Der 13. November ist für Tamara Diehl und ihren Partner Harald Hirschmann ein Datum, das sie nie vergessen werden. Das Paar aus Nieder-Olm (Landkreis Mainz-Bingen) schaut sich Fotos von damals an. Die Erinnerungen an die Explosionen von Paris wühlen auf. Die Anschläge, die an fünf verschiedenen Orten der französischen Hauptstadt stattfanden, kosteten 130 Menschen das Leben. "Ich denke jedes Mal am 13. November daran, dies hätte mein Todestag sein können", erinnert Tamara Diehl. "Es ist zum einen der Horror, der immer wieder hochkommt, aber eben auch die Dankbarkeit, dass wir nicht zu Tode gekommen sind."
"Ich hatte ein komisches Gefühl"
Die Beiden saßen an diesem Freitag im November 2015 als Zuschauer beim Fußball-Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland im Pariser Stade de France. Als der erste, ungewöhnlich laute Knall zu hören war, kam erste Unruhe auf beim damaligen französischen Präsidenten Francois Hollande und beim deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf der VIP-Tribüne. Dann ertönte der nächste Knall. Die Unsicherheit stieg.
"Ich hatte irgendwie ein komisches Gefühl", sagt Hirschmann. "Ich dachte mir, dass es kein Feuerwerkskörper oder so ist. Auch nichts, was normalerweise irgendwo im Stadion explodiert. Aber ich habe versucht, das herunterzuspielen."
Die Beine zittern bei ARD-Reporter Tom Bartels
SWR-Sportreporter Tom Bartels kommentierte damals das Länderspiel live in der ARD. Der Körper des damals 50-Jährigen reagierte angesichts der bedrohlichen Situation auf zuvor nie gekannte Weise. "Meine Beine fingen an zu zittern. Ich musste sie beruhigen, weil der Körper sich sträubte - so erkläre ich mir das im Nachhinein - dass ich einfach so weitermache und hier weiterkommentiere."
Nach dem Spiel war klar: Die Detonationen kamen von Sprengsätzen der Selbstmord-Attentäter und von Bomben. Paris war das Ziel von Terroranschlägen, im Konzertsaal Bataclan ermordeten Dschihadisten 89 Menschen und auch in unmittelbarer Nähe des Stadions gab es Tote und Verletzte. Tamara Diehl und Harald Hirschmann versuchten, irgendwie aus der Arena rauszukommen. 130 Menschen fielen den Attentätern an jenem Tag zum Opfer, mehr als 400 wurden verletzt.
Zehn Jahre nach den Terroranschlägen in Paris Ex-DFB-Physiotherapeut aus Ulm zum Terror in Paris 2015: "Die Druckwelle hat man gespürt auf der Bank"
Wolfgang Bunz ist mittendrin am 13. November 2015, als der IS Paris angreift. Der frühere Physiotherapeut der deutschen Fußballnationalmannschaft schildert die bangen Stunden während der Anschläge.
Wenn die Angst wieder hochkommt
Hirschmann erinnert: "Auf dem Weg gab es jemanden, der rief: 'Bombe, Bombe'. Da kam es wieder zu einer kleinen Panik, weil die Leute gegeneinander gelaufen sind." Das Sprechen über diese Tragödie fällt den Beiden schwer, die Erlebnisse haben sich tief eingebrannt, Ängste kommen selbst in alltäglichen Situationen hoch. "Kurze Zeit später kam der Pizzabote mit einem riesengroßen Karton. Da dachte ich: 'Was hat der jetzt in der Box?‘ Dabei war das nur der Pizzabote."
Die Terroranschläge vom 13. November 2015 haben ihre Spuren hinterlassen.