Bundesliga

Heidenheimer Unterstützung für Eren Dinkci: Fußball als Fußnote

Der 1. FC Heidenheim ist im Saisonendspurt gefragt. Vor dem Spiel gegen Freiburg aber wird Fußball zur Nebensache. Und das auch, weil Trainer Frank Schmidt einen Realitätsabgleich macht.

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Von Autor/in Ann-Kathrin Rose

Es gibt sie – die Momente, da ist der Fußball eine Fußnote. Spieltage oder der nächste Gegner sind nicht mehr als eine Randnotiz. In Situationen, in denen das Leben irgendwo zwischen Pausentaste und Schleudergang mäandert, zwischen unwirklich und unbegreiflich, zwischen den Fragen nach dem "warum" und "wie geht’s weiter". All das beschäftigt auch Frank Schmidt, eigentlich Trainer des 1. FC Heidenheim, aber auf der Ostalb seit jeher mehr als ein Verantwortlicher oder Funktionsträger.

Schmidt erinnert in Interviews und auf Pressekonferenzen regelmäßig an Verhältnismäßigkeiten, verwies am vergangenen Wochenende auf das nahegelegene Heidenheimer Klinikum, nur 150 Meter vom Stadion entfernt. Nur wenige Tage später verleiht Schmidt seinem Realitätscheck Nachdruck. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den SC Freiburg am Sonntag (15.30 Uhr / live im Audiostream auf sportschau.de) geht es nur kurz um Gegner-Analyse, Freiburger Stärken und Standards, die Trainingsinhalte unter der Woche.

Schritt an die Öffentlichkeit

Dann ändert sich Schmidts Gesichtsausdruck, er legt seine Stirn in Falten, hört konzentriert zu und antwortet dann ohne zu zögern, aber mit Bedacht: "Die persönliche Situation, das Menschliche, ist viel wichtiger als das Sportliche", sagt Schmidt mit Nachdruck. "Eren und Cinja haben sich jetzt entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der SC Freiburg und der 1. FC Heidenheim unterstützen das. Warum? Reichweite." Genau die will auch Schmidt nutzen, als er an diesem Freitagmorgen im Pressekonferenz-Raum des Heidenheimer Stadions auf dem Podium vor dem Mikro sitzt, um die Bühne für Eren Dinkci und seine Partnerin Cinja zu nutzen.

Freiburg / Heidenheim

Leukämie-Erkrankung "So eine Unterstützung ist einfach heftig" - Dinkci freut sich über DKMS-Aktion für Cinja

Ob bei den DKMS-Aktionen des SC Freiburg und des 1. FC Heidenheim schon ein passender Stammzellspender dabei war, muss sich noch zeigen. Doch Eren Dinkci war von der "unfassbaren Unterstützung" beeindruckt.

Anfang der Woche hatten beide Cinjas Krebserkrankung öffentlich gemacht, Ende Januar war bei ihr Leukämie diagnostiziert worden. Mit Social-Media-Posts beider Clubs, auf den persönlichen Kanälen von Dinkci aber auch über die DKMS erzählten sie ihre Geschichte, machten auf mehrere Registrierungsaktionen – etwa am Sonntag am Freiburger Stadion und beim Heimspiel der Heidenheimer gegen den FC St. Pauli am 25. April – aufmerksam.

Fokus auf DKMS-Registrierung

Er sei zwar kein Mediziner, aber habe sich selbst vor ein paar Jahren typisieren lassen. "Man kann es sich einfach zuschicken lassen", erklärt Schmidt. "Wir appellieren als Verein und auch ich als Trainer, dass so viele Menschen wie möglich für Eren und Cinja, aber auch für alle anderen, da mitmachen."

Schmidt sagt das mit Nachdruck und Überzeugung. "Das ist im ersten Moment ein Schock und man braucht einen Moment, um das zu verstehen", sagt der Coach. "Was mir dann aber imponiert hat, ist, wie sie damit umgegangen sind. Nämlich nicht zu negativ, sondern: 'Was müssen wir jetzt tun, damit es besser wird, dass wir eine Chance haben?' Das ist vorbildlich. Auch wenn man die Interviews liest. Das ist menschlich, und klar. Wenn Eren Hilfe braucht, dann bekommt er die."

Die Botschaft – sie ist unmissverständlich, Schmidt und seine Heidenheimer lassen keine Zweifel aufkommen, dass sie da sein und supporten wollen. "Ich kann nur so viel sagen: Er hat nicht viel gefehlt, aber jede freie Minute genutzt, um der Familie zu helfen." Schon vorher habe es großen Zusammenhalt  gegeben. Und doch teilten in den vergangenen Tagen auch all jene Spieler Dinkcis Post, die schon lange nicht mehr auf der Ostalb sind, Niklas Beste und Tim Kleindienst etwa. Reichweite nutzen, um so vielleicht die passende Stammzellenspende finden.

Kraft in schweren Momenten

Themen, so wichtig, dass der Fußball tatsächlich nur Nebensache ist, gibt es dieser Tage mehr in Heidenheim. "Ja, es ist gerade ein bisschen viel, muss man ehrlich sagen", sagt Schmidt, während die Falte zwischen seinen Augenbrauen tiefer, sein Blick sorgenvoller wird. Der Tod von Roger Prinzen, einst Bundesliga-Profi, der in Heidenheim das Nachwuchsleistungszentrum leitete, hat viele im Verein bewegt. "Unerwartet. Das ist ein brutales Schicksal. Vor allem für die Familie. Da kann man nur Kraft wünschen“, so Schmidt. "Wir können von Vereinsseite und von allen, die Unterstützung geben, die notwendig ist."

Das Leben, so der Coach, schreibe auch diese Geschichten, "die wir alle verarbeiten und verkraften müssen." Nicht alle aber seien öffentlich. "Viele Familien, die nicht diese breite Öffentlichkeit haben, haben auch diese Themen. Da gilt es allen, denen so etwas widerfährt, die Zuversicht, den Zusammenhalt und die Kraft zu wünschen, um solche Phasen – die leider zum Leben dazugehören – zu bewältigen."