Torsten Lieberknecht war sauer, mächtig sauer. Da war das 1:3 gegen die SV Elversberg, mit dem der 1. FC Kaiserslautern den Anschluss an die Aufstiegsränge verloren hat, da war die vergebene Chance von Paul Joly, der aus kurzer Distanz aber nur den Pfosten traf, und dann war da diese Entscheidung in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, die in den Augen des FCK-Trainers alles ändern sollte. Die Entscheidung traf Schiedsrichter Deniz Aytekin. "Mir fehlen die Worte", ärgerte sich der FCK-Trainer. "Diese Niederlage ist schwer ertragbar, weil sie eben massiv beeinflusst worden ist und wir mit diesen Widerständen kämpfen müssen."
Lieberknecht hatte sich die Szene kurz zuvor noch einmal angeschaut. Er sah, wie FCK-Verteidiger Leon Robinson seinen Elversberger Counterpart Maximilian Rohr im Strafraum am Trikot zog. Deniz Aytekin hatte die Szene erst weiterlaufen lassen. Aber der Video-Assistent hatte ihn nochmal zurückgerufen. Aytekin schaute sich die Szene mehrere Minuten aus allen verfügbaren Perspektiven an, entschied dann auf Elfmeter und zeigte Robinson die Rote Karte. "Ich habe gedacht, es ist eindeutiger", sagte Lieberknecht, "so wie mir Deniz Aytekin das auch geschildert hatte. Aber dann für so einen Zupfer - wenn es denn überhaupt ein Zupfer war - Elfmeter und die Rote Karte zu bekommen, verändert das Spiel dann massiv".
Auch FCK-Kapitän Marlon Ritter war sauer
FCK-Kapitän Marlon Ritter sprach ebenfalls von einem "komischen Elfmeter". Auch wenn er zugeben muss: "Am Ende ist es eine regelkonforme Entscheidung: Wenn er sagt, das ist ein Elfmeter und ein Foul, dann muss er Rot geben." Allerdings hätte sich der 31-Jährige gewünscht, dass Aytekin den Zweiflern mehr Raum gegeben hätte: "Wenn ich fünf Wiederholungen gucken muss, nachdem schon der VAR fünf Minuten draufgeschaut hat, und noch eine Wiederholung und noch eine Zeitlupe, dann sehe ich irgendwann, dass er am Trikot gezogen wird. Das war unglücklich und vielleicht auch ein bisschen naiv von uns. Trotzdem tue ich mich schwer zu sagen, 'das war jetzt die perfekte Entscheidung'."
Was die TV-Bilder eindeutig zeigen: Robinson zieht Roth von hinten am Trikot. Was die TV-Bilder nicht zeigen: War das wirklich die Ursache, dass Roth aus drei Metern so kläglich über das Tor schießt? Wenige Stunden zuvor und 111 Kilometer weiter nördlich hatte Schiedsrichter Robert Schröder keinen Elfmeter für Eintracht Frankfurt gegeben, weil der Tritt von Leverkusens Robert Andrich seiner Meinung nach nicht die Ursache für Arnaud Kalimuendos Umfallen war. In beiden Stadien wurde und wird wild diskutiert.
FCK lässt sich auskontern
Dabei geriet fast in den Hintergrund, dass Lukas Petkov den fälligen Elfmeter tief in der Nachspielzeit verwandelte (45.+6) und sich Naatan Skyttä noch viel tiefer in der Nachspielzeit im Elversberger Strafraum durchsetzte und noch vor der Pause den Ausgleich durch Roths Eigentor einleitete (45.+9). Eine Aktion, "wo du das Gefühl hast, jetzt sind alle da und es wird eklig in der zweiten Halbzeit", sagte Marlin Ritter.
Allerdings hat David Mokwa diese Hoffnung schon nach 55. Minuten enttäuscht: "Dann kriegen wir zu schnell ein einfaches Gegentor - mit einem langen Ball. Und dann wird es natürlich schwer." Zu schwer für den FCK, der dann in der Schlussphase auch noch den Gegentreffer von Luca Schnellbacher hinnehmen musste (86.).
Saison für FCK-Torjäger Ivan Prtajin beendet?
Der FCK muss sich schnell wieder aufrappeln, denn kommende Woche steht bei Darmstadt 98 gleich das nächste Topspiel an. Sehr wahrscheinlich jedoch ohne Toptorjäger Ivan Prtajin. Falls Trainer Lieberknecht mit seiner Befürchtung richtig liegt, wird der 29-jährige Kroate dem FCK monatelang fehlen: "Wir haben noch ein großes Thema, das ist eben, dass sich Ivan Prtajin wahrscheinlich die Achillessehne gerissen hat."
Update: Am Montag, 2.2., hat der FCK bekanntgeben, dass sich Ptajin tatsächlich die Achillessehne gerissen hat und bereits operiert wurde. Zudem teilte der Verein mit, dass Mergim Berisha von der TSG Hoffenhem fortan als Prtajin-Ersatz für die Roten Teufel stürmen wird.
Nach Heimpleite gegen Elversberg "Es tut umso mehr weh" - FCK bleibt trotz des Prtajin-Schocks kämpferisch
Das Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen die SV Elversberg hatte einiges zu bieten - und endete mit einer Niederlage für die Roten Teufel. FCK-Kapitän Ritter und Trainer Lieberknecht sprachen mit SWR Sport über das Nachbarschaftsduell und über die kommenden Aufgaben.
Das wäre ein heftiger Rückschlag für die Roten Teufel: "Trotzdem müssen wir für ihn, für uns und für unsere Fans alles dafür tun, um diesen Marathon zu bestehen", sagte Lieberknecht, um dann wieder auf den Schiedsrichter zu sprechen zu kommen: "Und wir sind wirklich nicht vom Glück verfolgt, ich habe mich die ganze Zeit sehr zurückgehalten, was die Entscheidungen für uns und gegen uns angeht. Und da fällt es mir langsam schwer, ruhig zu bleiben."