Fußball | Bundesliga

Rivalenduell VfB - BVB: Last-Minute-Silas, der tanzende Undav und fliegende Klappstühle

Sieben Spiele und knapp drei Jahre war der VfB Stuttgart gegen den Borussia Dortmund ungeschlagen - bis der VfB im April sein bis dato einziges Heimspiel 2026 verlor. Die Rivalität hatte in jüngster Vergangenheit einiges zu bieten. Ein Rückblick.

Teilen

Stand

Von Autor/in Michael Bollenbacher

Schon 2012 kam dieses Duell mit einem Happening daher, auf das (vor allem) VfB-Fans noch heute mit glänzenden Augen zurückblicken: In einer rastlosen Partie mit wechselnden Führungen, zwei Toren von Julian Schieber und einem schon verloren geglaubten Spiel setzte der heutige VfB-Sportdirektor Christian Gentner dem Wahnsinn die Krone auf und traf in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum 4:4-Endstand.

In jüngster Vergangenheit wuchs die Brisanz und Rivalität vor allem durch die Wechsel von Serhou Guirassy und dem bis zum letzten Duell noch immer mit gellenden Pfiffen bedachte Waldemar Anton - aber auch durch die sportliche Entwicklung des VfB Stuttgart. Stuttgart, das betonte VfB-Coach Sebastian Hoeneß in der Pressekonferenz vor dem Duell am 4. Spieltag (Samstag, 18:30 Uhr) nochmal, ist in den vergangenen Jahren "immer näher gekommen". So nah, dass manche BVB-Fans zwischendurch Stuttgart gefühlt als Angstgegner gesehen haben dürften, gewann der VfB doch sechs Duelle am Stück. Ein Rückblick auf außergewöhnliche Partien:

15.04.2023: Silas trifft den BVB mitten ins Herz

Am 15. April 2023, dem dritten Spiel von Sebastian Hoeneß als VfB-Trainer, schoss der Mann mit dem schönen Namen Silas Katompa Mvumpa das wichtige Last-Minute-Tor zum 3:3-Endstand. Wichtig, weil der VfB zu diesem Zeitpunkt mitten im Abstiegskampf steckte und erstaunlich, weil die Stuttgarter ab der 39. Minute nach einer Gelb-Roten Karte gegen Dinos Mavropanos in Unterzahl spielten. Als Giovanni Reyna 90. + 2 zum 3:2 für den BVB traf, glaubte wohl kaum ein Fan noch an den späten Schlussgong von Silas. Doch der bekam den Ball von der rechten Seite an den Elfmeterpunkt serviert, und nagelte ihn nach kurzer Annahme saftig mit links ins rechte Eck. BVB-Coach Edin Terzic traute seinen Augen nicht, die Cannstatter Kurve hinter dem BVB Tor pulsierte. Das späte 3:3 brachte erneut den Beweis: Dieses Duell hat eben das Potenzial für Hochpuls-Partien.

11.11.2023: Es braucht Guirassy vom Elfmeterpunkt

Am 11. Spieltag, der passenderweise auf den 11.11. fiel, nahm die muntere Fahrt des VfB Stuttgart Richtung Vizemeisterschaft noch ein bisschen mehr Schwung auf: In einer Partie, in der die Spieldaten einen unglaublichen Wert von 4,22 xGoals ausspuckten und die Gastgeber im Stuttgarter Stadion hochüberlegen waren, brauchte es allerdings erst die Einwechslung von Serhou Guirassy. Der Topstürmer war zuvor 19 Tage mit einer Oberschenkelverletzung außen vor und trat 16 Minuten nach seiner Einwechslung zum Elfmeter an: präzise schoss er links unten ein, Gregor Kobel flog vergeblich, Guirassy hatte am 11. Spieltag sein 15. Tor erzielt. Ein mehr als verdienter Comeback-Sieg, bei dem Niclas Füllkrug den BVB nach 36 Minuten in Führung geschossen hatte, die Deniz Undav nach 42 Minuten noch vor der Pause zum 1:1 ausgleichen konnte. Nach elf Minuten hatte Chris Führich bereits einen Elfmeter verschossen. Zum Glück aus VfB-Sicht lieferte Guirassy mal wieder ab - wie so häufig in der Vizemeister-Saison.

22.11.2025: Undavs kurdischer Tanz um die Eckfahne

Völlig zurecht bekam Deniz Undav nach seiner Gala-Vorstellung gegen den BVB die Kicker-Note 1,0 verliehen. Per genialem Drehschuss, bei dem er Nico Schlotterbeck wie einen Schuljungen aussehen ließ, streichelte der VfB-Stürmer den Ball butterweich neben den linken Pfosten. Gregor Kobel konnte dem Ball nur fassungslos-staunend hinterherblicken. Das 1:2 hatte Undav artistisch mit dem Rücken zum Tor und ausgestrecktem Bein besorgt, beim 2:2 nach 71 Minuten war Undav nach einem Mittelstädt-Kopfball im Fünfmeter-Raum geistesgegenwärtig zur Stelle und legte den Ball volley halbhoch an Kobel vorbei. Adeyemis vermeintlicher Siegtreffer nach 89 Minuten behielt das Prädikat "vermeintlich" und war nur der vorläufige Höhepunkt. Den setzte Undav, der sich nach dem 3:3 auf Richtung BVB-Eckfahne machte und rund um diese seinen kurdischen Tanz (Hände hinter dem Rücken, Oberkörper wippend) aufführte. Dortmunds Anhänger fassten dies als Provokation auf.

Kaiserslautern, Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim, Mainz, Heidenheim

SWR Sport | Am 20. September ausnahmsweise ab 21.55 Uhr SWR Sport mit Fabian Bredlow nach Stuttgart gegen Dortmund

Zwischen Druck, Konkurrenz und großen Träumen: Fabian Bredlow spricht über seinen Kampf um die Nummer eins - und was ihn antreibt.

SWR Sport SWR

04.04.2026: Der Cannstatter Klappstuhl-Wurf

Möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass die VfB-Fanwut auf Karim Adeyemi kleiner gewesen wäre, hätten die Stuttgarter Anhänger damals gewusst, dass der pfeilschnelle Flügelspieler im September 2026 die spanische Liga ver- und mit Lamine Yamal um die Wette zaubert. Ein knappes halbes Jahr zuvor zog Adeyemi in der Nachspielzeit den Zorn der VfB-Fans auf sich, als er nach einem eiskalten Abschluss die bis dahin recht harmlose Borussia doch noch zum Sieg schoss. Einem energischen Jubelsprung vor der Cannstatter Kurve folgte eine Rudelbildung auf dem Platz und zahlreiche Klappstuhlwürfe wütender Ultras, die teils von der Ballustrade sprangen. Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, setzte Julian Brandt den Deckel drauf. 2:0 für den BVB, der letzte Gong des Rivalen-Clashs zwischen den beiden Traditionsklubs. Fortsetzung folgt...

Das Stuttgarter Räumkommando namens Bilal El Khannouss
Das Stuttgarter Räumkommando namens Bilal El Khannouss imago/RHR-Foto
Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Michael Bollenbacher