Es sind Bilder, die zur Legende des 1. FC Kaiserslautern gehören. Die sich eingebrannt haben in das kollektive Gedächtnis dieses Klubs, der so viele Leute bewegt. Auch Anhänger, die damals noch nicht auf der Welt waren, kennen die Szene, in der FCK-Profi Andreas Brehme am 18. Mai 1996 weinend in den Armen seines guten Freundes und Weltmeister-Kollegen Rudi Völler lag.
Völlig aufgelöst wurde der 2024 im Alter von 63 Jahren viel zu früh verstorbene Brehme vom Leverkusener Angreifer getröstet. Nach einem 1:1 im "Abstiegsendspiel" musste der FCK erstmalig runter in die 2. Liga, während Bayer gerade so in der Bundesliga bleiben durfte.
Der FCK und eine ganze Region lagen am Boden
Der erste Abstieg der Roten Teufel war nach 33 Jahren, 1.118 Spielen und 1.828 erzielten Toren besiegelt. Der Klub lag am Boden - und mit ihm eine ganze Region. Und nur eine Woche später stand ein ganz besonderes Spiel an - nämlich das DFB-Pokalfinale in Berlin gegen den Karlsruher SC. Am 25. Mai 1996 - vor genau 30 Jahren also.
In dieser schwarzen Stunde konnte sich der FCK einmal mehr auf seine treuen Fans verlassen. 17.000 Anhänger begleiteten die Pfälzer an Pfingsten 1996 nach Berlin. Es stand viel auf dem Spiel: Ein Titel konnte gewonnen, eine Europapokal-Teilnahme erreicht und viel Geld verdient werden. Geld, das der Klub für die 2. Liga dringend benötigte, um direkt eine aufstiegstaugliche Mannschaft formen zu können.
Martin Wagner mit dem goldenen Treffer
Und der Coup gelang - dank des goldenen Treffers von Martin Wagner. Der sechsmalige Nationalspieler entschied die kämpferische Partie gegen den KSC mit seinem Freistoßkracher in der 42. Minute. Sein scharf geschossener Ball flutschte ausgerechnet dem Karlsruher Verteidiger und späterem FCK-Trainer Dirk Schuster in der Mauer durch die Beine.
Novum für Andreas Brehme
In der zweiten Halbzeit verteidigte Kaiserslautern leidenschaftlich gegen anrennende Badener den knappen Vorsprung. Was auch gelang, obwohl Brehme erstmals überhaupt in seiner Karriere vom Platz flog (75.).
So stand am Ende nur eine Woche nach dem bis dahin schwärzesten Moment der Vereinsgeschichte der Triumph im DFB-Pokal. Wieder war Brehme nach Abpfiff aufgelöst - diesmal aber vor Freude. "Ich bin der Mannschaft dankbar, dass sie es souverän geschafft hat", sagte er damals. Der Kapitän gestand aber auch: "Ich hätte lieber den Abstieg verhindert als den Pokal gewonnen."
Andreas Reinke: "Grandios"
Ähnlich sieht es der damalige Keeper Andreas Reinke 30 Jahre später im Gespräch mit SWR Sport. "Von ganz unten nach ganz oben, sich so schnell zu erholen war grandios", blickt Reinke zurück. "Das zeigte aber auch, dass der Abstieg unnötig war.
Olaf Marschall: "Ein bisschen Versöhnung"
Klublegende Olaf Marschall stimmt zu. "Der Sieg im DFB-Pokal war schön, aber im Zusammenhang mit dem Abstieg war das grausam. Ich erinnere mich noch an den Support unserer Fans. Dass wir den Pokal in dieser Regenschlacht gewonnen haben, war ein bisschen Versöhnung. Das hat uns gutgetan", so der frühere Stürmer.
Einen Tag nach dem Triumph wurde dann in der Pfalz noch einmal kräftig gefeiert. Knapp 15.000 Fans empfingen die Pokalhelden auf dem Kaiserslauterer Rathausplatz. Zu spüren war bereits damals eine Mischung aus Stolz und Trotz. "Wir kommen in einem Jahr wieder" war allerorten zu hören, während im Hintergrund bereits die Planungen für die 2. Liga anliefen. Und zwar mit einer dank des DFB-Pokals und der Europapokal-Teilnahme gut gefüllten Kasse.
Der Rest ist Geschichte: Der FCK stieg ein Jahr später wieder auf und holte 1998 den Titel als Aufsteiger - bis heute einmalig. Und der Grundstein dafür wurde in Berlin gelegt - vor genau 30 Jahren.