Bundesliga | Historie

Von flotten Sprüchen und flottem Fußball: Als Spitzenreiter Hoffenheim beim FC Bayern antrat

Am Sonntag (08.02./17:30 Uhr) kommt es in der Bundesliga zum Spitzenspiel Bayern München gegen die TSG Hoffenheim. Das gab es in der Saison 2008/09 schon einmal.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Alle waren auf den Beinen, an jenem 5. Dezember 2008 im Kraichgau. Es war ein Bundesliga-Freitag und mehr als 6.000 Hoffenheim-Fans trafen sich zur Fahrt nach München. Im Zug, mit Pkw und zahllosen Bussen. "Hurra, hurra, das ganze Dorf ist da", skandierten die TSG-Anhänger bei der Ankunft am Abend in der mit 69.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Arena. Das ganze Dorf? Mehr als doppelt so viele waren dabei, schließlich zählte Hoffenheim nur 3.000 Einwohner.

Ein Duell "wie im Märchen"

Das "doppelte" Dorf in München, und die ganz Fußballwelt schaute in den Medien auf diese kuriose Spitzenpartie an am 16. Spieltag: Der kleine Aufsteiger aus dem Kraichgau kam als sensationeller Tabellenführer und Fast-Herbstmeister zum großen Rekordmeister und Verfolger Bayern München. Ein Duell, das in 168 Ländern live im Fernsehen übertragen wurde.

"Das war für uns etwas ganz Besonderes und etwas Neues, was wir bis dahin nicht kannten", erinnert sich später der damalige TSG-Torjäger Vedad Ibisevic in einem ARD-Interview an die spannende Konstellation und den Aufruhr in Presse, Funk und Fernsehen. "Es war unbeschreiblich, wie im Märchen", so der Hoffenheimer Rechtsverteidiger Andreas Beck über die Fußball-Euphorie im Dezember 2008 rund um das 3000-Seelen-Örtchen zwischen Heidelberg und Heilbronn.

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Hoffenheim vor der Herbstmeisterschaft

Das Hoffenheimer Team mit dem Aufstiegstrainer Ralf Rangnick war in der Vorrunde 2008/09 einfach mal rechts an der Bundesliga-Konkurrenz vorbeigezogen, hatte als Neuling mit Volldampf-Fußball vor allem in den Heimspielen in der Ausweich-Spielstätte Mannheim die Platzhirsche geradezu gedemütigt. "Als die nach zwölf, 13 Spieltagen immer noch da oben standen", erinnerte sich Bayern-Weltmeister Bastian Schweinsteiger Jahre danach, "da haben wir sie dann doch ein bisschen ernster genommen".

Rangnicks verbaler Schlagabtausch vor dem großen Duell

Und so wurde die Aufregung vor dem ungleichen Aufeinandertreffen von Stunde zu Stunde größer und auch gezielt verbal angeheizt: "Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, dann müssen Sie nach München gehen", konterte Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick auf der Spieltags-Pressekonferenz entsprechende Einlassungen aus Bayern, "wenn Sie flotten Fußball sehen wollen, dann sind Sie hier richtig".

Schlagzeilenträchtige Aussagen, die selbst in der Bayern-Kabine diskutiert wurden, so Bastian Schweinsteiger, "und auch Spielern wie Luca Toni oder Franck Ribery übersetzt worden sind. Das hat uns schon angestichelt". Ralf Rangnick hatte aber nicht nur den Gegner, sondern auch seine Spieler entsprechend gepackt: "Er sagte uns", so Andreas Beck im Rückblick, "egal ob Robben, Ribery oder Schweinsteiger - wir werden dieses Spiel gewinnen".

Bayern drehte nach Hoffenheims Führung die Partie

Das Duell Tabellenzweiter gegen Tabellenführer entwickelte sich in der Münchner Arena dann auch zum "offenen Schlagabtausch", wie der spätere Nationalverteidiger Andreas Beck noch ganz genau weiß. Und kurz nach der Pause ging der Underdog Hoffenheim sogar in Führung. Vedad Ibisevic traf zum 1:0 für die TSG, sein 18. Saisontor im 16. Spiel, die Sensation bahnte sich an. Bayern aber schlug ganz trocken zurück. Philipp Lahm gelang der Ausgleich, und der Italiener Luca Toni schoss kurz vor Spielende die glücklichen Münchner doch noch zum 2:1-Sieg. "Das war ein Lucky Punch für uns", sagte Bastian Schweinsteiger. "Trotz der Niederlage waren wir stolz", so Andreas Beck, "wir hatten die Bayern vor Probleme gestellt und uns Respekt erspielt".

Absturz in der Rückrunde

Trotz der Niederlage beim Gipfeltreffen in München wurde Hoffenheim ein Woche später mit einem 0:0 gegen Schalke 04 noch Herbstmeister. In der Rückrunde allerdings und nach dem Kreuzbandriss von Goalgetter Ibisevic rutschte die TSG noch auf Platz sieben ab: "Nichtsdestotrotz", so Andreas Beck im Rückblick, "wenn uns einer vor der Saison Platz sieben prophezeit hätte, dann hätten wir absolut stolz sein können auf die Platzierung". So blieb ein Hauch von Enttäuschung beim Überraschungs-Neuling.

Deutscher Meister wurde im Mai 2009 übrigens nicht der FC Bayern, der sich im April vom erfolglosen Jürgen Klinsmann trennte, sondern überraschend der VfL Wolfsburg. Die Niedersachsen stürmten unter Felix Magath von Platz neun im Winter auf Platz eins und gewannen zum ersten und bislang einzigen Mal den Titel.

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Kersten Eichhorn