Lucien Littbarski, Sohn von Weltmeister Pierre Littbarski, ist dabei. Mit seinen 22 Jahren gehört er wie viele im Camp zu den jüngeren Spielern. Mit Viktoria Berlin ist er von der vierten in die fünfte Liga abgestiegen. Er will aber mindestens in der Regionalliga, also der vierten Liga spielen und hat deshalb seinen Vertrag aufgelöst.
Wer schafft den Sprung in den Profifußball?
Die Erfolgsquote liege bei 80 Prozent, so Cheftrainer Peter Neururer. 80 Prozent der jungen Männer schaffen den Weg raus aus der Arbeitslosigkeit, wieder hinein in den Profisport. Aber:
Nicht alle schaffen es.
"Wir müssen auch denen, die es nicht schaffen, andere Angebote machen", so Neururer. Vor über zehn Jahren ist er aus dem Profisport ausgestiegen, er findet viel Gefallen an seinem neuen Trainerjob, den er ehrenamtlich macht. "Die Jungs sind top motiviert, sich hier unter Profibedingungen vorzubereiten. Ich werde Hilfestellung geben, solange ich kann." Co-Trainer von Peter Neururer ist der ehemalige Bundesligaprofi Karsten Hutwelker.
Für Gewerkschaftsmitglieder ist das Fußball-Camp in Karlsruhe kostenlos
Ins Leben gerufen hat dieses Camp die Spielergewerkschaft VDV. Nun schon zum 23. Mal findet es im Wechsel in den Sportschulen Kaiserau, Schöneck und Hennef statt. Nicht alle Spieler bleiben die ganzen vier Wochen. Viele finden in der Zwischenzeit einen neuen Job oder haben Probetrainings. Die Spieler hier kommen überwiegend aus der Dritt- und Viertliga. Für Gewerkschaftsmitglieder ist das Camp kostenlos, erklärt der Geschäftsführer der VDV Spielergewerkschaft Heinz Niggemeier.
"Du darfst schießen, die sind warm, die Torhüter", schallt es über den Platz. Niggemeier nickt. "Die Spieler wollen spielen, fit bleiben." Dabei geht es um mehr als nur das Sportliche. Neben einem festen Tagesablauf und Testspielen wie etwa gegen die U23-Mannschaft des KSC gibt es auch Workshops, in denen erklärt wird, welche Rechte und Pflichten sie als vertragslose Spieler haben, oder eine kostenlose juristische Erstberatung.
Idealerweise haben die Spieler keine Zeit, neue Freundschaften zu knüpfen. Die Stimmung sei dennoch gut, so die Spieler. Sie alle wollen so schnell wie möglich wieder zurück in den Profifußball.