Mit ausgestreckten Armen und einer schwungvollen Bewegung von oben nach unten verneigte sich Mainz-05-Trainer Bo Henriksen vor Nadiem Amiri. Sein Spielmacher hatte Sekunden zuvor einen Freistoß aus rund 25 Metern präzise an den Innenpfosten und von dort ins Tor gesetzt - ein Traumtor (22. Minute). Es war das 1:0 und gleichzeitig der entscheidende Treffer für den Bundesligisten im Pokalspiel bei Dynamo Dresden. "Ich habe in der Vorbereitung und in dieser Woche viel trainiert an Freistößen. So Standards können das Spiel entscheiden - wie heute, Gott sei Dank", sagte der Torschütze Amiri nach der Partie im Sportschau-Interview und fügte an: "Die harte Arbeit wurde wieder bezahlt."
Ein hartes Stück Arbeit war es auch für die Mainzer im Spiel beim Zweitligisten aus Dresden, denn Dynamo spielte in der Anfangsviertelstunde mutig auf und erarbeitete sich erste Chancen. Der Treffer von Amiri brachte den Gästen Sicherheit, doch in der zweiten Hälfte war Dresden nah dran am Ausgleich. Robin Zentner parierte in der 66. Minute einen Handelfmeter von Jakob Lemmer, der zudem in der 89. Minute aus leicht spitzem Winkel nur knapp das Mainzer Tor verpasste. "Dynamo hat eine Riesen-Mannschaft, eine Riesen-Stimmung, eine Riesen-Atmosphäre. Es ist nicht einfach hier in der ersten Runde. Wir haben es trotzdem geschafft, hier zu gewinnen", bilanzierte Amiri. "Wir sind weiter, das ist das Einzige was zählt. Wir haben sehr gut dagegen gehalten", so Amiri weiter.
Vor dem Spiel: Immer noch Termin-Frust bei Christian Heidel
Bereits vor dem Anpfiff knisterte es gewaltig. Christian Heidel, Sportvorstand von Mainz 05, machte nochmal seinem Ärger über die Terminierung der Erstrunden-Partie am Montagabend Luft. "Was da passiert ist, ist für mich eine Farce", sagte der 62-Jährige am Sky-Mikrofon über die Spielansetzung in der 1. Runde des DFB-Pokals bei Dynamo Dresden: "Die Abteilung des DFB hat sich einfach um nichts bemüht. Sie haben versucht, diesen Termin durchzudrücken, kein Mensch weiß warum."
Das Erstrundenspiel wurde auf Montagabend und damit den letzten möglichen Austragungstag gelegt. Nur drei Tage später müssen die Mainzer am Donnerstag als einziger deutscher Vertreter ihr Hinspiel in den Playoffs der Conference League bei Rosenborg Trondheim in Norwegen bestreiten. "Wir haben klar gesagt: 'Wir möchten am Freitag oder Samstag spielen.' Wir haben alles versucht, ich habe nicht einen Hinweis bekommen, dass die Herren vom DFB sich bemüht haben, eine Lösung zu finden", schimpfte Heidel vor dem Anpfiff im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion und bezeichnete die Verbands-Verantwortlichen als "Schreibtisch-Akrobaten". Grund für die späte Ansetzung war das am Wochenende zuvor stattfindende Dresdner Stadtfest sowie damit verbundene behördliche Sicherheitsvorgaben.
Verlässt Nelson Weiper den 1. FSV Mainz 05?
Neben dem Frust über die Ansetzung des Spiels sorgte ein weiteres Thema für Gesprächsstoff: Das Fehlen von Stürmer Nelson Weiper im Spieltagskader der Rheinhessen. Coach Bo Henriksen erklärte, dass es eine Vereinsentscheidung sei, dass Weiper nicht dabei sei. Steht Weiper möglicherweise vor dem Abgang? "Wir wollen in diesem Verein nicht die Spieler spielen lassen, wenn sie nicht diese Entscheidung machen, hier spielen zu wollen. Ich spiele mit den Spielern, die zu 100 Prozent bei diesem Verein sind. Wir müssen sehen, was mit dem Spieler die nächsten zwei Wochen passiert", so Henriksen.
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Der 1. FSV Mainz 05 setzte sich in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Dynamo Dresden durch. Nadiem Amiri schoss das Tor des Abends.
Auch Christian Heidel äußerte sich zu einer möglichen Trennung vom U21-Vize-Europameister, der bislang seinen im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte. "Ich will einen Abgang nicht ausschließen, aber derzeit weiß ich es nicht", sagte Heidel. Weiper solle den Kopf freibekommen, "dann trifft er eine Entscheidung. Und deswegen ist bei uns die Entscheidung gefallen, dass er heute nicht dabei ist", sagte der Mainzer Vorstand weiter. "Wir haben noch zwei Wochen Zeit und dann schauen wir, wie es ausgeht."
Alexander Schütt, Berater von Nelson Weiper, reagierte noch während der Halbzeitpause der Partie in Dresden auf die Aussagen der Verantwortlichen von Mainz 05. Gegenüber dem "kicker" sagte er: "Nelson Weiper ist topfit, hat noch ein Jahr Vertrag und brennt darauf, für seinen Verein Mainz 05 zu spielen. Dass er mit dem Kopf nicht bei der Sache sein soll, ist Quatsch."
Nach dem DFB-Pokal kommt die Conference League
Trotz der Themen abseits des Platzes überwogen bei den Mainzern in Dresden die Glücksgefühle. Den 05ern gelang ein erfolgreicher Pflichtspielstart, die nächste Runde im DFB-Pokal ist erreicht. Auch wenn das Duell mit den Sachsen eine Menge Kraft gekostet hat - die Rheinhessen gehen nun mit einem guten Gefühl in das Hinspiel der Playoffs zur Conference League. Anstoß der Partie bei Rosenborg Trondheim ist am Donnerstag um 18:00 Uhr.