FCK-Legende erinnert sich an Pokalsieg 2001

Wie Olaf Marschall den FCK im Derby gegen den Waldhof zum Sieg köpfte

Vor dem Pokalduell mit Waldhof Mannheim erinnert sich Olaf Marschall im SWR-Sport-Podcast "Nur der FCK" an sein spätes Siegtor für den FCK gegen Waldhof Mannheim im Jahr 2001.

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Von Autor/in Sebastian Zobel, Stefan Kersthold

November 2001. DFB-Pokal. Abendspiel. Flutlicht. 90. Minute. Mannheim gegen Kaiserslautern. Die Mutter aller Derbys im Südwesten. Es steht 2:2. Dann kommt Olaf Marschall. Es ist einer dieser Momente, die sich ins Gedächtnis der FCK-Fans eingebrannt haben.

Nach einer Ecke steigt der Vollblutstürmer hoch und köpft die Roten Teufel kurz vor Schluss zum 3:2 Auswärtssieg beim Erzrivalen. Fast 25 Jahre später kommt es am Freitag (21.08.2026, 18 Uhr)) wieder zum Pokalduell mit Waldhof Mannheim - und Marschall muss bei den Bildern von damals noch immer lächeln.

Mannheim/Kaiserslautern

Südwestduell im DFB-Pokal Bei Waldhof Mannheim gegen den FCK soll es krachen - aber nur auf dem Platz

In der ersten Runde des DFB-Pokals kommt es zum Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (Freitag, 19 Uhr). Zwischen beiden Klubs herrscht eine große Rivalität.

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Derbys zwischen dem FCK und dem Waldhof sind etwas Besonderes

"Kurz vor Schluss einen Siegtreffer zu machen, das sind Erlebnisse, die nimmst du mit", sagt die FCK-Legende im SWR-Sport-Podcast "Nur der FCK". An jenem Abend in Mannheim war dieser Treffer für ihn ein besonderer. Marschall hatte zunächst auf der Bank gesessen und war erst im Laufe des Spiels eingewechselt worden. "An dem Tag war es eine Genugtuung für mich. Das ist schon ein geiles Gefühl."

Ein Tor, das bis heute nachhallt. Auch wenn inzwischen fast ein Vierteljahrhundert vergangen ist, wird Marschall noch darauf angesprochen. Gerade jetzt, vor dem erneuten Pokalderby, sind die Erinnerungen wieder präsent. "Es ist schon was Besonderes gegen Mannheim", sagt er: "Die Atmosphäre im Stadion ist natürlich auch sehr speziell."

Olaf Marschall, FCK Pokalheld beim 3:2 beim SV Waldhof Mannheim in der Saison 200102 (hier im Duell mit dem Mannheimer Dariusz Pasieka
Olaf Marschall, FCK-Pokalheld beim 3:2 beim SV Waldhof Mannheim in der Saison 2001/02 (hier im Duell mit dem Mannheimer Dariusz Pasieka Imago/ Sportnah

Marschall weiß, wie wichtig das Derby für FCK-Fans ist

Wie groß die Rivalität zwischen beiden Fanlagern ist, muss Marschall niemand erklären. Schon 2001 war das die Stimmung aufgeheizt und das Spiel wäre beinahe nicht angepfiffen worden, weil beide Fangruppen in ihren Blöcken zündelten. Am kommenden Freitag dürfte es wieder laut und emotional werden. Genau das gehört für den früheren Torjäger zum Fußball dazu - solange eine Grenze nicht überschritten wird.

"Wegen mir können sie drinnen schreien, was sie wollen, das ist mir wurscht", sagt Marschall. Diese Atmosphäre in einem vollen Stadion finde er "grandios". Was er dagegen ablehnt, ist alles, was darüber hinausgeht: "Hass nach draußen tragen, muss nicht sein. Das ist immer noch Fußball."

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FCK noch ohne Tor

Auf dem Platz erwartet Marschall ohnehin genügend Brisanz. Für den FCK geht es nach zwei torlosen Unentschieden zum Saisonstart auch darum, offensiv endlich den Knoten platzen zu lassen. Defensiv sieht der 60-Jährige die Roten Teufel nach zwei Spielen ohne Gegentor bislang auf einem guten Weg. Vorne fehle dagegen noch die letzte Selbstverständlichkeit.

Das Tor zum 1:0 im Spiel FCK vs. SVW am 22.10.1983
Der Ursprung der Derby-Rivalität: Am 22. Oktober 1983 trafen der 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim im Bundesliga-Duell erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander. Nach einer torlosen ersten Hälfte bezwangen die Lauterer den Aufsteiger auf dem Betzenberg mit 2:0. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Das Tor zum 2:2 im Spiel FCK vs. SVW am 27.09.1986
Eines der packendsten Duelle zwischen den Erzrivalen fand am 27. September 1986 in Kaiserslautern statt. Der FCK ging nach 45 Minuten mit einer knappen 1:0-Führung durch einen Treffer von Harald Kohr in die Kabine. Kurz nach der Pause konterte der SV Waldhof mit einem Doppelschlag. Wenig später flog der Torschütze der Lauterer nach einer Tätlichkeit vom Platz. Die Roten Teufel bestritten fast die gesamte zweite Hälfte in Unterzahl, schafften aber noch den Ausgleich und drehten die Partie in der 89. Minute zum 3:2-Sieg. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Gerald Ehrmann pariert einen Elfmeter von Fritz Walter am 25. Spieltag der Saison 198687
Der 15. April 1987 und das wohl populärste Duell in der Derby-Geschichte zwischen dem FCK und dem SVW. Ein Aufeinandertreffen geprägt von der Zahl vier: Vier Elfmeter für den Waldhof, wovon Gerald "Gerry" Ehrmann zwei parierte. Fritz Walter erzielte alle vier Treffer für die Mannheimer (das entscheidende Tor zum 4:3-Endstand schoss er in der 89. Minute). Kurz vor Schluss fiel sogar noch der Ausgleichstreffer zum 4:4, der aber wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. picture alliance / dpa | Marcus Thelen Bild in Detailansicht öffnen
Der damalige Waldhof-Trainer Günter Sebert
Die bislang letzte Bundesliga-Begegnung zwischen Mannheim und Kaiserslautern fand am 24. Februar 1990 im damaligen "Stadion am Alsenweg" statt. Damit ist es die einzige Ausgabe des Nachbarschaftsduells, die tatsächlich im Stadtteil Waldhof ausgetragen wurde. Mannheim demontierte den Erzrivalen in der Partie mit 4:0, nie gewann die Mannschaft im Derby deutlicher. Nach dem Spiel sagte der damalige Waldhof-Coach Günter Sebert (s. Foto) über den Gegner: "Wir haben heute den ersten Absteiger gesehen." Am Saisonende stiegen allerdings die Waldhöfer ab und nicht der FCK. Die Roten Teufel holten in der Folgesaison sogar die Deutsche Meisterschaft. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Otto Rehhagel mit verschränkten Armen
Am 26. Mai 1997 feierte Atilla Birlik sein Zweitliga-Debüt für den Waldhof. Das dauerte jedoch nur wenige Minuten. Nachdem der Stürmer FCK-Torhüter Gerry Ehrmann einen Wischer verpasst hatte, flog er vom Platz. Bis heute wird Birlik von den Mannheimer Anhängern dafür gefeiert. Viel mehr zu feiern gab es für den Waldhof an diesem 32. Spieltag allerdings auch nicht. Der FCK siegte im Derby so deutlich wie nie: Unter Trainer Otto Rehhagel (s. Foto) gewannen die Roten Teufel daheim mit 5:0. Am Saisonende stieg die Mannschaft als Zweitliga-Meister auf, der Waldhof musste in die 3. Liga. picture alliance / dpa | Werner Baum Bild in Detailansicht öffnen
Stürmer Olaf Marschall trifft per Kopfball zum 3:2
Verkehrschaos, Prügeleien und Rauchschwaden im Stadion: Am 28. November 2001 standen sich der damalige Zweitligist aus Mannheim und der Bundesligist aus Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegenüber. In einer packenden Partie durfte der Waldhof lange an die Sensation im eigenen Stadion glauben. Doch in der Nachspielzeit traf FCK-Stürmer Olaf Marschall für die Gäste zum entscheidenden 3:2. picture-alliance / dpa | Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Das Tor zum 1:1-Endstand für den FCK
Nach 22 Jahren spielten der FCK und Aufsteiger Waldhof Mannheim am 01. September 2019 erstmals wieder in der gleichen Liga. Ein lang ersehntes Derby im Südwesten - zwar nur in der 3. Liga, ordentlich Zündstoff gab es trotzdem. Nachdem die Partie auf dem Betzenberg verspätet angepfiffen und wegen Pyrotechnik kurzzeitig unterbrochen wurde, nutzten die Mannheimer ihre erste Chance zur frühen Führung. Der FCK traf eine gute halbe Stunde später zum 1:1-Endstand. picture alliance / Fotostand | Fotostand / Schmitt Bild in Detailansicht öffnen
Das war mal ein Einstand. Der 1. FC Kaiserslautern siegte beim Debüt von Trainer Marco Antwerpen am 06. Feburar 2021 mit 2:0 in Mannheim. Die Treffer für die Roten Teufel erzielten Hendrick Zuck und Marius Kleinsorge.
Das ist mal ein Einstand. Der 1. FC Kaiserslautern siegt beim Debüt von Trainer Marco Antwerpen mit 2:0 in Mannheim. Das bislang letzte Derby. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Schiedsrichter Florian Heft zeigt Kaiserslauterns Marvin Senger im Spiel gegen Waldhof Mannheim die Rote Karte.
Am 11.09.2021 fand das bislang letzte Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof Mannheim statt. In einem wilden Drittliga-Spiel haben sich die Teams mit 0:0 getrennt. Dabei gab es wenige Chancen, aber insgesamt vier Platzverweise. Schiedsrichter Florian Heft zeigte neben Kaiserslauterns Senger auch Redondo, Dick und Mannheims Kientz die Rote Karte. imago images/Werner Schmitt Bild in Detailansicht öffnen

Mal sei es die Ballmitnahme, mal der Abschluss, vielleicht auch einfach das Selbstvertrauen. Und welcher Abend würde sich besser eignen, um das zu ändern, als ausgerechnet das Pokalderby? "Wenn da am Freitag, ich sage mal, der Knoten irgendwo platzen würde, wäre es natürlich für uns alle gut", sagt Marschall.

FCK auf dem Papier der Favorit

Dass ein Drittligist in einem solchen Spiel kein angenehmer Gegner ist, weiß der ehemalige Nationalspieler nur zu gut. Ein Derby, ein ausverkauftes und aufgeheiztes Stadion, dazu der Pokalmodus: Viel braucht es nicht, damit aus einer Partie, die auf dem Papier einen Favoriten hat, ein völlig offener Kampf wird.

Olaf Marschall in der Saison 200102 mit dem damaligen FCK Teamchef, Andreas Brehme
Olaf Marschall in der Saison 2001/02 mit dem damaligen FCK-Teamchef Andreas Brehme (li.) Imago/ Finke

An der Marschroute aus Lauterer Sicht lässt Marschall dennoch keinen Zweifel. Auf die Frage, ob der Sieger am Freitag FCK heißen werde, antwortet er trocken: "Ich gehe mal davon aus." Leicht werde es allerdings nicht.

Vom FCK-Torjäger zum Chefscout

Nach der erfolgreichen Spielerkarriere und zwei kurzen Zwischenstationen ist Marschall seit 2016 im Scoutingbereich bei den Roten Teufeln tätig, seit 2021 als Chefscout. Sein Alltag hat mit dem früheren Leben als Mittelstürmer nur noch wenig zu tun. Marschall reist durch Deutschland und Europa, beobachtet Spieler live im Stadion, wertet Videos aus und arbeitet gemeinsam mit dem Scouting-Team mit umfangreichen Datenbanken. Mehrere hundert Spiele kommen im Team über eine Saison zusammen.

Gerade bei Stürmern weiß Marschall allerdings auch, wie schwer sich Qualität vorhersagen lässt. Einen Spieler, der seit Jahren zuverlässig 15 oder 20 Tore erzielt, müsse man nicht lange entdecken - den wollten schließlich auch viele andere Vereine haben. Die eigentliche Kunst bestehe darin, bei einem Spieler früh das Potenzial zu erkennen.

WM Teilnehmer, Deutscher Meister, "Fußballgott": Olaf Marschall zu Gast im SWR Sport Podcast "Nur der FCK"
WM-Teilnehmer, Deutscher Meister, "Fußballgott": Olaf Marschall zu Gast im SWR Sport Podcast "Nur der FCK" Imago/ Jan Huebner

"Du musst die Fantasie haben, welcher könnte passen", so Marschall. Also einen Spieler zu finden, der vielleicht erst wenige Tore erzielt hat, dem man aber zutraut, beim FCK den nächsten Schritt zu machen. Trotz aller Daten bleibt Fußball für ihn damit auch Erfahrungssache.

Marschalls Erfolgsrezept gegen den Waldhof

Am Ende des Podcasts schließt sich der Kreis noch einmal. Torsten Lieberknecht sagt vor dem Derby über das Pokalspiel: Es sei ein "Alles-oder-nichts-Spiel". Wer könnte dem FCK-Trainer einen besseren Tipp für das Spiel gegen Mannheim geben als der Mann, der das letzte Pokalduell dort höchstpersönlich entschieden hat?

Marschall überlegt kurz. Dann kommt eine Antwort, die vermutlich auch vielen FCK-Fans gefallen dürfte: "Wenn wir jetzt 25 Jahre zurückdrehen würden, würde ich sagen: Stell' mich auf!."

In welchem Land Olaf Marschall an einem Tag als Scout besonders viele Spiele anschauen kann, was ein Stürmer mitbringen muss und welchen Spaß er sich mal in der Kabine erlaubt hat, hören Sie jetzt in der neuen Folge "Nur der FCK":

Kaiserslautern

Podcast "Nur der FCK" FCK-Coach Lieberknecht vor Saisonstart: "Wir haben genug erfahrene Jungs im Kader"

Mit Respekt und großer Vorfreude blickt Torsten Lieberknecht auf das anspruchsvolle Auftaktprogramm in der neuen Saison. Vor dem Start in Wolfsburg war der FCK-Coach zu Gast im SWR Sport-Podcast "Nur der FCK".

Kaiserslautern

"Nur der FCK" Podcast aus dem SWR PopUp Studio Kaiserslautern FCK-Fans träumen von der Bundesliga: "Wir gehören da hin!"

Im Podcast "Nur der FCK" sprechen Fans über die Saison, Daniel Hanslik, Torsten Lieberknecht und ihre Hoffnung auf die Bundesliga.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sebastian Zobel
Bild von Sebastian Zobel, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern
Stefan Kersthold
SWR Sportreporter Stefan Kersthold am Mikrofon