2. Bundesliga

Nüchterner KSC will nicht vom Aufstieg träumen

Der KSC hat sich gegen Spitzenreiter Schalke 04 durchgesetzt und den Anschluss an die Aufstiegsplätze geschafft. So richtig gute Laune haben die Badener trotzdem nicht.

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Stand

Von Autor/in Michael Richmann

Der Karlsruher SC ist der Gewinner des Spieltags, das Stadion glich nach dem Last-Minute-Sieg gegen Spitzenreiter Schalke 04 einem Tollhaus. Für Kapitän und Siegtorschützen war es "ein Big Point heute". Nur KSC-Trainer Christian Eichner schob etwas schlechte Laune vor sich her: "In Karlsruhe reichen dann vielleicht auch mal fünf Minuten, um sportlich etwas anzuzünden", sagte der 42-Jährige im Interview mit SWR Sport und wirkte dabei eher lakonisch als euphorisch.

KSC profitiert von den Patzern der Konkurrenz

Dabei hat der KSC nicht nur gegen den Liga-Primus gewonnen, sondern auch noch vom 2:2 der beiden Konkurrenten aus Hannover und Elversberg profitiert. Das Ergebnis: 21 Punkte, Platz fünf und nur noch zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz.

Doch Eichner bewertete nicht nur das Resultat, sondern auch die Qualität des Spiels: "Ich fand es über lange Zeit kein gutes Fußballspiel", monierte der Coach. Die Bälle waren heute mehr in der Luft als am Boden. Und wenn du dann gegen diese Schalker Mannschaft in Rückstand gerätst, wird es ganz, ganz schwierig. Und ich glaube, wenn wir den Standard nicht bekommen, fällt hier vielleicht eher das 0:2 als das 1:1."

KSC war bis zum Rückstand erschreckend ungefährlich

Das musste auch Schleusener zugeben: "Ich kann mir auch vorstellen, dass das für den neutralen Zuschauer heute kein Leckerbissen war. Aber so Spiele gehören dazu. Die muss man annehmen und das haben wir gemacht."

Allerdings erst nach dem Rückstand. Bis zu Kenan Karamans Tor nach einem Foulelfmeter (66.) hat der KSC kaum etwas Gefährliches zustande gebracht. Ein einziges Mal tauchte Fabian Schleusener frei vor Schalke-Keeper Loris Karius auf, scheiterte jedoch im Eins gegen Eins an dem ehemaligen Mainz-05- und FC-Liverpool-Keeper (45.+2). "Aber wir sind zurückgekommen. Und das ist das, was zählt", meint Schleusener.

KSC mit dem Lucky Punch in der Nachspielzeit

Marcel Beifus köpfte den Ball nach einer Ecke zum 1:1 (76.). In der Schlussphase hatte der KSC sehr viel Glück, dass Schalke die Blackouts in der Abwehr der Badener nicht zum Siegtreffer nutzen konnte (88. & 90.). In der Nachspielzeit punchte Schleusener den Ball dann ziemlich lucky ins Schalker Netz (90.+3). "Es war auf jeden Fall ein Highlight", freute sich der Routinier nach seinem Siegtreffer. "Es war schon ein sehr, sehr wichtiges Tor. Ich glaube, man hat gesehen, wie viel Emotion in diesem Spiel lag und wie viel Last dann auch beim Siegtreffer von uns abgefallen ist. Denn es war wirklich ein Abnutzungskampf heute."

Trotz der guten Ausgangsposition will der KSC lieber nicht vom Aufstieg träumen: "Wir kennen die zweite Liga zu gut, und es wäre vermessen, da über irgendetwas Großes zu reden", meint Siegtorschütze Schleusener. Ob die Badener wirklich ein Spitzenteam sind, werden die kommenden Wochen zeigen. Denn nach dem Auftritt beim starken Aufsteiger Arminia Bielefeld (Samstag, 8.11. ab 13 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) trifft der KSC auf Elversberg (Platz zwei), Hannover 96 (Platz vier), Darmstadt 98 (platz sieben) und den SC Paderborn (Platz drei).

KSC-Trainer Eichner stapelt tief

Nach diesen Wochen der Wahrheit werden Schleusener, Eichner und Co. wissen, ob sie sich in der laufenden Saison nach ganz, ganz oben orientieren können oder nicht. Bis dahin hält es der Karlsruher Chefcoach mit seinem Elversberger Kollegen Vincent Wagner, der "Woche für Woche gebetsmühlenartig vorrechnet, wie viele Punkte ihm noch bis 40 fehlen", denn die reichen gemeinhin für den Klassenerhalt. Und Eichner ist überzeugt: "Bevor wir über irgendwelche anderen Dinge sprechen, gebührt es dem Respekt gegenüber der Liga, dass wir uns daran orientieren."