Es gibt solche Momente im Fußball, die können für eine Mannschaft zur Initialzündung während einer Saison werden. Einen davon erlebten die FCH-Fans am Samstagnachmittag, als Freiburgs Anthony Jung einen schlimmen Rückpass spielte, Stefan Schimmer diesen erlief, Keeper Noah Atubolu umkurvte und zum 2:1-Siegtreffer einschob - Ekstase pur auf dem Schlossberg.
Schimmer der perfekte Joker?
"Ich bin dankbar, dass es läuft und ich der Mannschaft helfen kann. Von mir aus kann es gerne so weitergehen", sagte Schimmer nach dem Abpfiff im Sportschau-Interview. Der Angreifer war gegen Freiburg zum siebten Mal in dieser Spielzeit von der Bank gekommen, stand erst einmal in der Startelf.
Der perfekte Joker also? "Angefreundet habe ich mich nie richtig mit der Rolle. Aber seitdem ich in Heidenheim bin (2019, Anm. d. Red.), ist es schon ein Großteil meiner Aufgabe, der Joker zu sein. Ich bin glücklich, dass es jetzt wieder funktioniert", so Schimmer.
Mainkas Bitte an Schimmer
Die zwischenzeitliche Freiburger Führung durch Johan Manzambi hatte vor Schimmers großem Auftritt Kapitän Patrick Mainka ausgeglichen. Der 31-Jährige lobte nach dem Spiel aber vor allem seinen Kollegen. "Er braucht einfach nicht lange, um ins Spiel zu kommen. Und wie er gezeigt hat, ist er ein absoluter Strafraumstürmer und hat das Näschen", so Mainka über Schimmer. "Bitte, bitte, mach weiter so!"
Der Aufschwung der vergangenen Wochen ist für den Matchwinner kein Zufall. "Ich glaube, dass wir als Mannschaft viel geschlossener auftreten und einer für den anderen einsteht. Wir halten die Spiele bis zur 90. Minute offen. Die anderen Spiele vorher waren gefühlt in der Halbzeit entschieden", sagte Schimmer. "Man sieht, was die Mannschaft für eine Wucht hat, um zurückzuschlagen."
FCH jubelt wieder spät Schimmers Lucky Punch: Heidenheim dreht Partie gegen Freiburg
Der 1. FC Heidenheim hat am 13. Spieltag der Bundesliga in einem umkämpften Baden-Württemberg-Duell den SC Freiburg in der Nachspielzeit geschlagen und drei wichtige Punkte im Abstiegskampf geholt.
FCH zurück im Kampfmodus
Das Team setzt damit um, was Trainer Frank Schmidt bereits seit einigen Wochen einfordert. Nur mit den dem FCH eigenen Grundtugenden wie bedingungslosem kämpferischem Einsatz und der nötigen Bissigkeit in den Zweikämpfen hat eine Mannschaft wie die der Heidenheimer in der Bundesliga eine sportliche Überlebenschance.
Zumal dem FCH die großen Einzelkönner in der Offensive in dieser Saison fehlen. Wo einst Tim Kleindienst, Jan-Niklas Beste, Eren Dinkci oder Leo Scienza für die Highlights sorgten, ist nun das Team im Kollektiv gefordert. Dabei macht vor allem Schimmer aktuell eine gute Figur.
Der Stürmer markierte gegen den Sport-Club seinen zweiten wichtigen Treffer in Serie. Schon in der Vorwoche hatte er bei Union Berlin in der Schlussminute ausgeglichen, bevor es Jan Schöppner vergönnt war, den 2:1-Siegtreffer zu erzielen. Schimmer hat bereits vier Tore auf dem Konto - in nur 291 Minuten Einsatzzeit. In Heidenheims ersten zwei Bundesliga-Jahren hatte er überhaupt nicht getroffen.
FCH muss zu St. Pauli
Mit den sechs Punkten im Gepäck hat der FCH immerhin den Relegationsrang erreicht und den Anschluss ans untere Mittelfeld hergestellt. Grund, die Zügel schleifen zu lassen, gibt es aber keineswegs beim Bundesligisten.
"Wir müssen die Stimmung aus den letzten beiden Spielen mitnehmen", so Schimmer. "Keinen Deut nachlassen. Es ist noch ein langer Weg und jetzt kommt wieder ein richtungsweisendes Spiel." Und was für eins: Am kommenden Samstag (15:30 Uhr) tritt der FCH beim FC St. Pauli an - Abstiegskampf pur. Mit einem Sieg könnten sich die Heidenheimer von den direkten Abstiegsplätzen etwas absetzen. Sie werden es wieder versuchen - und wenn es erneut bis in die Nachspielzeit dauert.