Urs Fischer wirkte nach dem ersten Punktgewinn der Mainzer in München seit 2007 am ARD-Mikrofon erleichtert und entspannt. Das 2:2 beim Tabellenführer in München glich einem gefühlten Sieg. Überrascht wirkte der Schweizer vom starken Auftritt seines Teams nicht. Er habe eine intakte Mannschaft von Bo Henriksen, seinem Vorgänger, übernommen. Viel habe er nicht verändern müssen. Dann wurde er konkreter: "Es ging bei den Veränderungen um die Werte in Mainz. Es ging darum, unermüdlich zu arbeiten, eklig zu sein."
Die vier Mainzer Mittelfeldspieler seien in den 90 Spielminuten jeweils zwischen 13,5 und 14,6 Kilometer gelaufen. "Das nennt man Leidensfähigkeit", sagte Fischer. "Das musst du aufwenden, wenn du in München etwas mitnehmen willst." In dieselbe Kerbe schlug Mainz-Profi Stefan Bell: "Wir haben brutal gekämpft und waren taktisch sehr diszipliniert. Es hat heute viel Spaß gemacht."
Bärenstarker Daniel Batz hält die Mainzer im Spiel
Coach Fischer wusste natürlich auch, dass es für einen Punktgewinn beim deutschen Rekordmeister noch etwas mehr bedarf. "Die Mannschaft brauchte natürlich auch etwas Glück", sagte er. Tatsächlich dominierten die Bayern die ersten 44 Minuten gegen sehr tief stehende Mainzer komplett. FCB-Ballbesitz von 94 Prozent in der Anfangsviertelstunde lautete die eindrucksvolle Zahl beim Einbahnstraßenfußball. Nachdem Harry Kane (20.), Michael Olise (23.) und Josip Stanisic (24.) schon an der Führung geschnuppert hatten, war es wieder einmal Shootingstar Lennart Karl (29.), der die Bayern in Führung brachte.
Doch die Gastgeber scheiterten immer wieder am starken Ersatzkeeper Daniel Batz im Mainzer Tor. "Gerade in der ersten Halbzeit brauchten wir unseren Torwart, der uns klar im Spiel gehalten hat", analysierte Coach Fischer. Batz selbst wollte seine Leistung nicht zu hoch hängen: "Ich versuche, einfach meine Leistung zu bringen", sagte er im ARD-Interview. "Ich habe leider noch keinen Sieg in der Bundesliga. Heute waren wir knapp dran. Aber wir probieren es weiter. Mit dem Punkt können wir gut leben."
Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatte die hocheffizienten Gäste aus Mainz durch Kacper Potulski (45.+1) den Ausgleich erzielte. Nach einem Freistoß von William Bøving köpfte der Pole freistehend zum Ausgleich ein. Der erste Treffer des 18-jährigen Verteidigers in seinem zweiten Bundesliga-Spiel. Die Rheinhessen konnten mit dem Remis zur Paus hochzufrieden sein. Trainer Fischer: "In der ersten Hälfte waren wir zu hektisch und konnten den Ball nicht behaupten. In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht."
Doch auch im zweiten Durchgang waren es die Bayern, die hochkarätige Chancen vergaben. Stattdessen schlug Mainz durch Jae-Sung Lee (67.) gegen die unsortierte Bayern-Defensive noch einmal eiskalt zu. Stefan Bell hatte einen hervorragenden Flugball geschlagen, den Stanisic nicht abfangen kann. Lee erwischte die Kugel mit dem Kopf und setzte diese präzise ins Eck. "Wir sind im Laufe des Spiels selbstbewusster geworden", stellte Bell angesichts des mutigeren Mainzer Auftritts im zweiten Spielabschnitt fest. Ohne Kanes Elfmeterstärke (87.) wäre die Münchner Liga-Serie ohne Niederlage beendet gewesen.
Am Donnerstag geht es für Mainz bereits international weiter
Im Gegensatz zu den Münchnern, die am nächsten Sonntag beim Tabellen-17. Heidenheim gastieren (17.30 Uhr), sind die Mainzer vor ihrem nächsten Ligaspiel gegen St. Pauli (Sonntag, 15.30 Uhr) nochmals international gefordert. Am Donnerstag empfangen die Rheinhessen Samsunspor in der Conference League (21 Uhr).
Das Tabellen-Schlusslicht geht diese nächsten Aufgaben nach den Münchner Erfahrungen voller Zuversicht an. Daniel Batz meint: "Die Art und Weise sollte uns Mut geben für die verbleibenden 20 Saisonspiele." Und Stefan Bell ergänzte: "Urs Fischer hat einen anderen Ansatz als Bo. Wir versuchen, uns an einer guten taktischen Marschroute festzuhalten." Dann spricht er aus, was er letztlich meint: "Wir müssen weniger Tore bekommen."