Eines vorweg - ich war bei den Gesprächen zwischen den Beteiligten, auf der einen Seite Nelson Weiper und sein Berater Alexander Schütt, auf der anderen die Verantwortlichen des FSV Mainz 05, nicht dabei - kann also die gesamte Situation nur als Außenstehender einschätzen und beurteilen.
Was mittlerweile bekannt ist: Die Mainzer bemühen sich bereits seit längerem um eine vorzeitige Verlängerung des im kommenden Sommer auslaufenden Vertrags des U21-Nationalspielers. Aus Sicht der Rheinhessen auch durchaus nachvollziehbar, will man den 20-Jährigen, der seit seinem siebten Lebensjahr für die 05er spielt, nicht ablösefrei abgeben müssen wie im Vorjahr den Luxemburger Leandro Barreiro, der zu Benfica Lissabon wechselte.
Tischtuch zerschnitten
Ebenso verständlich und meiner Meinung nach auch legitim, wenn auch vielleicht etwas irritierend, ist die Verzögerungstaktik von Weiper und seinem Berater. Er, so der Spieler, wolle den Saisonstart zunächst einmal nutzen, um seinen Stand in der Mannschaft zu überprüfen und abzuwarten, wie viel Spielzeit er unter Trainer Bo Henriksen bekomme. Schließlich hat Weiper, der bei der U21 EM mit vier Toren und einem Assist glänzen konnte, noch ein gültiges Arbeitspapier bis zum 30. Juni 2026.
Das Problem: Die Vereinsführung sitzt bei solchen, ich nenne es einfach einmal Auseinandersetzungen, immer am längeren Hebel. Wobei die Äußerungen nach der Nichtberücksichtigung für das Dresden-Spiel schon sehr verwunderten.
"Nelli (Nelson Weiper) soll den Kopf frei bekommen, dann trifft er eine Entscheidung", sagte Sportvorstand Christian Heidel vor der Partie in Dresden. Trainer Bo Henriksen legte einen Tag später nach: "Wenn du einen Spieler hast, der noch zehn, elf Monate im Verein ist, dann muss man merken, dass er zu 100 Prozent für Mainz 05 spielen will", so der Däne, und fügte noch an: "Alle anderen haben einen neuen Vertrag unterschrieben."
Machtspiele im Geschäft Profifußball
Mittlerweile scheint die Lage um das große Talent Nelson Weiper weiter zu eskalieren. Angeblich gehört der Stürmer auch beim Qualifikationsspiel der Mainzer bei Rosenborg Trondheim (Donnerstag 18 Uhr im Livestream auf SWR.de/Sport und im Audiostream) nicht zum Kader und soll stattdessen mit der U23 trainieren.
Schwer vorstellbar auch, dass sich an dieser Situation im Hinblick auf den Bundesligastart am Sonntag gegen den 1. FC Köln etwas ändert - obwohl Berater Alexander Schütt seinem Schützling eine 100-prozentige Einstellung und Fitness bescheinigt. Und so bleibt, was den Verbleib von Nelson Weiper angeht, eigentlich nur noch eine sehr kleine Hoffnung, dass sich beide Parteien bis zum 1. September einigen. Dann schließt das Sommer-Transferfenster.
Realistisch betrachtet gehe ich aber davon aus, dass sich die 05er bereits intensiv um einen Nachfolger in der Offensive bemühen, sich demnächst über weitere Millionen in der Kasse freuen dürfen und dass der gebürtige Mainzer Nelson Weiper die Fußballstiefel bald für einen anderen Klub schnürt. Schade eigentlich, aber so funktioniert halt das Profifußball-Geschäft.