Ein Jahr DFB-Kinderfußball-Reform

"Funino" und viele Tore: Der neue Kinderfußball - Top oder Flop?

Der Kinderfußball hat sich stark verändert. Das Ziel: Die ganz Kleinen sollen mehr Spaß und mehr Ballkontakte haben. Rund ein Jahr nach der Reform: Wie kommt das neue Spiel an?

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Von Autor/in David Zastrow

Kleine Teams, viele Tore: Im Kinderfußball hat sich auch in Baden-Württemberg viel getan. Die Jüngsten spielen nun drei gegen drei - teils sogar auf vier Tore - statt wie früher sieben gegen sieben. Ziel ist mehr Spaß und Spielpraxis für alle. Seit der vergangenen Saison ist das neue Konzept bundesweit Pflicht - so die Vorgabe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Anfangs gab es heftige Kritik, vor allem wegen fehlender Ergebnisse und Tabellen. Ein Jahr später stellt sich die Frage: Wie kommt das neue System bei Kinder, Eltern und Trainern an?

Strahlende Kinderaugen: Die 4- bis 9-Jährigen der G- und F-Jugend rennen zur Championsleague-Hymne auf den saftig grünen Rasen und freuen sich auf einen Fußball-Vormittag beim FC Freiburg St. Georgen.

"Eintracht vor, schieß ein Tor!" schreien die Kinder der SF Eintracht Freiburg im Kreis. Der Fußball-Nachwuchs hat richtig Lust. Insgesamt fünf Vereine aus der Region treffen sich zum Spieltag. Mehrere Mannschaften spielen zeitgleich auf kleinen Spielfeldern. Das ist neu. Hinter der Bande ist es voll: Die Eltern schauen zu.

Neuer Kinderfußball: Spaß soll im Mittelpunkt stehen

Statt sieben gegen sieben spielen die Kinder jetzt drei gegen drei. Bedeutet: Die Kinder haben deutlich mehr Ballkontakte. "Wenn ich so an meine eigene F-Jugend Zeit zurückdenke, wo wir sieben gegen sieben gespielt haben und vielleicht zwei Kinder eingebunden waren, die anderen haben Blumen gepflückt. Jetzt sind alle Kinder mittendrin und sind auch wirklich am Ball: megagut", sagt Tobias Barth, Leiter der Abteilung Kinderfußball beim Südbadischen Fußballverband (SBFV).

In der F-Jugend (Kinder ab sieben Jahren) wird im Wechsel auf zwei verschiedenen Feldern gespielt. Auf etwas größeren Feldern mit je zwei Jugendtoren. Und auf kleinen Feldern mit jeweils sogar vier Toren - das sogenannte Funino.

Das zwingt die Kinder zur ständigen Neuorientierung und fördert das räumliche Denken. "Die Kinder spielen normalerweise zentral, da wo das Tor ist. Und jetzt stellen wir auf einmal die Tore außen hin. Das heißt, sie müssen das Spiel verändern“, erklärt SBFV-Experte Barth die Idee dahinter.

Da passiert unheimlich viel im Kopf von den Kindern. Wir schaffen es früh, dass sie sich nach außen entwickeln. Wenn die Kinder wahrnehmen, 'da ist ja noch ein Tor, das ist offen', dann passiert halt etwas.

Kinder beim Fußballspiel auf kleine Tore, ähnlich wie beim Eishockey
Die Kinder spielen nun teilweise auch auf vier kleine Tore an Spieltagen mit mehreren Vereinen. David Zastrow

Für die Kinder selbst sind die Regeln oft zweitrangig, wie Trainerin Sara Wolz von der SF Eintracht Freiburg feststellt: "Denen ist es im Endeffekt auch egal, wie groß die Tore sind, ob es Stangentore sind, Hütle-Tore oder normale Tore." Und: Tor ist Tor.

Eltern sehen weniger Druck, Kritiker vermissen Wettbewerb

Das Motto: "Erlebnis statt Ergebnis". Offizielle Resultate, Tabellen und Meisterschaften gibt es für die jüngsten Altersklassen nicht mehr. Dafür hagelte es zu Reform-Beginn Kritik. Fußball sei ein Wettbewerb. Ohne Verlierer und Gewinner bekomme man ja keine Siegertypen.

Doch die Mütter und Väter haben sich offenbar an das neue Konzept gewöhnt: "Es sind eher die Eltern, die den Wettbewerbsgedanken in die Spiele reintragen wollen", meint ein Vater, der hinter dem Grill ehrenamtlich Würste brät. Ein weiterer Vater mit Säugling auf dem Arm sagt: "Die Kinder spielen jetzt mehr, schießen mehr aufs Tor, haben mehr Erfolgserlebnisse. Ich glaube, das ist ganz wichtig." Eine Mutter, umringt von kleinen Jungs im blauen Trikot, sagt: "Ich finde das wirklich gut. Ich glaube, dass der Wettbewerb auch Druck machen kann und die Kinder sind ja eh gerade erst dabei, sich zu finden."

Spieltage bringen Geld in die Vereinskassen

Neben dem Platz: Ein kleines Mädchen beißt in eine Bratwurst. Ein Junge trinkt seine Apfelschorle in einem Zug halbleer. Ein Papa schlürft am Kaffee. Die neuen Spieltage bringen den Vereinen durch die vielen teilnehmenden Mannschaften zahlreiche Gäste und damit auch finanzielle Vorteile. Durch die Bewirtung der hungrigen Kinder und durstigen Eltern spült der Spielbetrieb ordentlich Geld in die Jugendkassen, das wiederum für Bälle, Tore, Stangen und Hütchen ausgegeben wird.

Kinderfußball
Mit einer Bewirtung an Spieltagen lässt sich Geld für die Jugendmannschaften im Verein einnehmen. David Zastrow

Die Kinder sind überzeugt: "Es geht darum, dass man Spaß hat"

Die Kinder selbst haben das Konzept längst angenommen. Ihre Begeisterung ist an den Funino-Spieltagen überall spürbar. Ein Junge im weißen Trikot sagt: "Ich finde das Funino immer noch richtig cool, weil man kann freier spielen." Ein Mädchen ergänzt: "Mir macht es am meisten Spaß, dass wir auf zwei Tore spielen und nicht immer nur auf eins." Ein anderer Junge meint: "Es geht darum, dass man Spaß hat", und ein vierter bemerkt: "Dann können wir vor dem Tor gleich so rüberpassen und das finde ich halt geil."

Nach der heftigen Kritik zu Reform-Beginn scheinen die meisten Beteiligten nun zufrieden. Die Kinder auf dem Platz des FC Freiburg St. Georgen sowieso.

Kinderfußball
Mehrere Vereine kommen zum Spieltag. Jedes Team ist mal Gastgeber. Heute der FC Freiburg St. Georgen. David Zastrow

Die wichtigsten Neuerungen im Kinderfußball

Die DFB-Reform zielt darauf ab, den Fußball kindgerechter zu gestalten, den Spaß zu erhöhen und die individuelle Entwicklung jedes Spielers zu fördern.

  • Kleinere Teams: Statt 7 gegen 7 wird in G- und F-Jugend meist im 3 gegen 3 gespielt, um die Ballkontakte für jedes Kind zu maximieren.
  • Kein Leistungsdruck: Es gibt in der G- und F-Jugend keine Tabellen, keine Meisterschaften und keine offiziellen Ergebnisse.
  • Spielmodus (F-Jugend): Die Kinder spielen im Wechsel auf zwei unterschiedlichen Spielfeldern: Eine Halbzeit auf größere Felder mit zwei Jugendtoren. Die andere Hälfte auf kleine Felder mit vier Minitoren (Funino).
  • Rotation: Es wird innerhalb der Mannschaft häufig durchgewechselt, damit jedes Kind viel Spielzeit und Ballkontakte bekommt.
  • Spieltage: Statt Einzelspielen finden Spieltage mit mehreren Vereinen statt.
  • In der E-Jugend wird die Anzahl der Spieler und die Berücksichtigung der Leistungen und Ergebnisse dann leicht erhöht.
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David Zastrow
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