SWR Sport: Herr Heidel, es wird wieder einmal ein Bundestrainer gesucht. An Jürgen Klopp, so scheint es, führt kein Weg vorbei. Sie kennen sich aus Mainzer Zeiten bestens. 2001 haben Sie Jürgen Klopp dort zum Trainer gemacht. Was kann Klopp, was andere nicht können?
Christian Heidel: Ich muss jetzt ein bisschen vorsichtig sein. Weil wenn ich jetzt explizit darauf antworte, glauben alle, ich weiß jetzt mehr. Wir sind dicke Freunde. Und das sage ich jetzt mal außerhalb dieser Freundschaft, dass er ganz sicher die beste Wahl wäre, die überhaupt machbar ist. Das wäre nicht nur in Deutschland so, das wäre wahrscheinlich auf der halben Welt so, das ist doch völlig klar. Aber das ist eine Entscheidung, die Kloppo in aller Ruhe auch im Familienkreis treffen muss. Ob man sich da auch einigt, ob er das überhaupt definitiv machen will. Es gibt ja Tendenzen in diese Richtung, aber da muss man abwarten. Sollte er Bundestrainer werden, haben wir sicher den besten, den es gibt.
Das ganze Gespräch mit Christian Heidel über Klopp, Nagelsmann und die WM 2026:
SWR Sport: Jetzt nehmen wir mal an, Sie sind nicht der Freund von Jürgen Klopp und Sie sehen das von außen. Er ist ein Menschenfänger, er ist jemand, der emotional ist, der die Spieler mitreißen kann, der eine direkte Ansage hat, der ein klares Konzept hat, was man vielleicht außen bei ihm nicht immer so vermutet. Würden Sie mir dazu stimmen?
Christian Heidel: Ja, besser kann ich es nicht beschreiben. Man muss einfach sehen, ein Bundestrainer ist nicht zu vergleichen mit einem Vereinstrainer. Ich glaube, das war ein bisschen das Problem von Julian Nagelsmann, den ich für einen überragenden Trainer halte. Aber er ist ein Trainer, der seine Stärken dann zeigen kann, wenn er täglich mit einer Mannschaft arbeitet. Und bei einer Nationalmannschaft ist das nicht möglich. Da kommt es auf ganz andere Faktoren an. Und ich würde sagen, Empathie, Ausstrahlung, das Emotionale, das ist jetzt nicht unbedingt die große Stärke von Julian, das ist aber die große Stärke von Jürgen Klopp. Deswegen glaube ich auch, dass er ein perfekter Bundestrainer sein könnte.
Meinung zum neuen Bundestrainer "Komplettpaket Klopp": Bewältigt der Mann aus dem Schwarzwald die Herkulesaufgabe?
Jürgen Klopp ist seit Freitag neuer Bundestrainer und Nachfolger von Julian Nagelsmann. Damit allein sind die vielen Problemen rund ums Nationalteam noch nicht gelöst, sagt SWR-Sportredakteur Kersten Eichhorn.
SWR Sport: Herr Heidel, Jürgen Klopp hat gesagt, er sei mittlerweile mehr als aufgetankt und damit auch bereit. Er sagt aber auch, dass die Position des Bundestrainers die Probleme des deutschen Fußballs nicht lösen wird. Das heißt, Klopp weiß, dass er es alleine nicht richten kann, oder?
Christian Heidel: Er ist ja nicht der Messias, der jetzt kommt. Er trifft ja auch auf Voraussetzungen. Er muss auch die Spieler haben. Ich glaube, aus dem, was man ihm gibt, macht er das Beste, da bin ich sicher. Aber das bedeutet nicht, dass wir in vier Jahren als Top-Favorit zur Weltmeisterschaft fahren. Wir müssen einfach mal ein bisschen auf dem Boden bleiben. Ich muss ehrlich zugeben, dass wir Deutsche eigentlich nur darüber geredet haben, als wir in die USA abgeflogen sind, dass wir Weltmeister werden müssen. Ich glaube, man hat gesehen, dass wir Lichtjahre von der Weltspitze entfernt sind. Wie viele Spieler von Weltklasse haben wir denn? Ich glaube, das sind Punkte, über die Jürgen Klopp sich Gedanken macht. Auf was trifft er, was kann er machen, wie ist die Erwartungshaltung? Aber wenn Jürgen Klopp Bundestrainer werden sollte, ist die Erwartungshaltung natürlich vom ersten Tag an wieder unermesslich. Und das sind Dinge, über die er sprechen möchte.
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