Der Videoschiedsrichter ist das vielleicht am häufigsten debattierte Thema im deutschen Fußball - selbst, wenn er gar nicht im Einsatz ist. In der zweiten Runde des DFB-Pokals kam es zu mehreren strittigen Entscheidungen und auch zu klaren Fehlentscheidungen. Der VAR kommt im Pokal jedoch erst ab dem Achtelfinale zum Einsatz.
So unterlag Heidenheim dem HSV aufgrund eines höchst umstrittenen Foulelfmeters. Einen nicht minder fragwürdigen Handelfmeter bekam die TSG Hoffenheim bei St. Pauli zugesprochen. Beim Hertha-Sieg gegen Elversberg blieb dagegen ein klares Handspiel von Diego Demme ungeahndet. Zu guter Letzt profitierten der FC Bayern (in Köln) und Borussia Dortmund (in Frankfurt) vor dem jeweiligen 1:1-Ausgleich von übersehenen Abseitspositionen und kamen am Ende eine Runde weiter.
Praktisch per Reflex wurden Rufe laut, wonach der VAR schon ab der zweiten Runde eingesetzt werden solle, weil ja ohnehin die Amateurklubs meist ausgesiebt und die nötige Infrastruktur in den Stadien vorhanden sei. Ich dagegen empfand die Pokalabende trotz der Fehler als sehr angenehm. Weil ewige Wartezeiten wegfielen und: einfach weitergespielt wurde.
Nur noch Tore und Abseits checken
Trotzdem bin ich kein genereller Gegner des VAR. Man müsste es nur anders machen. Und dazu hat Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann etwas Interessantes gesagt: Überprüft werden sollte nur, was messbar ist. Und da gehe ich zu 100 Prozent mit. Neben der ohnehin tadellos funktionierenden Torlinientechnologie sollte der VAR nur noch mögliche Abseitsstellungen überprüfen.
Zudem sollten die Checks auf eine halbe Minute begrenzt werden. Braucht man länger, spricht doch alleine das schon dafür, dass es Perspektiven gibt, die eine Abseitsstellung weder eindeutig wider- noch belegen. Damit würde auch die Peinlichkeit entfallen, nach mehreren Minuten Abseitsstellungen illustrieren zu müssen, in denen der Nagel des großen Zehs eingefärbt ist, um damit einen "Beleg" zu liefern. Es kann mir doch niemand erklären, dass ein Stürmer, der zu 99,8 Prozent seiner Körperfläche auf gleicher Höhe mit dem Verteidiger ist, sich einen Vorteil verschafft.
Der Spießrutenlauf zum Monitor
Jetzt werden einige sagen: 'Ja gut, Heidenheim und der FC St. Pauli hätten sich sicherlich gefreut, wenn die Elfer gecheckt und unter Umständen zurückgenommen worden wären.' Das mag sein, und trotzdem ist mir eine schnelle Entscheidung lieber als das ewige Gewarte bei einem Eingriff des VAR. Und es bleibt das "unter Umständen": Viel zu oft gibt es im Fußball Situationen, die eben so oder so bewertet werden können. Wer weiß denn schon, ob ein Check in Heidenheim oder in Hamburg eine andere Entscheidung erbracht hätte? Gerade bei Handspielen ist man als Zuschauer ja nach dem Video-Check meistens nicht klüger als davor.
Würde man sich auf "Abseits ja oder nein" und "Tor ja oder nein" beschränken, würde man den Schiedsrichtern zudem den Spießrutenlauf auf dem Weg zu den am Spielfeldrand aufgestellten Monitoren ersparen. Noch besser: Die könnten gleich ganz abgebaut werden.
Fußball als herrliches Aufregerthema
Und was ist dann mit Fehlentscheidungen wie in Berlin? Die gäbe es dann wieder, klar. Ich aber habe den Eindruck, dass über jede zweite VAR-Entscheidung so viel diskutiert wird wie früher über die groben Böcke der Schiedsrichter. Und das ist doch seit jeher mit das Schönste am Fußball: Dass man sich so herrlich darüber aufregen kann.
Es mag sein, dass der Videoschiedsrichter in seiner momentanen Form den Fußball ein kleines bisschen gerechter gemacht hat. Wofür er aber ganz sicher gesorgt hat: Dass der Fußball wegen der nervigen Warterei bei Checks nicht mehr so attraktiv ist wie früher. Das habe ich an den Pokalabenden ganz deutlich gespürt. So wie am Dienstag und Mittwoch dürfte es immer sein, gerne noch mit ein paar flott korrigierten Abseitsentscheidungen.