Drei Gründe

Es ist Zeit für das nächste Wunder bei Mainz 05

Platz elf in der Bundesliga, Viertelfinale in der Conference League: Mainz 05 ist auf dem besten Weg aus einer anfangs miserablen Saison eine sehr erfolgreiche zu machen.

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Stand

Von Autor/in Achim Scheu

In der Winterpause war die Stimmung bei Mainz 05 einfach nur schlecht. Platz 18, mit gerade mal acht Punkten - Abstiegsangst. Zwar war es nach dem Trainerwechsel Anfang Dezember, als Urs Fischer den Dänen Bo Henriksen ablöste, schon ein bisschen besser geworden, aber die Richtung war klar: Nur ein Wunder konnte die Mainzer retten, den Klassenerhalt in der Bundesliga noch zu packen. Was ist seitdem passiert? Und wohin soll das noch führen?

Urs Fischer macht Urs-Fischer-Sachen!

Fischers Vorgänger Bo Henriksen war ein Vulkan. Im Training, an der Seitenlinie, im Umgang mit den Medien. Der Däne wirkte oft überdreht, am Ende jedoch meist ratlos. Zweifelsohne war er der Retter der Saison 2023/2024, indem er das damals schwerst abstiegsbedrohte Team erst zum Klassenerhalt, im Jahr danach dann sogar nach Europa führte. Aber seine intensive Art zu coachen hatte sich erschöpft.

Was am 7. Dezember 2025 kam, war der 180 Grad Turnaround in Sachen Emotionalität: Urs Fischer. Der Schweizer scheint, nach außen hin zumindest, immer die Ruhe selbst. Er hat einem verunsicherten Team Halt und taktische Struktur gegeben. Im Laufe der letzten Wochen hat die Mannschaft seine Spielweise verinnerlicht und trotz einer langen Verletztenliste bei potentiellen Stammspielern (Zentner, Bell, Amiri, Hollerbach, Silas) spielt Mainz 05 eine famose Rückrunde. Im März blieben die Rheinhessen ohne Niederlage. In der Urs-Fischer-Tabelle der Bundesliga, also seit der Schweizer seit dem 14. Spieltag in Mainz ist, belegen die Rheinhessen vor der Länderspielpause Rang fünf.

Die Winterneuzugänge passen einfach perfekt!

Phillip Tietz kam vom FC Augsburg, überzeugte vom ersten Moment an auf und neben dem Platz als Führungsspieler und einfach als guter Typ, der positive Stimmung mitbringt. Silas kam vom VfB Stuttgart, brach sich aber leider im Spiel in Olmütz das Schien- und Wadenbein. Der Kongolese wird noch lange ausfallen und es ist offen, ob er er überhaupt nochmal das 05-Trikot tragen wird. Sheraldo Becker konnte offensiv mit seinem Tempo schon für viel Gefahr sorgen und Stefan Posch die Abwehr defensiv stabilisieren. Alle Winterneuzugänge haben eingeschlagen, die Transfers von Sportdirektor Niko Bungert passten.

Der Europapokal ist pure Lust, keine Last!

Zwar wurde die Teilnahme an der Conference League in der Hinrunde, auch von Sportvorstand Christian Heidel, gerne als Grund angeführt, warum es in der Bundesliga so schlecht lief. Aber im Laufe der letzten Monate spürte man rund um den Verein eine schier überdimensionierte Lust auf die internationalen Spiele. Die Fans feiern - egal ob auswärts personell stark begrenzt oder zuhause bei restlos ausverkauftem Stadion - ihre Partys auf der Bühne des Europapokals. Kein Verein lockt in der Conference League mehr Fans ins jeweilige Stadion als Mainz 05.

Die Euphorie auf den Rängen hat sich aufs Team übertragen. Zwar waren, so ehrlich muss man sein, die Gegner von überschaubarem internationalen Niveau, aber dennoch mussten auch diese Teams erst einmal geschlagen werden. Im Viertelfinale kommt jetzt Racing Straßburg nach Mainz (9. April), eine Woche später (12. April) geht's ins Elsass. Etwas mehr als zwei Autostunden entfernt soll, mit dem Support der Fans, das Halbfinale klar gemacht werden. Sportlich ist Straßburg sicherlich besser einzuschätzen als zuletzt Olmütz im Achtelfinale. Die Franzosen scheinen aber durchaus schlagbar. Erste, ganz selbstsichere Fans, haben bereits ein Hotelzimmer für den Tag des Conference League Finals am 27. Mai in Leipzig vorreserviert.

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Fazit: Das Jahr 2026 läuft bisher perfekt für Mainz 05. Die Aufholjagd in der Bundesliga ist aber noch nicht vorbei. "Geschafft ist noch gar nichts, Wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist, dass wir mit dem Abstieg zu tun haben, dann können wir feiern", beschwichtigte Trainer Urs Fischer nach all den Erfolgen in den letzten Wochen immer wieder.

Wenn die Mainzer die Liga halten und international ihren Traum so weiterleben, dann könnte Ende Mai die erfolgreichste Saison des Vereins in den Geschichtsbüchern stehen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.