Mainz-05-Boss Christian Heidel im Interview

"Es ist für Mainz 05 etwas Besonderes, europäisch zu spielen"

In der Conference League trifft Mainz 05 auf Racing Straßburg. Vor dem Spiel hat Mainz-05-Sportvorstand Christian Heidel im SWR-Interview über die Bedeutung des Spiels gesprochen.

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SWR1: Ein europäisches Viertelfinale steht an. Premiere für Mainz 05 heute Abend in der Conference League. In der Runde der letzten acht gegen Racing Straßburg aus Frankreich. Vor ein paar Wochen sah es eher noch nach zweiter Liga aus in Mainz, jetzt ist Fußball-Frühling pur und dann noch unter den letzten acht europäisch. Wie würden Sie Ihren Gefühlsspagat der letzten Zeit beschreiben?

Christian Heidel: Wenn ich es jetzt mal ein bisschen überspitzt formuliere, ist das geübte Praxis in Mainz. Wir haben ja eine gewisse Erfahrung, mit schwierigen Situationen umzugehen. Ich will nicht sagen, dass wir es jetzt schon geschafft haben, aber wir sind auf einem guten Weg, was die Bundesliga angeht. Das ist die Pflicht in Mainz. Und die Kür, die spielen wir momentan in Europa. Da muss ich zugeben, das ist schon wie so ein kleiner, vielleicht auch ein großer Traum.

Die Fans sind vorab in Ekstase. Für das Rückspiel, nächste Woche in Straßburg waren die Gästekarten blitzschnell vergriffen. Ist das aktuell der Gefühlswumms, der vielleicht dafür sorgt, dass die 05er bald nicht mehr so oft gegen den Abstieg spielen?

Naja, man muss das in Relation zu den anderen Klubs sehen: Wir spielen, nur als Beispiel, heute gegen eine Mannschaft, deren Transferwert auf 350 Millionen Euro geschätzt wird. Da sind wir immer noch ein kleiner Fisch. Und in der Bundesliga sind wir auch ein kleiner Fisch. Ich kann mich nur wiederholen: Mainz 05 muss sich nicht schämen, wenn es mal gegen den Abstieg geht. Und wer jetzt denkt, dass es den Verein wirtschaftlich großartig verändern wird, weil wir in Europa sehr, sehr gut mitspielen, der ist leider auf dem Holzweg.

Was genau ist anders vor so einem Viertelfinale der Conference League gegen Straßburg, wenn man es mit den Stunden vor einer Bundesliga-Partie gegen die Bayern oder Eintracht Frankfurt vergleicht?

Also von der Abwicklung des Tages macht es überhaupt gar keinen Unterschied. Aber es ist natürlich ein anderes Gefühl, weil das in Mainz natürlich nicht jedes Jahr der Fall ist, sondern sehr, sehr selten. Auch für uns ist das eine ganz, ganz große Auszeichnung, Deutschland in der Conference League zu vertreten. Jetzt wissen wir auch: Es gibt nur zwei Spiele, das ist natürlich auch etwas Besonderes. In der Bundesliga, außer man ist am letzten Spieltag, kommen immer Spiele hintendran. Hier geht es darum, die große Chance zu nutzen, ins Halbfinale einzuziehen - wohlwissend, wie schwierig das gegen Straßburg wird. Also das ist schon ein anderes Gefühl. Wir gehen mit unseren Freunden aus Frankreich vorher noch auf einen Umtrunk, das gibt es so in der Art in der Bundesliga nicht immer. Also es ist schon etwas Besonderes. Europäisch spielen, ist mit dem Alltagsgeschäft in der Bundesliga nicht so zu vergleichen.

Straßburg; Mainz

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Haben Sie blaue Flecken auf der Schulter weil Sie wahrscheinlich durch die Stadt gehen und ständig einer drauf haut?

Nein, ganz und gar nicht. Und ich kann das auch sehr gut einschätzen. Das sind dann meistens die gleichen, die anfangen zu meckern, wenn es mal schlecht läuft. Und ich weiß: Auf Höhen kommen wieder Tiefen. Das ist auch bei Mainz 05 so. Wenn wir eine überragende Bundesliga-Saison gespielt und uns europäisch qualifizieren haben, wissen wir in der Regel, dass die Mannschaft im nächsten Jahr komplett anders aussieht. Auch das ist Mainz 05. Aber natürlich ist es angenehmer, wenn man durch die Stadt geht und man freudige Gesichter sieht, als wenn man Leute dann trifft, die am Boden zerstört sind, weil es in Mainz mal eben nicht so läuft.

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Dass es gerade gut läuft, liegt ja auch und vor allem an Trainer Urs Fischer, dem schweizer Ruhegegenpol zum dänischen Energievorgänger Bo Henriksen. Trifft auf Urs Fischer der Satz ganz besonders zu, stille Wasser sind tief?

Ja, das wäre jetzt aber ein bisschen ungerecht dem Vorgänger gegenüber. Der Plan von mir war, nach Bo Henriksen, der eine super Arbeit in Mainz gemacht hat, bei dem es dann einfach nicht mehr so funktionierte, einen Gegenpol zu schaffen. Es hätte nichts gebracht, wenn wir erneut so einen Wirbelwind geholt hätten, denn diesbezüglich war und ist Bo Henriksen einfach nicht zu toppen. Deswegen war der klare Plan, jemanden zu finden, der Ruhe in den Laden bringt, der sicherlich auch das Glück hat, dass er viel mehr mit der Mannschaft trainieren konnte als Bo, weil wir damals nur unterwegs waren. Und Urs macht das in seiner ruhigen Art überragend.

Das Interview führte SWR1 Moderator Hanns Lohmann

Erstmals publiziert am
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Interview
Hanns Lohmann
Onlinefassung
Achim Scheu