Am Samstag trifft Hertha BSC in der 2. Liga auf den FCK (ab 13 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de). Für Berlins Torhüter Tjark Ernst ist es auch eine Reise in die Vergangenheit. So verbrachte der gebürtige Stuttgarter als Kleinkind viel Zeit auf dem Betzenberg, wo sein Vater Thomas Ernst von 2003 bis 2006 das Tor hütete.
Dass aus Tjark Ernst einmal ein Fußballprofi werden würde, war fast abzusehen. Denn auch Mutter Kerstin Pohlmann-Ernst schaffte es als Mittelfeldspielerin in die Bundesliga, holte mit dem FSV Frankfurt dreimal den DFB-Pokal und wurde 1995 Deutsche Meisterin.
Bei Tjark Ernst ging ohne Ball "gar nichts"
Und auch bei Sohn Tjark war früh Talent zu erkennen. "Es sind die Gene. Wenn er den Ball hat, ist er glücklich. Ohne Ball geht gar nichts", sagte der frühere FCK-Keeper bereits 2005 in einem SWR-Beitrag.
Damals war Tjark zwar erst zweieinhalb Jahre alt, hechtete aber bereits nach jedem Ball. Wie sein Vater wurde er letztlich Torhüter, einer seiner frühen Helden war jedoch ein anderer. Wenn Angreifer Halil Altintop (beim FCK von 2003 bis 2006 beim FCK) traf, dann imitierte der kleine Tjark den Jubel des Angreifers.
"Nach den Spielen musste immer jemand aus dem VIP-Raum mit auf den Platz, mit ihm kicken. Das ist so die erste Erinnerung", so Thomas Ernst heute im SWR-Interview. "Da hat er mich noch ein bisschen wahrgenommen als Profi. Das hat sich fortgesetzt. Natürlich ist der Bezug zu Kaiserslautern schon da."
Tjark Ernst - vom Betzenberg in die Bundesliga?
Tjark Ernst, der ab der U15 alle Nachwuchsteams des DFB durchlaufen hat, gilt trotz seiner erst 23 Jahre als einer des besten Keeper der 2. Bundesliga. Das weiß auch sein Gegenüber vom kommenden Samstag. "Ein sehr guter Torwart, der seiner Mannschaft Stabilität und Rückhalt gibt. Hertha ist froh, dass sie ihn haben. Es wird schwer für uns, da auch ein Tor zu schießen", sagte FCK-Keeper Julian Krahl im SWR-Interview.
Die Hertha darf sich bei fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsrang noch leise Hoffnungen auf den Aufstieg in die Bundesliga machen. Für Tjark Ernst wird der Weg nach seiner Entwicklung in den letzten Jahren über kurz oder lang sehr wahrscheinlich dorthin führen.
Der FCK dagegen will die Serie der Hertha (zuletzt 13 Punkte aus fünf Spielen) durchbrechen. Schließlich wollen die Roten Teufel einerseits ihre chronische Auswärtsschwäche endlich in den Griff bekommen und andererseits das erklärte Saisonziel (Platz sechs) noch erreichen. Mit einem Sieg würde der FCK bis auf einen Zähler an die Hertha heranrücken.
Mit Tjark Ernst hat ausgerechnet ein Keeper etwas dagegen, der zum FCK eine ganz besondere Beziehung hat. Denn bei allen Erinnerungen: Am Samstag ist für Sentimentalität kein Platz. Das macht auch Vater Thomas klar. "Klar ist, er will jedes Spiel gewinnen - auch das gegen den FCK", so der 58-Jährige. "Letztlich ist ja auch die Tabellensituation so für die Hertha, dass nur noch Dreier zählen." Damit es für Tjark Ernst schon im Sommer in die Bundesliga geht.