Almuth Schult ist 66-malige Nationalspielerin, Welttorhüterin, Olympiasiegerin,… Aber ihr größter Verdienst könnte sein, Türen für andere geöffnet zu haben. Die vierfache Mutter gilt als Pionierin für Frauen, die Leistungssport mit der Mutterrolle vereinbaren wollen. Und da waren und sind bis heute dicke Bretter zu bohren.
Pionierin für Mütter im Profi-Fußball
Bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko wird sie wochenlang als WM-Expertin vor Ort sein, während die Kinder zu Hause bestens betreut sind. Die Frage von SWR Sport-Moderator Benni Wüst, wie sie das alles managt, beantwortet Schult so, dass sich niemand um das Wohl ihrer Kinder Sorgen machen muss. Vor allem aber gibt sie zu bedenken, dass einem männlichen Experten diese Frage niemals gestellt werden würde. 1:0 für Schult.
US-Profiliga ist Vorbild
Almuth Schult hat sich niemals für die Karriere oder für Kinder entschieden, sondern immer für beides. Sie hat bewiesen, dass ein Comeback als Mutter sowohl in der Bundesliga als auch in der Nationalmannschaft möglich ist. Einfach war es allerdings nicht durchzusetzen, den Verantwortlichen Zugeständnisse abzuringen, etwa dass Kinder mit zur Nationalmannschaft gebracht werden dürfen. Während ihrer Zeit in der US-Profiliga wurde ihr bewusst, was möglich ist. Dort waren die Strukturen längst da, Mütter im Profisport zu unterstützen. Nur langsam bewegt sich auch in Deutschland in dieser Richtung etwas. "Natürlich mussten sich Verein und Nationalmannschaft erst mal daran gewöhnen. Es gab auch beispielsweise keine Regularien schwarz auf weiß geschrieben, wie man damit umzugehen hat. Die sind durch meine Mutterschaft entstanden und eigentlich haben erst die Spielerinnen danach richtig davon profitiert", sagt Schult heute im Gespräch bei SWR Sport.
Frauen-Fußball in Deutschland oft noch semiprofessionell
Der Frauen-Fußball hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und doch ist die Professionalisierung noch meilenweit von den Männern entfernt. Dabei geht es gar nicht vordergründig um irgendwelche Millionen-Gehälter. "Es ist vor allem noch nicht flächendeckend. In Wolfsburg, Frankfurt und bei Bayern München ist es schon recht professionell. Aber in vielen anderen Vereinen wird semiprofessionell gearbeitet. Wenn man dann nach USA in die dortige Profiliga schaut und sieht, wie dort alles bis ins Detail geregelt ist, dann erkennt man, dass die Bundesliga nicht so attraktiv ist, wie sie sein könnte", so die Einschätzung von Schult.
Jungs werden früher auf Profikarriere vorbereitet
Auch die sportliche Förderung im Nachwuchsbereich ist bei Mädchen deutlich schlechter als bei Jungs. "Die Ausbildung der Trainer ist bei Mädchen und Frauen deutlich schlechter, manchmal sind es nur engagierte Eltern. Auch das Athletiktraining ist bei Frauen unterentwickelt, während Jungs früh in den Nachwuchsleistungszentren schon täglich professionell trainieren. Das ist später nicht mehr aufzuholen", kritisiert Schult die aktuelle Diskrepanz. Sie selbst habe mit 16 erstmals ein professionelles Torwarttraining bekommen und das auch nur einmal im Monat bei der Nationalmannschaft. Die Jungs dagegen kommen mit 12, 13 Jahren ins Internat und werden täglich gefördert.
Mütter im Profisport sollten Normalität werden
Karrieren wie die von Almuth Schult haben hierzulande immer noch Seltenheitswert. Sie hat sich von den Widerständen nicht abschrecken lassen. Nach ihrer zweiten Schwangerschaft musste sie wieder Probetrainings absolvieren und landete in der zweiten Liga, weil man ihr das höchste Niveau nicht mehr zugetraut hat. Erst mit dem erneuten Wechsel in die USA zu Kansas City Current wurde sie wieder wertgeschätzt und erlebte nochmal, mit ihren Kindern, eine tolle Zeit als Profi-Fußballerin. Heute sagt Almuth Schult, dass jede weitere Mutter im Profi-Fußball die Sache einfacher macht. Es müssen immer mehr werden, dann wird es irgendwann auch "normal" sei. Aber es braucht eben immer erst jemanden, der voran geht und den Weg bereitet.