Neue Saison, neue Regeln

Nachspielzeiten, Handshake- und Torhüterregel: Schiri-Boss Knut Kircher zieht erste Bilanz

Die neue Bundesligasaison ist mit neuen Regeln gestartet. Vorab sorgte das nicht nur für Freude. Schiri-Boss Knut Kircher zieht nach zwei Spieltagen eine erste Bilanz.

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Von Autor/in Felizitas Eglof

Die Neuberechnung der Nachspielzeit, Zeitspielregel bei Torhütern, die Kapitänsregel oder die Handshakeregel 70 Minuten vor Spielbeginn: Schiedsrichter, Spieler, Trainer und Fans müssen sich diese Saison auf viel Neues einstellen.

"Ich bin jemand der Dingen gerne eine Chance gibt. Und wenn man etwas nicht über ein paar Spieltage erprobt hat, sondern gleich wieder abschaffen möchte, fände ich es irgendwie sinnlos", sagt Knut Kircher, Geschäftsführer der Schiri GmbH, nun bei SWR Sport.

Gemischte Reaktionen vor der Saison

Wie auf fast jede Veränderung gab es auch vor der Saison kritische Reaktionen auf die neuen Regeln. Für Kölns Trainer Lukas Kwasniok ist zum Beispiel die neue Handshakeregel "Kokolores". Sie sei "eine nette Idee, aber ich habe auch ganz viele Ideen die sich im Nachhinein als falsch herausstellen." Julian Schuster vom SC Freiburg dagegen möchte "dem ganzen eine Chance geben".

Schiri-Boss Kircher sieht positive Aspekte, zum Beispiel bei der Zeitspielregel bei Torhütern: "Es beschleunigt das Spiel und wir hatten bisher nur einen Fall in der 3. Liga, bei dem man runterzählen musste, ansonsten haben sich aber alle schon in der Vorbereitung drauf eingestellt."

Im Schnitt drei bis vier Minuten mehr pro Spiel

Für große Diskussionen sorgt auch die neue Nachspielzeitregel. Nach Berechnungen von SWR Sport wurden in der neuen Saison in der ersten und zweiten Halbzeit im Durchschnitt knapp zehn Minuten Nachspielzeit angezeigt. Spitzenreiter ist aktuell Freiburg gegen Augsburg mit insgesamt 17 Minuten angezeigter Nachspielzeit.

"Wir sind im Vorfeld immer wieder angeschossen worden, dass die Nachspielzeit reine Willkür sei. Deswegen machen wir das jetzt transparenter und das könnte zu mehr Nachspielzeit führen", erklärt Kircher. Laut dem 56-Jährigen seien es im Vergleich zur vergangenen Saison im Schnitt dreieinhalb bis vier Minuten mehr pro Spiel. "Das ist aushaltbar, finde ich."

Mehr medialer Druck aber auch mehr Transparenz

Warum das so ist, erläutert der Funktionär. "Zum einen haben wir viel mehr Kameras im Stadion, wir haben Medien die in detektivischer Kleinarbeit alle Szenen analysieren und natürlich die Sozialen Medien, da wirst du total beballert als Schiedsrichter." Außerdem ginge es oft gar nicht nur um indiskutable Szenen, so Kircher.

Mediale Aufmerksamkeit kann jedoch auch etwas gutes sein. Das zeigt die zweite Staffel der ARD-Dokumentation "UNPARTEIISCH", in der die besten Schiedsrichter Deutschlands begleitet werden. "Durch die ersten Staffel haben wir schon eine hohe Transparenz erzeugt und ein großes Verständnis", so Kircher. Die Zuschauer würden nun erkennen, was Schiedsrichter leisten und aushalten.

Kircher, der im württembergischen Rottenburg lebt, leitete als Schiedsrichter 244 Bundesligaspiele und 128 Spiele der 2. Liga. Zwischen 2004 und 2012 war er FIFA-Schiedsrichter. In den Jahren 2011 und 2012 war er in Deutschland "Schiedsrichter des Jahres".

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Felizitas Eglof
Porträt von Felizitas Eglof