Es gibt wohl in und um Pirmasens herum keinen größeren HSV-Fan. Von Kindesbeinen an ist Yannick Griess nicht nur glühender Anhänger der Hamburger, inzwischen ist er auch eingetragenes Mitglied bei den Hanseaten.
Umso kurioser ist die Situation, dass eben dieser Yannick Griess am Samstag (13:00 Uhr) im DFB-Pokal "seinen" FK Pirmasens als Kapitän aufs Feld führt. Gegen "seinen" Hamburger SV: "Ich bin absolut stolz darauf, HSV-Fan zu sein", sagt der 29-Jährige Abwehr-Chef im Gespräch mit SWR Sport vor seinem Spiel des Lebens.
Ein waschechter Pirmasenser, ein Pfälzer als HSV-Anhänger - wie kam das zustande? "Es war ganz früh in meiner Kindheit, als mich die Hamburger Spieler wie van der Vaart, Petric oder Son begeistert haben", kramt Yannick Griess in der Erinnerung vor gut und gerne 20 Jahren, "außerdem ist die Fan-Szene des HSV der Hammer, die ganze Tradition des Klubs".
Während seine Mitspieler vor der Auslosung der ersten DFB-Pokalrunde auf Gegner wie Bayern München oder Borussia Dortmund hofften, ging für Yannick Griess mit dem HSV-Los ein Traum in Erfüllung: "Das ist auf jeden Fall sehr besonders, vor allem die Auslosung war besonders. Ich hatte Gänsehaut", so der Innenverteidiger, der immer nur für den FKP spielte, über seine emotionale Achterbahnfahrt.
Sensation gegen Werder Bremen im September 2006
Die Pirmasenser Arena ist seit Wochen mit 10.000 Zuschauern ausverkauft. Es ist das Spiel des Jahres für den Fußballverein in der 40.000-Einwohner-Stadt. Der Fünftligist ohne Chance gegen den Bundesligisten? Nein. Warum sollte dem Oberligisten nicht eine Sensation gelingen? Wie vor 19 Jahren, am 9. September 2006, als der damalige Regionalligist FKP mit Werder Bremen schon einmal Fußball-Prominenz aus dem Norden aus dem DFB-Pokal kegelte.
Es war ein dramatischer Fußball-Nachmittag, der erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. Vor 10.000 begeisterten Zuschauern im Sportpark Husterhöhe hieß es nach 120 Minuten 1:1. Das Wettschießen gewannen die Pfälzer danach mit 4:2. Yannick Griess stand damals mit seinem Vater auf der Tribüne hinter dem Tor, nach dem unvergessenen Triumph rollten Tränen der Freude beim 10-jährigen FKP-Anhänger.
FKP-Keeper Schwartz als Elfer-Held
Es gab seinerzeit gleich mehrere Pirmasenser Pokal-Helden: Keeper Reiner Schwartz hielt zwei Elfer gegen die Bremer Hugo Almeida und Ivan Klasnic. Anschließend verwandelte Teamkollege Miguel Carvalho den entscheidenden Schuss gegen Werder-Torhüter Andreas Reinke, den früheren FCK-Goalie, zum umjubelten Sieg für den FKP. Carvalho riss sich das Trikot vom Leib, ehe sein Jubellauf von den Teamkollegen jäh gestoppt wurde und der Siegtorschütze unter einer Spielertraube verschwand. Bremens Torjäger und spätere Weltmeister aus der Pfalz, Miroslav Klose, ging derweil blamiert und mit gesenktem Kopf in die Kabine.
Yannick Griess: "Dann steht Pirmasens Kopf..."
Jetzt kommt also der ruhmreiche HSV zum ungleichen Duell. Der zweite Herzensverein des FKP-Kapitäns Yannick Griess: "Die gilt es am Samstag auszuschalten und weiterzukommen", sagt der Abwehrspieler eindeutig, "an erster Stelle steht der sportliche Erfolg meines Vereins, und das ist der FK Pirmasens, da schlägt mein Herz dann doch noch etwas höher als beim HSV."
Aber egal wie es ausgeht. In jedem Fall wird es ein einmaliges Erlebnis, eine emotionale Achterbahnfahrt für Yannick Griess, HSV-Mitglied und FKP-Kapitän. Verbunden mit der Hoffnung auf die nächste Pirmasenser Sensation, wie damals gegen Bremen: "Ich mache mit meinen Jungs hinten dicht und wir gewinnen im Elfmeterschießen", sagt Yannick Griess mit einem vorfreudigen Lächeln im Gesicht, un ergänzt: "Pirmasens steht Kopf und es wird gefeiert ohne Ende."