Ehemaliger FCK-Kapitän

Warum Jean Zimmer auch in der Oberliga ein glücklicher Mann ist

Einst hat Jean Zimmer die Profis des 1. FC Kaiserslautern als Kapitän aufs Feld geführt. Nun ist er eine Führungsfigur im Oberliga-Team des FCK.

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Von Autor/in Michael Richmann

Jean Zimmer ist kein Typ für halbe Sachen. War er noch nie. Bei ihm ist alles grundsätzlich. Egal ob der ehemalige Kapitän des 1. FC Kaiserslautern - wie früher - die gegnerischen Stürmer vor der Westkurve weggrätscht oder - wie heute - die zweite Mannschaft des FCK in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar anführt. Darum spricht er auch viel über Grundsätzliches. Zum Beispiel über seinen Rückzug aus dem Profikader der Roten Teufel im Sommer 2025. "Grundsätzlich habe ich die Entscheidung getroffen, das ist für mich halt was Geiles", sagte der 32-Jährige im Interview mit SWR Sport. "Es war keine Verletzung, es hat nicht jemand anderes über mich entschieden, sondern ich habe mich dazu entschieden. Ich wollte einfach den Schritt zurück zu machen und bin damit a) völlig fein und b) extrem glücklich."

Jean Zimmer ist der "großer Bruder, Onkel, Vater" der zweiten FCK-Mannschaft

Oder über den großen Altersunterschied zwischen dem altgedienten Recken und all seinen neuen Mitspielern: "Ich glaube, der nächste Junge ist zehn Jahre jünger als ich oder neun." Für Zimmer jedoch kein Problem: "Grundsätzlich hält der Fußball jung. Die Sprache der Kabine ist trotzdem gleich. Von daher komme ich damit besser klar, als ich dachte." Anfangs hätten die Jungs noch verlegen getuschelt, wenn Zimmer in die Kabine kam. Klar, wenn so eine Legende den Raum betritt. Doch Zimmer wiegelt ab: "Legenden sind für mich andere. Dafür habe ich zu wenig Titel mit dem Verein gewonnen. Aber es ehrt mich wahnsinnig - und rührt mich auch."

Jean Zimmer (1. FC Kaiserslautern) im Laufduell mit der Edonis Metaj vom FC Hertha Wiesbach in der Oberliga Rheinland-Pfalz Saar.
Jean Zimmer (1. FC Kaiserslautern) im Laufduell mit der Edonis Metaj vom FC Hertha Wiesbach in der Oberliga Rheinland-Pfalz Saar. IMAGO / Jan Huebner

Mit insgesamt 35 Bundesliga-, 191 Zweitliga-, und 35 Drittliga-Spielen und nochmal 23 Partien im DFB-Pokal für den 1. FC Kaiserslautern, Fortuna Düsseldorf und den VfB Stuttgart ist Jean Zimmer für eine neuen Team-Kollegen "so eine Mischung aus großer Bruder, Onkel, Vater". Doch seine Erfahrung wirkt sich auf seine Rolle im Spiel aus: "Grundsätzlich versuche ich auf und neben dem Platz so ein bisschen Ruhe reinzubringen, weil es dann doch eben jung und wild ist."

Jean Zimmer wird plötzlich zum Karriere-Berater der FCK-Talente

Seine lange erfolgreiche Karriere macht ihn in der zweiten Mannschaft jedoch nicht nur zum Führungsspieler sondern auch zum Karriere-Berater. "Ich weiß, wo die alle hinwollen", sagte er. "Im Endeffekt bin ich den Weg, den sie hoffentlich alle gehen werden, den bin ich gegangen - über die U-Mannschaften, die Amateure damals", bis hin zu den Profis. "Und da kann ich gewisse Erfahrungswerte einfach mitgeben." Ganz Kapitän eben.

Seine Liebe zum FCK wird sich wohl auch nicht ändern. Noch immer geht er regelmäßig ins Fritz-Walter-Stadion: "Es macht einfach Spaß, wieder so ein bisschen back to the roots mit meinen Jungs zum Spiel gemeinsam den Berg hochlaufen. 90 Minuten ist ja hier einfach dann alles gegeben." Auch wenn er dort nicht so aufdrehen kann, wie er gerne möchte - schließlich ist er Jean Zimmer: "Daher bin ich manchmal ein Stück weit vorsichtiger mit meinen Worten, als ich sie vielleicht wählen würde, wenn mich keiner kennt."

Jean Zimmer verpasst "spezielles Spiel" des FCK gegen Fortuna Düsseldorf

Die Partie gegen seinen Ex-Klub Fortuna Düsseldorf (Samstag, 13:30 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) ist "für mich ein spezielles Duell. Meine Tochter ist in Düsseldorf geboren. Wir hatten dort eine wahnsinnige Zeit. Schöne Stadt. Trotzdem, Lautern ist die Eins, war die Eins, bleibt die Eins." Er tippt auf einen Heimsieg: "3:1." Dennoch muss Zimmer passen. Die zweite Mannschaft tritt parallel beim SV Auersmacher (Saarland) an. "Ich kann's leider nicht schauen", ärgert er sich.

Aber nur ein wenig. Schließlich ist das ein kleiner Preis für seine neue Freiheit. In seinem Alltag habe sich gar nicht so viel geändert, "weil wir einen ähnlichen Trainingsumfang haben". Etwas Grundsätzliches dann aber doch: "Am Wochenende, das ist eigentlich so die Hauptsache, sind es eben nicht mehr zwei Tage, die ich unterwegs bin, weil ich keine Übernachtung mehr habe. Die maximale Auswärtsfahrt ist zwei Stunden weg. Ich habe mit meiner Familie mehr Zeit am Wochenende und das kann ich genießen."

Jean Zimmer will in Ruhe Papa sein

Das bringt ihm auch seinem neuen Ziel näher: "Ich will vor allem ein guter Vater sein und die Chance haben, egal was ich beruflich mache, bei den Highlights meiner Kinder dabei zu sein. Denn das hat mir der Fußball gezeigt, dass ist es nicht immer selbstverständlich, egal ob es ein Geburtstag ist oder die Hochzeit meiner Schwester, die hinter dem Fußball zurückstehen musste." Der selbstbestimmte Rückzug in die zweite Mannschaft war für Jean Zimmer ein wichtiger Karriere-Schritt: "Grundsätzlich alles richtig gemacht."