2. Bundesliga

"Nicht absichtlich so schlecht" - FCK stemmt sich bei Hertha BSC gegen den Auswärtsfluch

Der 1. FC Kaiserslautern steht bei Hertha BSC vor einer Bewährungsprobe. Doch Auswärtsspiele scheinen beim FCK in dieser Saison "verflucht".

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Von Autor/in Michael Richmann

Wie kann es eigentlich sein, dass der 1. FC Kaiserslautern nicht um den Aufstieg mitspielt? Mit diesem Kader, mit diesen Fans, in diesem Stadion? Das fragen sich derzeit viele rund um den Betzenberg. Die Antwort ist relativ kurz: Weil der FCK nicht nur Heimspiele hat. Denn zuhause ist Kaiserslautern eine Macht: 31 Punkte holten die Roten Teufel im heimischen Fritz-Walter-Stadion. Das bedeutet Platz drei in der Heimtabelle. Nur Schalke 04 und Darmstadt 98 sind besser.

FCK hat auswärts nur zwölf Punkte geholt

Sobald der FCK die Pfalz jedoch verlässt, scheinen die Kräfte der Roten Teufel schlagartig zu schwinden. Magere zwölf Pünktchen hat das Team von Trainer Torsten Lieberknecht auswärts geholt. Damit wäre der FCK hochgradig abstiegsgefährdet. Der Trainer sprach von einem "Virus". In der Gesamtrechnung ist Kaiserslautern daher nur Mittelmaß.

Berlin

Vor Zweitliga-Duell Tjark Ernst - Der Hertha-Keeper mit der besonderen Beziehung zum FCK

Tjark Ernst ist beim Zweitligisten Hertha BSC zu einem begehrten Torhüter gereift. Seine allerersten Schritte im Fußball machte er in Kaiserslautern, wo einst sein Vater spielte.

Kapitän Marlon Ritter wirkte ratlos: "Ich kann es mir nicht erklären. Ich weiß nicht, woran es liegt." Torhüter Julian Krahl war froh, dass er nach dem durchaus überzeugenden Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf "definitiv eine entspanntere Woche" hatte. "Wir spielen die Auswärtsspiele nicht absichtlich so schlecht", versicherte Semih Sahin. "Wir hatten heute mal wieder etwas gutzumachen, weil wir es vor zwei Wochen gegen Nürnberg verkackt haben. Aber wir haben auch bei Hertha etwas gutzumachen."

FCK-Trainer Lieberknecht vermisst die Anspannung bei Auswärtsspielen

Denn bei Hertha BSC hat Kaiserslautern am kommenden Samstag (ab 13 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) die Chance, die trübe Auswärtsstatistik etwas aufzupolieren. "Es ist das dritte Mal, dass wir in dieser Saison gegen die Hertha spielen und diesmal wollen wir das erste Mal gewinnen", sagte Torhüter Julian Krahl am Donnerstag. "Wir versuchen, da wirklich schon drüber nachzudenken und geben uns Mühe, Lösungen zu finden. Denn wir wissen, der Fußballplatz ist überall gleich."

FCK mit "anderer Art des Trainings" und "mal schärfer im Ton"

Für Trainer Lieberknecht ist das "eine Einstellungsgeschichte". Er fragt: "Wie verkörpere ich das, was wir hier zuhause zeigen, auch auswärts?" Das beginne nicht erst im Olympiastadion: "Wie gehe ich in den Bus rein? Mit welcher Einstellung fahre ich zum Spiel?" Erst dann geht es gedanklich auf den Platz: "Mit welcher Einstellung gehe ich ins Stadion?"

Und die scheint bei vielen Auswärtsspielen im Laufe der Saison nicht gestimmt zu haben, weswegen Lieberknecht nicht nur nach dem Nürnberg-Spiel "stark frustriert und enttäuscht" nach Hause gefahren ist. Noch im Stadion hatte er angekündigt: "Da werden die Jungs mich auch mal mit einem anderen Gesicht kennenlernen." Er habe daraufhin "eine andere Art des Trainings gewählt" sagte er am Donnerstag, "um die Spannung hochzuhalten".

Anspannung schon auf der Anreise

Dabei war er "auch mal schärfer im Ton", damit "die Anspannung, die Erwartungshaltung und auch die Ansprache bewusst in den Köpfen bleibt". Denn am Kader könne es nicht liegen: "Wir haben die technische Qualität, wir haben die taktische Qualität, wir haben die Team-Qualität. Das zeigen wir."

Für Torwart Krahl geht es darum, "die Basics auf den Platz zu bringen - dass ich meine Zweikämpfe gewinne, dass ich dominant bin, die einfachen Bälle an den Mann kriegt. Und über diese grundlegenden Sachen kommst du immer ins Spiel". Lieberknecht will noch früher ansetzen: "Wir müssen schon im Bus spüren: Da fährt eine Truppe hin, die will es wissen. Das muss einfach der Maßstab sein."

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Autor/in
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.