Der Kader des 1. FC Kaiserslautern wirkt in dieser Zweitliga-Saison sehr geschlossen – mit vielen jungen Neuzugängen, die früh Verantwortung übernehmen. Seit März 2025 ist Sportdirektor Marcel Klos für die Kaderplanung verantwortlich. Der 36-Jährige setzt auf Datenanalyse, internationale Erfahrung und eine klare Idee, wie Fußball beim FCK aussehen soll. "Ich versuche schon dem FCK und natürlich auch dem gesamten Team irgendwo meine Handschrift mitzugeben. Aus den Erfahrungswerten, die ich aus meinen letzten Stationen lernen lernen durfte und auch mit beigebracht bekommen habe", sagt Klos im Interview mit SWR Sport.
Klos kam als Akademiker zum FCK
Klos kommt nicht aus der klassischen Ex-Profi-Schiene, sondern aus Scouting, Analyse und Management. Stationen bei Vitesse Arnheim, CFC Genua, dem Hamburger SV und RB Leipzig haben seinen Blick geschärft. "Ich habe versucht, immer meinen akademischen Weg zu gehen", sagt er. Trainerlizenzen, Scouting, Management – Klos beschreibt sich als "breit aufgestellt", um Entscheidungen über Spieler möglichst fundiert treffen zu können. "Natürlich hat ein Ex-Profi da auch seine Vorteile. Es kann aber auch seine Nachteile haben, dass man vielleicht aus der Schublade agieren muss."
Außerhalb dieser Schublade hat Klos einen Kader zusammengestellt, der allem Anschein nach funktioniert. Eine Linie ist im aktuellen Kader klar erkennbar: Der FCK setzt gezielt auf junge Spieler. "Wir hatten keinen Spieler in der Transferphase, der über 24 Jahre alt war", sagt Marcel Klos. "Wir wollen junge, hungrige, talentierte Spieler, die wir weiterentwickeln, die aber auch den Verein auf ein anderes Level bringen." Dahinter stecken nicht nur sportliche, sondern auch wirtschaftliche Überlegungen.
Leihen mit Kaufoption als Kader-Baustein
Auffällig bei den vielen Transfers: Viele Spieler kommen als "Leihe mit Kaufoption". Das Modell erlaube dem FCK, Spieler zunächst im Alltag zu testen und erst nach einer Saison endgültig zu entscheiden, erläutert Klos: "Es ist ein Puzzle-Stück." Der Verein müsse mit dem vorhandenen Budget sorgfältig umgehen und gleichzeitig möglichst viel Einfluss auf die Zukunft der Spieler behalten.
Wie läuft eine Verpflichtung konkret ab? Ein Beispiel ist Angreifer Thierry Tazemeta, fest verpflichtet aus dem Nachwuchs von Borussia Dortmund. Der Youngster stand kaum sechs Wochen nach seinem 19. Geburtstag in Kaiserslautern in der Startelf und schoss gegen Darmstadt 98 bereits sein zweites Tor. Seiner Verpflichtung ging ein mehrstufiger Auswahlprozess voraus.
Scouting, Videos, Daten: Drei Säulen der Analyse
"Wir haben ein großes Team hinter dem Team", sagt Klos. Kaderplaner Lukas Sickinger, sein Scouting-Team, Geschäftsführer Thomas Hengen und Cheftrainer Thorsten Lieberknecht sind eng eingebunden. Der FCK beobachtete Tazemeta in der Dortmunder Jugend und in der österreichischen U21.
Parallel dazu liefen Videoanalysen und der Blick in verschiedene Datenbanken. Der FCK nutze externe Service-Provider und eigene Datenmodelle. "Die drei Säulen aus Livesichtung, Videosichtungen, KI plus Service-Provider sind das Gesamtbild, welches dann zu einer Verpflichtung führt oder nicht", beschreibt Klos. Daten liefern dabei nicht allein die Antwort, sondern stützen Eindrücke aus der Beobachtung – oder widersprechen ihnen.
Vereins-DNA: Intensität, Aggressivität, Tempo
Entscheidend sei, ob ein Spieler zur Spiel-Idee des Vereins passt. Klos spricht von der "DNA" des FCK: intensiv, aggressiv, mit Tempo. Schon früh wird deshalb geprüft, ob ein Spieler diese Anforderungen erfüllen kann: Laufleistung, Sprints, Intensität in Zweikämpfen. Fällt ein Spieler durch dieses Raster, wird er nicht weiterverfolgt.
Besteht er die erste Prüfung, folgen detailliertere Analysen. Aus Daten werden Modelle berechnet, die zeigen sollen, wie der Spieler im System des FCK funktionieren könnte. Livesichtungen und Video-Scouting ergänzen das Bild. Im Idealfall entsteht ein Konsens im Team: Der Spieler passt sportlich, charakterlich und wirtschaftlich. Dann geht der Klub in die konkrete Verhandlung.
Mischung aus Jung und Alt im Mannschaftsgefüge
Doch nicht nur die Neuzugänge tragen zum aktuellen Lauf des FCK bei. Innenverteidiger Jan Elvedi war in der vergangenen Rückrunde an Greuther Fürth ausgeliehen. Elvedi habe nach Rückkehr von Beginn an klargemacht, dass er sich beim FCK durchsetzen will. "Er will hier 100 Prozent Gas geben, will sich zeigen – und das zeigt er bisher auch in jedem Training, in jedem Spiel", erzählte Klos.
Elvedi stand in vier von vier Spielen in der Startelf und zählt plötzlich zu den Leistungsträgern. Nach vier Spielen führt der 29-Jährige die beste Abwehr der Liga (ein Gegentor) an. An ihm können sich die Jungen aufrichten. "Bei der Kaderplanung ist wichtig, dass man sich dort breit aufstellt", sagte Klos.
Mit dieser Mischung aus erfahrenen Kräften und jungen Talenten wollen Klos und der FCK am Samstag beim 1. FC Magdeburg (ab 13:00 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) auch das sechste Pflichtspiel in Serie ungeschlagen bleiben und mit einem Sieg den Anschluss an die Spitzengruppe halten.