Conference League

Europa-Wahnsinn als Mainzer Wende?

Mainz 05 erlebt eine magische Europapokal-Nacht gegen die AC Florenz. Die Rheinhessen feiern den Last-Minute-Sieg in der Conference League ausgelassen - und schöpfen Mut für die Bundesliga.

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Stand

Europapokal-Held Jae-Sung Lee fand es einfach nur "sehr geil". Für Nationalspieler Nadiem Amiri war es eine "brutale Nacht". Und Coach Bo Henriksen genoss ein "überragendes Erlebnis". Die schwere Krise des FSV Mainz 05 in der Bundesliga war an einem magischen Fußball-Abend in der Conference League zumindest für ein paar Stunden kein Thema.

Später Treffer hat Mainz 05 "aus den Stühlen gerissen"

"Das war eine brutale Erleichterung", sagte Amiri nach dem mitreißenden 2:1 vor heimischer Kulisse in der Conference League gegen den italienischen Club AC Florenz - und einem Siegtreffer durch Lee in buchstäblich letzter Minute. "Wenn du dieses Spiel noch in der 90. gewinnt, ist es etwas Besonderes", betonte Amiri.

Schon nach dem 2:1 in der Nachspielzeit gab es für die Mainzer kein Halten mehr, ganz zu schweigen von dem Sturmlauf auf dem Rasen nach dem Schlusspfiff. Auf den Rängen brachen zudem alle Dämme. "Es hat alle aus den Stühlen gerissen. Das war ein brutaler Moment, der jetzt in dieser Phase noch doppelt so guttut wie ein normaler Last-Minute-Treffer. Das setzt Energie frei", äußerte Sportdirektor Niko Bungert.

Mainz 05 vor dem Rhein-Main-Derby bei Eintracht Frankfurt

Energie freisetzen soll dieser Moment vor allem für die kommenden Aufgaben in der Bundesliga. Der FSV ist am Sonntag (19.30 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) zum Rhein-Main-Duell bei Eintracht Frankfurt zu Gast - und will endlich den zweiten Saisonsieg und damit auch den Sprung aus dem Tabellenkeller schaffen. "Ich kann die Eintracht gerade nicht so einschätzen. Die haben Spiele, die sie 4:0 gewinnen, und dann haben die Spiele, die sie 0:5 verlieren. Von daher wird es ein offenes Spiel - ein hitziges Spiel", erklärte Amiri. Trainer Bo Henriksen war am Freitag schon einen Schritt weiter: "Wir hatten eine gute Analyse", sagte der 50-Jährige, "wir sind vorbereitet".

In Frankfurt kommt es auch zum Wiedersehen mit Stürmer Jonathan Burkardt, der im Sommer zum Liga-Rivalen gewechselt war. "Wenn es einer weiß, dann wir", antwortete Amiri auf die Frage, wie man den Nationalspieler ausschalten könne. "Aber wir wissen, wie viel Qualität Jonny hat. Du musst einfach brutal vorsichtig sein, weil sonst kann Jonny uns direkt bestrafen." Auch Henriksen will am Sonntag "alles versuchen, um ihn zu stoppen". Dann für 90 Minuten sämtliche Sympathien beiseite schieben: "Wir lieben ihn. Mein ganzes Leben werde ich daran denken, was er für den Verein und für mich getan hat. Aber am Sonntag wünsche ich ihm nichts Gutes", sagte Henriksen.

Hollerbach erzielt erstes Pflichtspiel-Tor für Mainz 05

Man fahre mit einem "guten Gefühl" nach Frankfurt, erklärte Offensivspieler Benedict Hollerbach, der mit seinem Ausgleichstreffer in der 68. Minute die Wende gegen Florenz einleitete und sein erstes Pflichtspiel-Tor für den FSV erzielte. "Aber auch mit dem Gefühl, dass wir uns heute faktisch dafür nichts kaufen können", so Hollerbach weiter.

Der 24-Jährige war nur drei Minuten vor seinem Treffer eingewechselt worden und brachte wie auch die anderen Joker Lee und Kaishu Sano noch mal Schwung in die Partie. Gegen die Eintracht dürften alle drei wieder in der Startelf stehen, in den restlichen drei Spielen der Conference-League-Ligaphase aber wohl noch die eine oder andere Pause erhalten.

Mainz 05 ist dem Achtelfinale ganz nahe

Denn die 05er können nach dem dritten Sieg und einer perfekten Ausbeute von neun Zählern als aktueller Tabellendritter auf jeden Fall mit der Zwischenrunde im Europapokal planen - auch wenn das rechnerisch noch nicht sicher ist. Selbst der direkte Einzug ins Achtelfinale ohne den Umweg in die Zwischenrunde ist durch den Heimsieg gegen Florenz greifbar.

Nur zum Vergleich: In der vergangenen Saison bei der Premiere des neuen Modus genügten für Platz 24 und damit den Einzug in die Zwischenrunde sieben Punkte und ein Torverhältnis von 10:13. Für Platz acht reichten elf Zähler und ein Torverhältnis von 14:7.

Bundesliga hat für Mainz 05 Priorität

Mainz-Trainer Bo Henriksen könnte bei den kommenden Conference-League-Begegnungen angesichts der Situation deutlich mehr Rotation wagen. "Klar, das ist eine Ausgangslage, die uns jetzt auf jeden Fall ein bisschen Ruhe und Selbstbewusstsein bringt", sagte Bungert. Denn die Bundesliga habe "wie immer Priorität" für die Rheinhessen.

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Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.

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