Alexander Wehrle dürfte derzeit aus dem Grinsen kaum herauskommen. Die abgelaufene Spielzeit war für den VfB Stuttgart nämlich ein voller Erfolg: Die Männer schafften die lukrative Champions-League-Qualifikation und spielen damit zum dritten Mal in Serie international. Die Frauen erreichten ihr großes Saisonziel und stiegen in die Bundesliga auf. Und auch der Nachwuchs lieferte. Die U19 triumphierte im DFB-Pokal, die U17 krönte sich zum Deutschen Meister 2026.
Große Erfolge, der VfB Stuttgart steht derzeit glänzend da. Daran hat auch Vorstandschef Wehrle großen Anteil. Der 51-Jährige kehrte im März 2022 vom 1. FC Köln zurück zu den Schwaben und übernahm als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger das Amt des Vorstandsvorsitzenden. Nach Anfangsschwierigkeiten mit den Fast-Abstiegen 2022 und 2023 ging es in den letzten drei Jahren steil nach oben.
Alexander Wehrle: "Natürlich hilft uns Champions-League-Qualifikation"
Dass sich der Vierte der abgelaufenen Spielzeit nun nach 2024 erneut für die Königsklasse qualifiziert hat, sei, so Wehrle, finanziell enorm wichtig für den Klub. "Natürlich hilft uns die Champions-League-Qualifikation. Du kannst jetzt ganz anders planen", sagt der VfB-Boss im Interview mit SWR Sport. "Du kannst auch in der Europa League relativ gut Geld verdienen, wenn du weit kommst. Das hat der SC Freiburg in dieser Saison vorgemacht. Aber die Champions League ist vom Planungsansatz her schon noch einmal ein anderer Wettbewerb."
"Der Weg ist noch lange nicht zu Ende"
Dass Stuttgart erneut international dabei ist, macht Wehrle stolz: "Dreimal hintereinander europäisch, zweimal davon Champions League - das zeigt, dass wir eine gute Entwicklung hinter uns haben. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende."
Die Fans gieren nach Eigengewächsen
Ein großes Thema beim VfB ist auch die Ausbildung von Talenten und die Durchlässigkeit ins Profiteam. Der Tabellenvierte der abgelaufenen Spielzeit verzeichnete in den vergangenen Jahren und auch in dieser Saison große Erfolge im Nachwuchsbereich, die U23 hielt zudem souverän die Klasse in der 3. Liga. Doch in der ersten Mannschaft konnte sich in der jüngeren Vergangenheit kein Youngster etablieren. Auch deshalb haben die Personalien Alexander Nübel und Dennis Seimen jüngst solche Wellen geschlagen. Die Fans gieren nach Eigengewächsen im Team von Trainer Sebastian Hoeneß und fordern vehement Seimen als Nachfolger von Nübel im Tor.
Meinung Contra: Bitte aus der Geschichte lernen - deshalb sollte der VfB Stuttgart auf Dennis Seimen setzen
Das DFB-Pokalfinale des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München (0:3) war vermutlich der letzte Einsatz von Keeper Alexander Nübel für die Schwaben. Es ist gut, dass die gemeinsame Zeit jetzt endet, findet SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.
Weitere Kandidaten für die Profis der Stuttgarter sind etwa Laurin Ulrich, der in Magdeburg in der 2. Liga als Leihspieler eine starke Saison abgeliefert hat, Noah Darvich, der beim VfB II herausragte, oder Toptalent Mirza Catovic, den im Winter bereits die TSG Hoffenheim und RB Salzburg verpflichten wollten.
"In den letzten Jahren nicht ganz optimal"
Wehrle freut sich über die Erfolge der U19 und der U17 in der vergangenen Saison. "Es ist grandios für die Jungs, dass sie Titel erreichen. Dafür spielt man Fußball. Auch für uns als Verein und das ganze Nachwuchsleistungszentrum ist das eine Anerkennung", so der Funktionär. "Das ist ein Teil der DNA des VfB Stuttgart, dass wir die eigenen Jungs in den Lizenzspielerkader integrieren wollen. Und dass sie dort auch Spielzeit erhalten. Das ist uns in den letzten Jahren nicht ganz optimal gelungen - da haben wir sicherlich was aufzuholen."
Wehrle sieht bei zahlreichen Spielern aus dem aktuellen Nachwuchs "viel Potenzial. Es ist aber auch eine Herausforderung, in so einen europäisch aufgestellten Kader hereinzukommen. Trainer Sebastian Hoeneß und sein Team geben den Jungs immer wieder die Chance vorzuspielen - aber am Ende müssen sie sich auch durchsetzen".
"Bundesliga muss unser Ziel sein als VfB Stuttgart"
Freude macht Wehrle auch der Aufstieg der Frauen vor wenigen Wochen. Dem Team gelang der direkte Durchmarsch von der Oberliga bis in die Bundesliga. "Wir wurden schon belächelt, als wir 2022 mit dem Projekt angefangen haben", erinnert sich Wehrle. "Es ist uns gelungen, dreimal hintereinander aufzusteigen. Die Bundesliga muss auch unser Ziel sein als VfB Stuttgart."
Die sportlichen Erfolge seien auch das Resultat einer "Professionalisierung auf allen Ebenen", so Wehrle. Man sei noch nicht am Ziel angelangt. "Wir sind weiter am wachsen", blickt der 51-Jährige voraus. "Die klare Zielsetzung für die nächste Spielzeit ist natürlich der Klassenerhalt. Und dann wollen wir uns in den nächsten Jahren kontinuierlich entwickeln. Das Ziel ist es, ein etablierter Bundesligist zu werden. Und dann auch in ein paar Jahren mit den Frauen europäischen Fußball zu spielen."