Über einer der ältesten Städte Portugals, der früheren römischen Provinzhauptstadt Braga, thront das Estádio Municipal de Braga. Das für die Europameisterschaft 2004 in das Felsmassiv "Monte Castro" zementierte Stadion ist Heimat des "Sporting Clube de Braga" - Freiburgs Gegner im Europa-League-Halbfinale.
Es ist ein architektonisches Meisterwerk: Die zwei hohen Tribünen werden durch 80 Stahlseile, die quer über das gesamte Spielfeld gespannt sind, gehalten und bieten Platz für 30.286 Zuschauer. Kurz hinter dem Tor ragt die Felswand auf und an ihr hängt die Video-Tafel.
In Europa noch dabei, in der Liga stabil
Der SC Braga kommt aus zwei wichtigen Spielen in der Liga und einer wilden Aufholjagd im Europa-League-Viertelfinale.
Gegen den spanischen Erstligisten Betis Sevilla muss nach dem Unentschieden im Hinspiel für das Weiterkommen ein Sieg her. Auswärts in Sevilla geraten die Portugiesen durch zwei frühe Tore direkt in Rückstand, dann aber übernehmen die "Kämpfer aus Minho" - ein Spitzname, der auf die historische Provinz Minho zurückzuführen ist - die Kontrolle. Sie beweisen damit, warum sie in dieser Saison erst zehn von 54 Spielen verloren haben. Zum Vergleich der SC Freiburg steht bei 13 aus 46.
Am Ende gewinnt Braga mit 4:2 und feiert mit den mitgereisten Fans ausgiebig den Einzug ins Halbfinale. Der wichtigste Mann an diesem Abend ist Kapitän Ricardo Horta. Ein Tor und eine Vorlage machen den Linksaußen mit neun Scorerpunkten zum Top-Scorer der aktuellen Europa-League-Saison.
In der Liga verteidigt das Team von Trainer Carlos Vicens souverän den vierten Tabellenplatz, nach oben geht allerdings auch nichts mehr.
Das Spielsystem unter Guardiola-Lehrling Vicens
Zum ersten Mal seit 23 Jahren übernahm mit Carlos Vicens wieder ein Spanier den portugiesischen Klub. Sein Amtsantritt im Juli 2025 sorgte für Diskussionen, seine Vita allerdings ließ die Kritiker schnell verstummen. Vier Jahre war er Co-Trainer unter Pep Guardiola bei Manchester City und gewann dort unter anderem die Champions League. Sein Spielstil erinnert unweigerlich an die Schule des großen Star-Trainers.
Ich priorisiere Ballbesitz und schnell Druck zu machen, um den Ball früh zurückzuerobern. Grundtugenden, die ich nach meinem Wechsel von Manchester hierher beibehalten habe, aber es wird keine Kopie des Systems.
Seit Anfang der Saison setzt Vicens auf ballbesitzorientierten Fußball (durchschnittlich 63% in der Liga) und eine klare Dreierkette. Diese hatte sich über die Saison gefunden, für das Spiel gegen Freiburg fallen aller Voraussicht nach jedoch gleich zwei Leistungsträger aus - so auch der deutsche U21-Nationalspieler Bright Arrey-Mbi.
Zwei Leistungsträger kamen aus Deutschland zu Braga
Bright Arrey-Mbi wechselte 2024 von Hannover 96 zu Braga und machte sich dort in dieser Saison zum Stamm-Innenverteidiger. Im Spiel gegen Betis Sevilla muss der 23-Jährige allerdings früh verletzt ausgewechselt werden - verpasst erstmals Spielzeit in der Europa League.
Auch der Denker und Lenker im offensiven Mittelfeld ist ein Bekannter aus der Bundesliga. Rodrigo Zalazar hat bei seinen bisherigen Stationen in Deutschland bei Eintracht Frankfurt, St. Pauli und Schalke 04, ein Spiel gegen den SC Freiburg bestritten. Mit Schalke verlor er in der Saison 22/23 klar mit 4:0 im Breisgau - vielleicht ein gutes Omen für den SC?
Bei guten Omen ist jedoch Vorsicht geboten, denn die Gesamtbilanz des Klubs gegen Deutsche Teams kann sich sehen lassen - Braga gewann in der jüngeren Vergangenheit fünf aus sieben Spielen und auch Zalazars Leistungen sind mit damals nicht zu vergleichen.
Der Uruguayer ist mit 16 Toren und vier Vorlagen zum Top-Scorer Bragas in der portugiesischen Liga aufgestiegen. Sein Marktwert ist von vier auf 22 Millionen Euro (Transfermarkt.de) in die Höhe geschnellt.