DEL | Teamcheck

So wollen die Schwenninger Wild Wings den Playoff-Hattrick schaffen

Mit einem Auswärtsspiel in Bremerhaven starten die Schwenninger Wild Wings am Freitagabend in die neue DEL-Saison. Die Schwaben haben sich viel vorgenommen und wollen zum dritten Mal in Serie in die Playoffs.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Eine gewisse Anspannung ist ihm anzumerken, so kurz vor dem Saisonstart. "Aber das legt sich in dem Moment, wo der erste Puck geworfen wird", sagt Stefan Wagner, der Sportliche Leiter und Geschäftsführer der Wild Wings im Gespräch mit SWR Sport. Immerhin, die Generalprobe war gelungen. Deutlich mit 6:2 schlugen die Schwenninger im letzten Testspiel den Liga-Rivalen Augsburger Panther.

Und Stefan Wagner freut sich natürlich nach dem langen Sommer, dass es endlich wieder losgeht mit der Punkte-Jagd. Auch wenn sein Team vor einem, so der Sportchef, "knackigen Auftakt" steht: In den ersten sechs Saisonspielen müssen die Schwaben fünfmal auswärts ran. Schon am ersten Wochenende stehen die Aufgaben in Bremerhaven (Freitag, 12.08.) und Iserlohn an (Sonntag, 14.08.) an: "Wir nehmen es an", sagt Stefan Wagner lapidar, "und hoffen, dass wir positiv durchkommen".

Die Erwartungen

Zweimal in Folge schafften die Wild Wings zuletzt den Einzug in die DEL-Playoffs. Klar, dass in der kommenden Saison eine Wiederholung der Erfolge angepeilt wird: "Der Hattrick wäre super", sagt Stefan Wagner, bleibt aber im Angesicht der starken Liga mit einem Absteiger realistisch: "Wichtig ist, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben." Eine konkrete Platzierung will der Sportliche Leiter nicht ausgeben, schließlich gehe man in jedes Spiel, um es gewinnen zu wollen.

Grandiose Unterstützung erhalten die Schwenninger Cracks dabei von ihrem bekannt begeisterungsfähigen Publikum. Die schmucke und umfassend renovierte Helios-Arena zählt zwar nicht zu den größten Eisstadien in Deutschland (Fassungsvermögen: 5.300 Zuschauer), besticht aber immer wieder mit ihrer dichten und faszinierenden Atmosphäre. "Die Stimmung ist unglaublich", schwärmt auch Stefan Wagner vom Fluidum am Neckarursprung, "die Zuschauer stehen wie ein Mann hinter uns, das ist sicher den einen oder anderen Heimpunkt wert".

Die Mannschaft

Neun Spieler haben Schwenningen verlassen. Den Wild Wings und insbesondere Stefan Wagner ist dennoch das Kunststück gelungen, den Kern der kanadisch geprägten Mannschaft mit allen Leistungsträgern zu halten. "Das war nicht einfach", sagte der Kaderplaner, "zumal mehrere Spieler finanziell bessere Angebote hatten. Aber wir konnten mit unserem Plan und unserem Konzept punkten". Schwenningen steht für körperbetontes, rasantes und offensiv geprägtes Eishockey.

Im Tor sind der Schwede Joacim Eriksson (schon seit fünf Jahren in Schwenningen!) und der Deutsch-Amerikaner Michael Bitzer als Tandem weiter eine Bank. In der Verteidigung verstärken Nationalspieler und Rückkehrer Dominik Bittner (aus München) und der robuste Schwede Eric Martinsson (Växjö) künftig die Defenisvabteilung. Daneben stehen die etablierten Thomas Larkin, Ben Marshall, Will Weber, Alex Trivellato und Arkadiusz Dziambor für solide Arbeit gegen den und mit dem Puck. Die jungen Neuzugänge Niklas Hübner (Ingolstadt) und Niclas Hempel (Freiburg) aus dem U23-Bereich wollen sich in der DEL etablieren.

Im Angriff sollen die Spink-Zwillinge, Zach Senyshyn, Nationalstürmer Alexander Karachun und Kyle Platzer weiter für reichlich Offensiv-Power, Tore und Vorlagen sorgen. Sebastian Uvira, Mirko Höfflin, Boaz Bassen und Phil Hungerecker sind wichtige Rollenspieler. Mit den Neuzugängen Jordan Szwarz, Bully-Spezialist von den Adlern Mannheim, und Felix Maegaard Scheel (Bremerhaven) kam eine ordentliche Portion Routine und Kampfkraft dazu. Neben dem immer stärker werdenden Philip Feist (22) soll Hakon Hänelt (von den Kölner Haien) für frischen Wind auf den U23-Plätzen im Kader sorgen.

Der Königstransfer

Und dann wäre da noch Tim Gettinger. Mit dem US-Boy holten sich die Schwenninger einen hochspannenden Neuzugang aus Nordamerika, der nicht nur mit seiner Körpergröße von 1,98 Metern für Aufsehen in der DEL sorgen soll. "Königstransfer?," fragt Stefan Wagner, "das würde den anderen Neuzugängen nicht gerecht werden". Gleichwohl erwarten die Wild Wings einiges von Gettinger, der im Angriff auf allen Positionen zuhause ist.

"Seine Vita ist interessant, seine Vorbereitung war gut", sagt Wagner über Tim Gettinger. Jetzt müsse man abwarten, wie der Eis-Riese die Umstellung auf die größeren Spielflächen in der DEL meistert. Der 27-Jährige kam von den Grand Rapids Griffins aus der AHL, der Liga unter der erstklassigen nordamerikanischen NHL, in der Gettinger immerhin auch 16 Mal auf dem Eis stand.

Der Trainer

Für Manager Stefan Wagner ist "der Trainer das wichtigste Bauteil im System". Und mit dem Kanadier Steve Walker (52) hat nicht nur Erfolg, sondern auch Kontinuität auf der Trainerposition der Wild Wings Einzug gehalten. Der frühere Torjäger der Eisbären Berlin geht bereits in seine dritte Saison auf der Bank der Wild Wings.

In den ersten beiden Jahren gelang ihm jeweils der Einzug in die Playoffs. Im vergangenen Jahr wurde er sogar als "Trainer des Jahres" der Saison 2023/24 in der DEL ausgezeichnet. "Ich bin kein Freund von ständigen Trainerwechseln, auch wenn der Coach manchmal das schwächste Glied in der Kette ist", sagt Stefan Wagner. "Kontinuität zahlt sich meistens aus." Darauf hoffen die Wild Wings auch im dritten Jahr in Serie unter Steve Walker.