Deniz Undav hat seinen ursprünglich bis 2027 datierten Vertrag vorzeitig verlängert. Der neue Kontrakt soll bis 2029 laufen und zudem die Option auf ein weiteres gemeinsames Jahr beinhalten. Die Schwaben lassen sich das Ja-Wort des Nationalstürmers demnach einiges kosten: Leistungsabhängig soll Undavs Salär künftig bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr betragen, für die Vertragsunterschrift soll der 29-Jährige alleine mehrere Millionen Euro als "Signing Fee" erhalten haben.
Droht dem VfB Stuttgart eine erneute "Champions-League-Falle"?
Sehr viel Geld. Summen, die bei Einigen, die es mit den Brustringträgern halten, ein flaues Gefühl verursachen. Der Verein aus Bad Cannstatt ist nämlich durch seine Vergangenheit ein "gebranntes Kind", der Klub tappte bereits mehrfach in die sogenannte "Champions-League-Falle". Damit ist der Teufelskreis gemeint, dass die eigenen Spieler durch sportlichen Erfolg Begehrlichkeiten bei anderen Klubs wecken. Um das kickende Personal langfristig zu binden, gibt es neue Verträge zu deutlich höheren Konditionen. Bleibt der sportliche Erfolg dann aber aus, sind die Kosten weiter hoch, weil der Kader auf internationale Wettbewerbe und die daraus resultierenden Einnahmen ausgerichtet ist.
Erinnerungen an Yildiray Bastürk und Krassimir Balakov
In diese "Champions-League-Falle" ist der VfB Stuttgart bereits mehrfach getappt, etwa nach der Deutschen Meisterschaft 2007. Die etwas älteren Anhänger werden sich zudem an die exorbitanten Verträge etwa von Yildiray Bastürk oder Krassimir Balakov (bei dem aber auch immer die sportliche Gegenleistung stimmte) erinnern, die dem Verein jahrelang wie Blei an den Beinen hingen.
Ich muss zugeben: Auch ich finde sechs Millionen Euro pro Jahr für einen bereits 29-jährigen Spieler eine echte Hausnummer. Für den VfB bedeutet die kolportierte Summe ein Rekordgehalt, eine neue Dimension. Zumal Undav im Juli 30 Jahre alt wird. Dennoch finde ich: Wenn ein Stuttgarter Profi ein solches Gehalt verdient hat, dann Undav.
Deniz Undav ist ein Gesicht des Stuttgarter Aufschwungs
Aus sportlichen Gründen, weil der Angreifer eine überragende Saison gespielt hat. 39 Torbeteiligungen in 46 Pflichtspielen sprechen für sich. 19 Bundesliga-Treffer auch. Es gab schon VfB-Profis, die mit weniger Buden Bundesliga-Torschützenkönig geworden sind.
Undav liefert seit drei Jahren fast durchgehend konstant. Der Stürmer mit den kurdischen Wurzeln ist für mich ein Gesicht des Stuttgarter Aufschwungs. Vizemeisterschaft 2024, DFB-Pokal-Sieg 2025 sowie die Champions-League-Qualifikation 2026 sind untrennbar mit dem 29-Jährigen verbunden. Ich glaube zudem, dass er noch einige gute Jahre im Tank hat, da er erst relativ spät Profi wurde. Erst recht, wenn er weiterhin seine "hybride" Rolle als Neuneinhalb oder als Zehner einnehmen wird.
Rolle als "Everybodys Darling"
Undav ist für mich nicht nur auf dem Platz ein Faktor, sondern längst auch ein Aushängeschild des VfB Stuttgart. Der Angreifer ist authentischer Sympathieträger und Identifikationsfigur für die Fans. Er wird als Führungskraft in der Kabine akzeptiert, ist "Commander" auch ohne Kapitänsbinde. Die Sunnyboy-Attitüde als "Everybodys Darling" hat der Nationalspieler nahezu perfektioniert. Er ist eine Art Markenbotschafter neben seiner Rolle als aktiver Profi.
DFB-Team VfB-Torjäger Deniz Undav in der Müller-Rolle beim DFB? "Sehr guter Vergleich"
"Radio Müller" spielt längst nicht mehr für die Fußball-Nationalmannschaft. Der Stuttgarter Deniz Undav übernimmt die Rolle des Stimmungsmachers von Thomas Müller nur zu gern.
Alles "soft skills", die Undav wertvoll für den VfB Stuttgart machen. Der schwäbische Traditionsklub profitiert auch abseits des Rasens enorm von seinem so nahbaren Star. In Verbindung mit seinen sportlichen Qualitäten rechtfertigt er für mich das hohe Salär.
Die Alternative zu Verlängerung und deutlicher Gehaltserhöhung wäre gewesen, den Stürmer in diesem Sommer oder spätestens nach der kommenden Spielzeit zu verlieren - dann ablösefrei. Das wäre finanziell ein "worst case" gewesen - schließlich soll der VfB im Sommer 2024 knapp 27 Millionen Euro für Undav an Brighton gezahlt haben. Ein Ersatz wäre zudem wahrscheinlich insgesamt im Paket so kostspielig wie die Verlängerung geworden. Und im Falle eines Abgangs hätten die Fans wohl die Mercedesstraße 109 abgerissen.
Aus vielen Gründen ist die Verlängerung des Kontrakts für mich daher alternativlos. Undav hat sich den neuen Kontrakt erarbeitet - Leistung lohnt sich. Zumal das genannte Gehalt nur bei entsprechenden Leistungen, sowohl mit der Mannschaft als auch individuell, in voller Höhe erreicht werden kann. Das beruhigt mich etwas. Aber eigentlich bin ich mir ohnehin sicher, dass Undav sein Salär rechtfertigen wird.