Lauterbach im Schwarzwald. Die Sonne kämpft sich allmählich durch die Wolkendecke in den Bergen. "Ich bin glücklich, jetzt einfach mal wieder zuhause zu sein", sagt Janina Hettich-Walz, als sie in ihrem hellen Wohnzimmer vor den großen Fensterscheiben sitzt. Die Weltcupsaison ist erst seit wenigen Wochen vorbei. Jetzt kann sie endlich ganz für ihre einjährige Tochter Karlotta da sein.
Hettich-Walz erzählt von einer Achterbahnsaison. Schulnote "Zwei bis Drei", benotet sie. "Im Laufen eher eine Eins bis Zwei, und im Schießen eine Fünf." Dabei war das Schießen im Biathlon oft ihre Stärke, in der abgelaufenen Saison lief es aber gar nicht gut. Vor allem nach dem Stehendanschlag musste sie oft Strafrunden laufen.
Die erste Biathlon-Saison mit Tochter Karlotta
Trotzdem war es für sie ein ganz besonderes Jahr. Im Februar 2025 kam Tochter Karlotta zur Welt, bereits im September feierte Janina Hettich-Walz ihr Comeback bei den Deutschen Meisterschaften. "Die große Motivation waren die Olympischen Spiele. Wenn man ein Ziel vor Augen hat, kann man das schaffen", sagt sie selbstbewusst.
Die Geburt ihrer Tochter verlief ohne Komplikationen. Wenige Tage später machte sie bereits erste Kräftigungsübungen. Nach knapp einem Monat stand Hettich-Walz zum ersten Mal "erstmal nur locker" wieder auf Skiern.
Janina Hettich-Walz erhält Unterstützung vom DSV
Bei ihrer Rückkehr in den Leistungssport wurde die 29-Jährige vom Deutschen Skiverband (DSV) unterstützt. Hettich, die für den SC Schönwald startet, erzählt dankbar: "Mir wurde zugesichert, dass ich nach der Geburt direkt wieder in die "Trainingsgruppe Weltcup" komme. Auch meine Stelle bei der Bundeswehr wurde verlängert. Später durfte ich meine Tochter zu den Lehrgängen mitnehmen. Das hat enorm geholfen."
So etwas wie Mutterschutz oder Elternzeit gibt es im Leistungssport nicht. Hettich-Walz weiß: "Theoretisch könnte der Verband auch sagen: Da vertrauen wir dir nicht und jetzt schaust du, wie du wieder auf die Beine kommst."
Traum von Olympiamedaille ging nicht in Erfüllung
Die Mission Olympia wurde somit ein Gemeinschaftsprojekt vom DSV und der Familie. "Mein Mann Kai konnte flexibel arbeiten. Wir haben uns jede Woche neu organisiert. Meine Eltern hatten die Kleine mindestens einen Tag in der Woche, und auch die Schwiegereltern haben uns sehr viel geholfen."
Bei den Winterspielen in Mailand und Cortina im Februar 2026 lief es allerdings nicht wie geplant. Zwischenzeitlich bremste sie eine Krankheit aus. Rang acht im Einzel und Rang vier in der Staffel waren ihre Top-Ergebnisse. Ihr Wunsch von einer Olympiamedaille wurde nicht erfüllt.
Janina Hettich-Walz denkt an Karriereende
"Die Enttäuschung war schon sehr groß", reflektiert sie. "Zu verarbeiten, dass man in der Karriere diesen Traum nicht erreichen wird, war nicht so einfach. Dies war meine einzige Chance. Denn für mich ist klar, in vier Jahren werde ich nicht mehr dabei sein."
Das liegt vor allem an der Familienplanung. "Ich möchte irgendwann ein weiteres Baby, und mit zwei Kindern kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen." Vier Jahre Vorbereitung seien einfach zu lang, und das Investment mit den vielen Reisen im Leistungssport sei zu groß. Deshalb lautet ihr Plan: "Noch ein, vielleicht auch noch zwei Jahre - und dann kommt das Ende meiner Karriere."
Olympia-Tickets für Familie kosteten 90 Euro
Tochter Karlotta war bei den Olympischen Spielen in Italien übrigens mit dabei. Allerdings nicht im Teamhotel, sondern mit ihrem Papa in einer etwas außerhalb gelegenen Unterkunft. Für die Olympia-Wettkämpfe bekam Hettich-Walz jeweils zwei Tickets für Familienangehörige. Dafür musste sie allerdings den vollen Preis zahlen.
Ihre Tochter sah sie meist erst zwei Stunden nach dem Rennen, weil Karlotta keine Akkreditierung bekam. "Das fand ich schade. Das sind schließlich die Personen, die einen das komplette Leben unterstützen." Ihre Schlussfolgerung: "Der olympische Gedanke, dieses Feuer, ist bei mir nicht so übergesprungen."
Janina Hettich-Walz über Risiken für Mütter im Sport
Die Schwarzwälderin ist die erste deutsche Biathletin, die nach der Geburt zurück in den Leistungssport gekommen ist. "Die größte Resonanz von anderen Sportlerinnen war: 'Krass, dass du das gemacht hast, ich könnte mir das während der Karriere nicht vorstellen.'"
Das körperliche Risiko sei nicht zu unterschätzen, und die Pause nach der Geburt sei lang, berichtet Hettich-Walz. "Es gibt einfach eine Saison, in der man keine Wettkämpfe machen kann. Da haben es Männer einfacher. Man muss es sich schon genau überlegen. Es gehört ein hartes Stück Arbeit dazu, wieder zurückzukommen."
Wie kann Förderung von Müttern ausgeweitet werden?
Die Weltklasse-Sportlerin hofft, dass sie nicht die letzte deutsche Biathletin ist, die nach einer Schwangerschaft zurückkehrt. "Vielleicht wäre es ein Denkanstoß, festzuschreiben, dass man seinen Kaderstatus nach der Babypause behält", sagt sie. Damit vielleicht noch weitere Mütter im Leistungssport Biathlon dazukommen.