Bundesliga

Phillip Tietz als Sinnbild der neuen Mainzer Comeback-Qualität

Mainz 05 hatte gegen den VfL Wolfsburg eine Chance nach der anderen und musste zur Pause trotzdem einem Rückstand hinterher rennen. Dann schlug die große Stunde von Phillip Tietz.

Teilen

Stand

Von Autor/in Michael Richmann

Phillip Tietz ist genau das, was Mainz 05 im Abstiegskampf braucht. Der 28-Jährige vergab freistehend in der 5. Minute, scheiterte per Foul-Elfmeter an Kamil Grabara (22.) und feuerte diesen kläglichen Schuss auf das Wolfsburger Tor ab (38.). Er wurde damit zum Inbegriff der ersten Hälfte gegen den VfL Wolfsburg in der Mainz 05 kämpfte, ackerte und rackerte - ohne dabei etwas Zählbares aufs Tableau zu bringen.

Mainz 05 mit dem hart erarbeiteten Ausgleich

Doch Tietz gab sich nicht auf, kämpfte, ackerte und rackerte einfach weiter. Bis er traf. Und wie er traf: Der Eckball von Nadiem Amiri flog in den Wolfsburger Strafraum. Tietz wollte an den Ball. Gegenspieler Denis Vavro wollte genau das verhindern. Er klebte an Tietz, er zog, er schob, er riss - doch Tietz blieb einfach stehen, dann machte er zwei Schritte in Richtung Ball, sprang hoch und köpfte zum 1:1-Ausgleich (68.). "Gegen Wolfsburg treffe ich gerne", sagte der gebürtige Braunschweiger im Interview mit SWR Sport. Es war sein viertes Tor im fünften Spiel gegen den VfL, zwei weitere hat er vorbereitet. "Das Braunschweiger Herz hilft mir da ein bisschen", sagte Tietz.

Mainz 05 beginnt schläfrig

Im konkreten Fall hilft es vor allem Mainz 05. Denn es war der Wendepunkt in einem Duell gegen einen zumindest mittelbaren Konkurrenten im Abstiegskampf, das zunächst wie verhext schien. Denn die Mainzer waren noch nicht ganz auf dem Platz, da stand es schon 0:1. Silvan Widmer wollte Vorlagen-Geber Sael Kumbedi stellen. Der rauschte jedoch mit so viel Tempo heran, dass "stellen" nicht mehr möglich war. Danny da Costa stand zwar in der Nähe von Torschütze Mohammed Amoura, hatte aber nur Augen für den Ball. Doch was bei Tietz so gut funktioniert hat, war in da Costas Fall fatal. Denn dadurch vergaß er den Algerier in seinem Rücken, der seelenruhig mit der Hacke einschieben konnte (3.).

Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim, Mainz, Schalke

SWR Sport | 19.04. ab 21:45 Uhr SWR Sport mit Hoffenheims Andi Schicker und der Meisterfrage in der Bundesliga

Entscheidet sich am Wochenende die Meisterschaft zugunsten des FC Bayern? Hoffenheim könnte gegen Dortmund Schützenhilfe leisten. Studiogast bei SWR Sport ist TSG-Geschäftsfühter Andi Schicker.

SWR Sport SWR

"Wir haben schlecht angefangen", sagte Amiri, "waren dann aber über 85 Minuten die bessere Mannschaft". Denn Mainz 05 berappelte sich schnell. Allein Benedict Hollerbach hatte den Ausgleich gleich dreimal auf dem Fuß (30. , 36. & 40.). "Wir müssen in der ersten Halbzeit eigentlich schon das Spiel drehen", haderte Amiri, "hatten da aber noch nicht das Glück auf unserer Seite".

Mainz 05 springt auf den Relegationsplatz

Das änderte sich erst nach Tietz' Treffer. Wenig später stocherte Stefan Bell den Ball zur Mainzer Führung (73.). Nadiem Amiri machte per Foul-Elfmeter alles klar (84.). "Die zweite Halbzeit war dann sehr, sehr gut", sagte der Torschütze zum 3:1-Endstand. Nach den vielen verspielten Führungen in den vergangenen Wochen, war dieser Spiel-Verlauf Balsam auf die Mainzer Seele. Mainz 05 sprang mit nun 15 Punkten auf den Relegationsplatz und kann vor den wichtigen Spielen bei RB Leipzig (31.1.) und gegen den FC Augsburg (7.2.) wieder etwas durchatmen. Daher fühle sich dieser Sieg für Amiri "sehr sehr gut an".

"Das ist Charakter", sagte Tietz. "Der Trainer hat uns super eingestellt und nochmal richtig angeheizt." Er selbst war immer mittendrin. Geradezu exemplarisch eine Szene kurz nach dem Mainzer Führungstreffer: Tietz warf sich in einen Zweikampf mit Wolfsburgs Moritz Jenz und holte eigentlich nur einen Einwurf raus. Den feierte er jedoch derart lautstark und ausgiebig, dass er sogar die Zuschauer auf der Haupttribüne mitriss. "Die Fans waren wieder unfassbar heute. Und da sieht man, was hier entstehen kann, wenn alle zusammenhalten", sagte Tietz. So wurde der Neuzugang zum Sinnbild der Mainzer Comeback-Qualität - zumindest an diesem Nachmittag.