November 2001. DFB-Pokal. Abendspiel. Flutlicht. 90. Minute. Mannheim gegen Kaiserslautern. Die Mutter aller Derbys im Südwesten. Es steht 2:2. Dann kommt Olaf Marschall. Es ist einer dieser Momente, die sich ins Gedächtnis der FCK-Fans eingebrannt haben.
Nach einer Ecke steigt der Vollblutstürmer hoch und köpft die Roten Teufel kurz vor Schluss zum 3:2 Auswärtssieg beim Erzrivalen. Fast 25 Jahre später kommt es am Freitag (21.08.2026, 18 Uhr)) wieder zum Pokalduell mit Waldhof Mannheim - und Marschall muss bei den Bildern von damals noch immer lächeln.
Südwestduell im DFB-Pokal Bei Waldhof Mannheim gegen den FCK soll es krachen - aber nur auf dem Platz
In der ersten Runde des DFB-Pokals kommt es zum Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (Freitag, 19 Uhr). Zwischen beiden Klubs herrscht eine große Rivalität.
Derbys zwischen dem FCK und dem Waldhof sind etwas Besonderes
"Kurz vor Schluss einen Siegtreffer zu machen, das sind Erlebnisse, die nimmst du mit", sagt die FCK-Legende im SWR-Sport-Podcast "Nur der FCK". An jenem Abend in Mannheim war dieser Treffer für ihn ein besonderer. Marschall hatte zunächst auf der Bank gesessen und war erst im Laufe des Spiels eingewechselt worden. "An dem Tag war es eine Genugtuung für mich. Das ist schon ein geiles Gefühl."
Ein Tor, das bis heute nachhallt. Auch wenn inzwischen fast ein Vierteljahrhundert vergangen ist, wird Marschall noch darauf angesprochen. Gerade jetzt, vor dem erneuten Pokalderby, sind die Erinnerungen wieder präsent. "Es ist schon was Besonderes gegen Mannheim", sagt er: "Die Atmosphäre im Stadion ist natürlich auch sehr speziell."
Marschall weiß, wie wichtig das Derby für FCK-Fans ist
Wie groß die Rivalität zwischen beiden Fanlagern ist, muss Marschall niemand erklären. Schon 2001 war das die Stimmung aufgeheizt und das Spiel wäre beinahe nicht angepfiffen worden, weil beide Fangruppen in ihren Blöcken zündelten. Am kommenden Freitag dürfte es wieder laut und emotional werden. Genau das gehört für den früheren Torjäger zum Fußball dazu - solange eine Grenze nicht überschritten wird.
"Wegen mir können sie drinnen schreien, was sie wollen, das ist mir wurscht", sagt Marschall. Diese Atmosphäre in einem vollen Stadion finde er "grandios". Was er dagegen ablehnt, ist alles, was darüber hinausgeht: "Hass nach draußen tragen, muss nicht sein. Das ist immer noch Fußball."
FCK noch ohne Tor
Auf dem Platz erwartet Marschall ohnehin genügend Brisanz. Für den FCK geht es nach zwei torlosen Unentschieden zum Saisonstart auch darum, offensiv endlich den Knoten platzen zu lassen. Defensiv sieht der 60-Jährige die Roten Teufel nach zwei Spielen ohne Gegentor bislang auf einem guten Weg. Vorne fehle dagegen noch die letzte Selbstverständlichkeit.
Mal sei es die Ballmitnahme, mal der Abschluss, vielleicht auch einfach das Selbstvertrauen. Und welcher Abend würde sich besser eignen, um das zu ändern, als ausgerechnet das Pokalderby? "Wenn da am Freitag, ich sage mal, der Knoten irgendwo platzen würde, wäre es natürlich für uns alle gut", sagt Marschall.
FCK auf dem Papier der Favorit
Dass ein Drittligist in einem solchen Spiel kein angenehmer Gegner ist, weiß der ehemalige Nationalspieler nur zu gut. Ein Derby, ein ausverkauftes und aufgeheiztes Stadion, dazu der Pokalmodus: Viel braucht es nicht, damit aus einer Partie, die auf dem Papier einen Favoriten hat, ein völlig offener Kampf wird.
An der Marschroute aus Lauterer Sicht lässt Marschall dennoch keinen Zweifel. Auf die Frage, ob der Sieger am Freitag FCK heißen werde, antwortet er trocken: "Ich gehe mal davon aus." Leicht werde es allerdings nicht.
Vom FCK-Torjäger zum Chefscout
Nach der erfolgreichen Spielerkarriere und zwei kurzen Zwischenstationen ist Marschall seit 2016 im Scoutingbereich bei den Roten Teufeln tätig, seit 2021 als Chefscout. Sein Alltag hat mit dem früheren Leben als Mittelstürmer nur noch wenig zu tun. Marschall reist durch Deutschland und Europa, beobachtet Spieler live im Stadion, wertet Videos aus und arbeitet gemeinsam mit dem Scouting-Team mit umfangreichen Datenbanken. Mehrere hundert Spiele kommen im Team über eine Saison zusammen.
Gerade bei Stürmern weiß Marschall allerdings auch, wie schwer sich Qualität vorhersagen lässt. Einen Spieler, der seit Jahren zuverlässig 15 oder 20 Tore erzielt, müsse man nicht lange entdecken - den wollten schließlich auch viele andere Vereine haben. Die eigentliche Kunst bestehe darin, bei einem Spieler früh das Potenzial zu erkennen.
"Du musst die Fantasie haben, welcher könnte passen", so Marschall. Also einen Spieler zu finden, der vielleicht erst wenige Tore erzielt hat, dem man aber zutraut, beim FCK den nächsten Schritt zu machen. Trotz aller Daten bleibt Fußball für ihn damit auch Erfahrungssache.
Marschalls Erfolgsrezept gegen den Waldhof
Am Ende des Podcasts schließt sich der Kreis noch einmal. Torsten Lieberknecht sagt vor dem Derby über das Pokalspiel: Es sei ein "Alles-oder-nichts-Spiel". Wer könnte dem FCK-Trainer einen besseren Tipp für das Spiel gegen Mannheim geben als der Mann, der das letzte Pokalduell dort höchstpersönlich entschieden hat?
Marschall überlegt kurz. Dann kommt eine Antwort, die vermutlich auch vielen FCK-Fans gefallen dürfte: "Wenn wir jetzt 25 Jahre zurückdrehen würden, würde ich sagen: Stell' mich auf!."
In welchem Land Olaf Marschall an einem Tag als Scout besonders viele Spiele anschauen kann, was ein Stürmer mitbringen muss und welchen Spaß er sich mal in der Kabine erlaubt hat, hören Sie jetzt in der neuen Folge "Nur der FCK":
Fußball | Podcast Nur der FCK
Nur der FCK - der SWR Sport Podcast über den 1. FC Kaiserslautern. Alle zwei Wochen reden wir über alles rund um den FCK - mit Spielern und Fans.