Eigentlich ist es eher ungewöhnlich, wenn ein Verein, der sich im Rennen um die internationalen Startplätze für die kommende Spielzeit befindet, mitten in der Saison einen Trainerwechsel vornimmt. Im Fall von Eva-Maria Virsinger und der TSG Hoffenheim ist das etwas anders. Der Klub aus dem Kraichgau hatte sich bereits im November von Chefcoach Theodoros Dedes getrennt. Interimsmäßig hatte danach dessen Assistent Thomas Johrden übernommen, ehe am 05.01. die Verpflichtung von Virsinger bekannt gegeben wurde.
Eva-Maria Virsinger: "Intensiv und positiv"
Virsinger wurde vom VfL Wolsburg losgeeist, ihr Vertrag beim Topklub aus Niedersachsen wurde aufgelöst. Nun bereitet sie sich mit der TSG Hoffenheim auf den Re-Start der Frauen-Bundesliga vor - und brennt vor Tatendrang. "Es war bislang sehr intensiv - und sehr positiv. Wir hatten eine sehr kurze Vorbereitung", erzählt Virsinger im exklusiven Interview mit SWR Sport. "Wir haben gute Schwerpunkte gesetzt, aber auch gesehen, woran wir noch arbeiten müssen."
Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt
Hoffenheim ist als Vierter in die Winterpause gegangen und liegt damit aussichtsreich im Rennen um die Europapokal-Qualifikation. Am Wochenende (25.01., 15:15 Uhr) wartet mit der Auswärtspartie beim Tabellenfünften Eintracht Frankfurt direkt ein Schlüsselspiel auf die TSG.
"Wir wollen weiterhin performen, gleichzeitig aber auch mehr Konstanz entwickeln und weniger Punkte liegen lassen", blickt Virsinger voraus. "Die Basis ist, bei uns zu bleiben und regelmäßig zu punkten. Dann sagt man am Ende natürlich nicht Nein bei einer entsprechenden Platzierung."
Novum in der Frauen-Bundesliga
Virsinger ist in der aktuellen Spielzeit die sechste Frau auf dem Trainerstuhl eines Bundesligaklubs. Sie reiht sich neben Friederike Kromp (Werder Bremen), Britta Carlson (1. FC Köln), Heleen Jaques (SGS Essen), Ailien Poese (Union Berlin) und Liése Brancão (Hamburger SV) ein. So viele Trainerinnen gleichzeitig waren es noch nie.
Die Affinität zum rollenden Leder wurde Virsinger praktisch schon in die Wiege gelegt. "Zum Fußball bin ich über meinen Papa und meinen Opa gekommen, die beide im Verein Fußball gespielt haben. Mit ihnen war ich schon früh Sonntags auf dem Sportplatz unterwegs", rekapituliert die TSG-Coachin, die dann auch früh selbst kickte. "Ich war schon als kleines Kind immer mit den Jungs auf dem Bolzplatz."
"Ich habe mit 15 meine erste Trainerlizenz gemacht"
Die im württembergischen Süßen geborene 31-Jährige spielte rasch selbst im Verein und zeigte schon früh Interesse, das über den aktiven Sport hinausgeht. "Trainerin bin ich dann durch meinen Lehrer geworden. Er hatte mich in der Schul-AG angesprochen und gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könnte. Ich habe dann bereits mit 15 meine erste Trainerlizenz gemacht", so Virsinger. "Seitdem habe ich in irgendeiner Form immer als Trainerin gearbeitet, obwohl ich auch selbst gespielt habe. Ich war neben dem Verein auch im Verband als Trainerin in der Talentförderung tätig."
Das alles machte sie parallel zu ihrer aktiven Fußball-Karriere. Virsinger absolvierte als Spielerin 30 Zweitliga-Partien für den VfL Sindelfingen sowie Einsätze für deutsche U-Nationalteams. Dazu agierte sie auch als Spielertrainerin. Irgendwann habe sie dann an dem Punkt gestanden, sich "für das eine oder das andere" entscheiden zu müssen. "Dann habe ich mich für die Trainerlaufbahn entschieden, weil ich auch ein Typ bin, der klare Kante fährt", so Virsinger.
Nach Stationen als DFB-Stützpunkt- und Auswahltrainerin des Württembergischen Fußballverbandes folgte der Wechsel nach Wolfsburg, wo sie vier Jahre lang tätig war. "Dort habe ich die Arbeit auf Top-Level kennengelernt, etwa mit Spielerinnen wie Alexandra Popp oder Lena Oberdorf", erzählt Virsinger. 2025 absolvierte die UEFA-A-Lizenz-Inhaberin den Pro-Lizenz-Lehrgang des DFB.
Hospitation beim VfB Stuttgart und Trainer Sebastian Hoeneß
Neben ihren Trainerjobs fand Virsinger auch immer Zeit, sich weiterzubilden. Beeindruckend fand sie etwa eine einwöchige Hospitation beim VfB Stuttgart und Trainer Sebastian Hoeneß. "Er und sein Team arbeiten auf einem ganz, ganz hohen Niveau. Man sieht, dass es nicht umsonst ist, wie die Jungs da auch spielen. Ich habe echt auch Details mitgenommen - und es hat großen Spaß gemacht." Auch beim Hamburger SV und der portugiesischen Frauen-Nationalmannschaft schnupperte sie via Praktika rein.
"Es fühlt sich so ein bisschen wie heimkommen an"
Nun also Hoffenheim. "Ich kenne die Region, weil ich ja aus Baden-Württemberg komme. Es fühlt sich so ein bisschen wie heimkommen an", so die 31-Jährige. Sie will bei der TSG ihre Stärken einbringen. "Spielerinnen entwickeln, sich immer wieder neue Ziele setzen und auf diese hinzuarbeiten, sich selbst dabei treu bleiben", zählt Virsinger auf. "Ich will leidenschaftlichen, mutigen und intensiven Fußball spielen lassen, dabei kommunikativ sein und die Spielerinnen sehr eng begleiten."
Letztendlich, so Virsinger, gehe es nicht nur um Resultate, sondern vor allem auch um Entwicklung. "Wenn die Spielerinnen besser werden, dann wird auch die Mannschaft besser", sagt die 31-Jährige. Und schließlich die Ergebnisse! Genau das ist ihr wichtig - und das will Eva-Maria Virsinger jetzt beweisen. Am liebsten schon im Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt.