Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegen im Bundesliga-Spielplan manchmal nur sechs Tage auseinander. Das Duell mit dem ehemaligen Nationaltorhüter Manuel Neuer hat Oliver Baumann gerade hinter sich, da steht für den Keeper der TSG Hoffenheim das Aufeinandertreffen mit einem direkten Konkurrenten ums DFB-Tor an – Noah Atubolu.
Wenn die Kraichgauer am kommenden Samstag (14.02.2026, ab 15:30 Uhr im sportschau.de-Livecenter) den SC Freiburg empfangen, kann in Fußball-Deutschland wieder nach Belieben diskutiert werden: Wer wird bei der Weltmeisterschaft im Sommer 2026 zwischen den Pfosten der Nationalmannschaft stehen?
Oliver Baumann: Fast zwölf Jahre in Hoffenheim
Klar ist: Bayerns Neuer (39 Jahre alt) wird nicht mehr und Marc-Andrè ter Stegen (33/FC Girona) kann wegen einer Oberschenkel-OP womöglich nicht ins Geschehen eingreifen. Bernd Leno (33/FC Fulham) wurde seit einem Verzicht im Herbst 2024 nicht mehr vom Deutschen Fußball-Bund eingeladen. Neben Baumann (35) und Atubolu (23) gehörten zuletzt vor allem Alexander Nübel (29/VfB Stuttgart) sowie Finn Dahmen (27/FC Augsburg) zum Kreis der von Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierten Torhüter.
Klar ist auch: In seinem mittlerweile zwölften Jahr bei der TSG beeindruckt Baumann mit einem Leistungsschub zum offenbar richtigen Zeitpunkt. Selbst aus der 1:5-Niederlage der Hoffenheimer am vergangenen Sonntag in München ging er persönlich nicht als Verlierer.
Baumann macht in München ein starkes Spiel
Mit acht Paraden stellte er seine aktuelle Form - den fünf Gegentoren zum Trotz - eindrucksvoll unter Beweis, verhinderte eine noch höhere Niederlage. Zudem darf man zumindest spekulieren, ob Baumann demnächst einer der wenigen Keeper sein könnte, der mal einen Elfmeter von Harry Kane hält. Macht ihn all das automatisch zur deutschen Nummer 1 für die WM?
Ein Blick auf die Statistiken verrät: Im Ranking der Bundesliga-Schlussmänner, die für das Turnier in den USA, in Kanada und Mexiko in Frage kommen, hat Baumann die Nase aktuell ganz leicht vorne. In 21 Spielen parierte er gute 71 Prozent der Bälle auf sein Tor, dicht gefolgt von Nübel mit 70 Prozent. Atubolu steht bei 67 und Dahmen bei eher schwachen 61 Prozent.
Auch Stuttgarts Nübel mit starken Werten
Auch spannend: In Sachen Gegentore liegen der Hoffenheimer und der Stuttgarter Keeper gleichauf (28). Freiburgs Atubolu (33) sowie Augsburgs Dahmen (39) haben da schon einigen Rückstand.
Die Kategorie Zu-Null-Spiele geht derweil an Nübel (acht) vor Baumann sowie Atubolu (fünf) und Dahmen (drei). Nach welchen Kriterien wird Nagelsmann entscheiden?
Baumann mit mehr als 500 Bundesligaspielen
Sollte die Erfahrung eine wichtige Rolle spielen, geht an Baumann kein Weg vorbei. 510 Bundesligaspiele für Freiburg und Hoffenheim sind ein absolutes Brett, an das die allesamt und teils deutlich jüngeren Nübel (132), Dahmen (84) und Atubolu (81) nicht herankommen. Mit zehn Einsätzen für die A-Nationalmannschaft verfügt Baumann darüber hinaus auch über die meiste Länderspielerfahrung - mehr war mit Blick auf die Ära Neuer wohl auch nicht möglich.
Der TSG-Kapitän, der in dieser Saison auffällig viele gegnerische Flanken abfängt und dadurch Angriffe unterbindet, ist derzeit auch für das Fachmagazin "kicker" der Beste aus dem Quartett: Nach 21 Spieltagen steht eine Durchschnittsnote von 2,93 zu Buche. Erst dahinter kommen Nübel (2,98), Atubolu (3,14) sowie Dahmen (3,36).
TSG-Trainer Ilzer über Baumann: "Er liefert ab"
Für Nübel spricht, dass er in dieser Spielzeit konstant besser in Form ist als in der vergangenen. Für Atubolu, dass er am vergangenen Wochenende gegen Bremen erstmals seit dem zwölften Spieltag wieder zu Null gespielt hat. Und für Dahmen, dass auch seine Formkurve zuletzt wieder nach oben zeigte. Bei der TSG Hoffenheim aber sind sie von Baumann absolut überzeugt.
500. Bundesliga-Spiel "Bedeutet mir sehr, sehr viel" - Knackt Baumann jetzt den Uralt-Rekord?
Oliver Baumann bestreitet beim 1:1 in Mainz sein 500. Bundesliga-Spiel. Kann er sogar den Uralt-Rekord von Karl-Heinz Körbel angreifen?
"Er liefert ab. Und dazu ist er immer Mensch geblieben, immer geerdet geblieben", sagte Trainer Christian Ilzer einmal im Laufe dieser Saison. Dies sei "genauso beeindruckend" wie Baumanns 500. Bundesliga-Spiel im November gegen Mainz 05, zu dessen Anlass der Coach ein Loblied auf seinen Torwart angestimmt hatte.
Nagelsmann nominiert nächsten DFB-Kader am 19. März
Aber: Auch das ist Vergangenheit. Die Gegenwart besteht für Baumann in der Vorbereitung auf das nächste Bundesligaspiel gegen Freiburg. Am 19. März nominiert Bundestrainer Nagelsmann seinen ersten Kader des Jahres für die Spiele in Basel gegen die Schweiz (27.03.) und in Stuttgart gegen Ghana (30.03.). Die Zukunft ist also schon wieder nicht allzu weit entfernt.