Noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. So könnte man die vergangene Saison der TSG Hoffenheim zusammenfassen. Konflikte innerhalb der Führungsebene, Trainerwechsel, Gerüchte, mit Ach und Krach der Klassenerhalt. Das sind Schlagwörter, die das Hoffenheim der vergangenen Spielzeit gut beschreiben.
Als Christian Ilzer im November 2024 Hoffenheims neuer Coach wurde, brachte er von Sturm Graz einen großen Trainerstab mit. Die Punkteausbeute blieb allerdings mäßig. 0,93 Zähler holte die TSG unter Ilzer pro Spiel. Bei seinem Vorgänger Pellegrino Matarazzo war die Ausbeute höher. Vielleicht gab es auch aus diesem Grund immer wieder Gerüchte um einen erneuten Trainerwechsel bei der TSG Hoffenheim. Die Namen Lukas Kwasniok, Sandro Wagner und Alexander Blessin kursierten als mögliche Nachfolger von Ilzer im Kraichgau. Kurz vor Saisonende wurde der Österreicher dann vom Vereinspräsidenten Jörg Albrecht gestärkt. "Chris Ilzer ist unser Trainer und wir gehen mit ihm in die neue Saison."
Christian Ilzer weiter im Blickpunkt bei TSG Hoffenheim
Niemand Externes weiß, ob es in Hoffenheim zuletzt Kontakt zu anderen Trainern gab und was hinter den Kulissen besprochen wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ilzer nun seine letzte Chance hat, um in Hoffenheim als Coach erfolgreich zu sein, ist relativ hoch. Der Saisonstart wird wichtig, um Unruhe zu vermeiden. Ilzer muss es in der neuen Saison schaffen, ein harmonierendes Team auf den Platz zu bringen. Sollten die Hoffenheimer in den ersten Spielen nicht punkten, wird die Trainerfrage sicherlich schnell wieder aufkommen.
Ilzer hatte in der Sommervorbereitung Zeit, um sich mit seiner Mannschaft auf die neue Bundesligasaison einzustellen. Als er die TSG Hoffenheim im November letzten Jahres übernahm, befand sich die TSG bereits im Abstiegskampf. Die Ausgangssituation ist jetzt eine andere. Die Bilanz aus der Vorbereitung kann sich schon mal sehen lassen. Acht Testspiele, acht Siege. Zuletzt gab es ein starkes 8:0 gegen den französischen Erstligisten FC Metz.
Wer kommt, wer geht?
Nach dem letzten Spieltag der Sasion 24/25 kam schnell Bewegung in den Kader der Kraichgauer. Spieler wie Tom Bischof, Pavel Kadeřábek und Diadie Samassékou verließen die TSG. Bernardo und Tim Lemperle kamen ablösefrei neu dazu. Leihspieler wie Fisnik Asllani und Muhammed Damar kehrten aus Elversberg zurück. Die beiden machten in der Vorbereitung so weiter, wie sie in der 2. Bundesliga aufgehört hatten - sie harmonieren. Beim letzten Test traf Damar doppelt. "Ich will unbedingt diese Saison nochmal angreifen", sagte er am Mikrofon der Hoffenheimer. Das gelingt ihm bis jetzt sehr gut.
Asllanis Vertrag wurde langfristig verlängert. Der Topscorer der vergangenen Zweitligasaison ist ein Hoffnungsträger. "Er ist ein hochtalentierter Stürmer, der sein Potenzial während seiner Leihe zur SV Elversberg in der abgelaufenen Saison mehr als nur angedeutet hat. Seine Tore und Assists sprechen für sich", sagte Geschäftsführer Andreas Schicker. Auch Defensivspieler Arthur Chaves erhielt in Hoffenheim einen neues Arbeitspapier. Der Verteidiger war in der abgelaufenen Saison aus der Startelf nicht wegzudenken und überzeugte mit konstanten Leistungen.
Schlüsselposition bei TSG ist zentrales Mittelfeld
Die Spieler Erencan Yardimci und Haris Tabaković wurden an Eintracht Braunschweig und Borussia Mönchengladbach ausgeliehen. Besonders Tabakovic zeigte mit seiner Kopfball- und Zweikampfstärke immer wieder gute Ansätze, konnte sich aber nie in der ersten Elf festspielen. Stanely Nsoki ging ebenfalls auf Leihbasis zu Union Berlin.
Mittelfeldspieler Anton Stach verließ die Hoffenheimer und wechselte zu Leeds United. Um die 30 Millionen Euro soll der Wechsel der TSG eingebracht haben. Mit ihm und Tom Bischof (Bayern München) müssen die Hoffenheimer im zentralen Mittelfeld zwei Leistungsträger ersetzen - keine einfach Aufgabe. Als Neuzugang kam auf dieser Position unter anderem Wouter Burger in das Team. Der 24 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler wurde vom englischen Zweitligisten Stoke City verpflichtet. Der Linksfuß ist Zweikampfstark und besitzt ein gutes Spielverständnis. Auch Grischa Prömel könnte nach seinem verheilten Kreuzbandriss im Zentrum eine wichtige Rolle spielen.
Im Sturm verließ Offensivspieler Marius Bülter nach zwei Jahren die TSG Hoffenheim und schloss sich dem 1. FC Köln an. Die TSG musste zuletzt auch verletzungsbedingt auf dem Transfermarkt reagieren. Defensivspieler Valentin Gendrey hatte sich einen Riss des Syndesmosebands sowie einen Außenknöchelbruch zugezogen. Hoffenheim reagierte mit der Verpflichtung von Rechtsverteidiger Vladimir Coufal. Der tschechische Nationalspieler stand bis Ende Juni dieses Jahres beim englischen Premier-League-Klub West Ham United unter Vertrag.
Vertragsverlängerung von Oliver Baumann ein wichtiges Zeichen bei TSG
Kapitän Oliver Baumann wird auch in der kommenden Saison die Mannschaft auf das Spielfeld führen. Er hat seinen bis 2026 laufenden Vertrag frühzeitig verlängert. Der deutsche Nationalspieler ist ein Aushängeschild des Vereins. "Er überzeugt seit über zehn Jahren mit konstant starken Leistungen für unsere TSG in der Bundesliga und ist damit Rekordspieler dieses Vereins", sagte Geschäftsführer Schicker. In der vergangenen Saison war Baumann mit seinen Stärken auf der Linie und der guten Spieleröffnung ein großer Rückhalt des Teams. Mit ihm haben die Hoffenheimer einen Spieler auf dem Platz, der eine große Präsenz ausstrahlt und viel kommuniziert. Das wird den Kraichgauern weiter gut tun.
Erwartungen an die Saison in Hoffenheim
Nach der schwierigen Spielzeit 2024/2025 geht es für die TSG Hoffenheim besonders darum, sich in der Bundesliga zu stabilisieren. Das Ziel des Vereins ist es, langfristig international zu spielen. Ob es in der neuen Saison bereits reicht, um sich für Europa zu qualifizieren, bleibt abzuwarten. Vereinspräsident Albrecht und Geschäftsführer Schicker sprachen davon, dass sie mit einem einstelligen Tabellenplatz gut leben könnten. Das oberste Ziel der TSG wird es sein, nichts mit dem Abstiegskampf zutun zu haben.
Der Hoffenheimer Kader wird sich bis zum Transferschluss sicherlich noch verändern. Aktuell gibt es zu viele Leihspieler, die zurückgekehrt sind und immer noch von der TSG bezahlt werden. Profis wie Mërgim Berisha haben weiterhin in Hoffenheim einen Vertrag, obwohl man nicht mehr mit ihnen plant.
Ausblick: Wo kann es für die TSG hingehen?
Die Mannschaft hat viel Potenzial im Kader - Damar, Asllani, Bazoumana Touré und Max Moerstedt wirken in der Offensive eingespielt. Auch in der Breite ist man in der vordersten Reihe gut aufgestellt. Leistungsträger Andrej Kramaric saß zuletzt sogar nur auf der Bank. Er traf aber nach seiner Einwechslung im Test gegen Metz, genauso wie Sturm-Kollege Lemperle.
Interessant wird, wie stabil die TSG Hoffenheim in der Defensive sein wird. In der letzten Saison hatten die Kraichgauer zu viele Gegentore kassiert. Coach Ilzer betont immer wieder, dass er offensiven Fußball spielen möchte und lieber 4:3 als 1:0 gewinnt. Trotzdem müssen die Hoffenheimer weniger Gegentore kassieren, um sich mehr Punkte zu sichern.
Bereits in der Vergangenheit hatte man viel Qualität in den Reihen. Diese konnte aber nicht konstant abgerufen werden. Das muss sich diese Saison verändern. Am Samstag (16.08./15.30 Uhr) hat die TSG Hoffenheim das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal auswärts bei Hansa Rostock. In der Liga treffen die Hoffenheimer eine Woche später (23.08./15.30 Uhr) auf Bayer Leverkusen.