"Wir. Der SC Freiburg. Im Europa-League-Finale. Das hört sich einfach surreal an", sagte Nicolas Höfler nach dem 3:1-Sieg im Halbfinale-Rückspiel gegen Sporting Braga. "Ein unglaublicher Abend. Das Best-Case Szenario", sagte Lukas Kübler, der den SC Freiburg mit einem Doppelpack (19. & 72.) ins Finale geschossen hat. "Eines reicht irgendwie nicht." Und nach dem Abpfiff war alles nur noch Freudentaumel: "Ich konnte gar nicht so viel nachdenken, weil auf einmal so eine riesen Welle an weißen Jungs auf mich zurollte."
SC Freiburg hat die Wut nach dem Hinspiel in Energie umgewandelt
Der SC Freiburg hat gekocht. Seit Tagen. Das fing schon nach dem Hinspiel an, mit der Zuversicht, die Igor Matanovic und Trainer Julian Schuster trotz des 1:2 in Braga unmittelbar nach Abpfiff vor sich hertrugen. Die Euphorie, die am Tag des Spiels durch den Breisgau wehte, die Choreo vor dem Anpfiff, die dem grandiosen Kick die Bühne bereitete und den friedlichen Platzsturm nach Abpfiff atmosphärisch vorwegnahm. "Es war schön mit den Fans, die waren auch heute unglaublich", sagte Kübler. "Es war so laut die ganze Zeit. Und die haben uns echt krass gepusht. Großes Lob, sehr groß."
Und Freiburg hat serviert: "Du musst nur eins schießen, dann bist du schon wieder drin", hatte Matanovic vor dem Spiel gesagt. Dann ist es auch völlig egal, dass Küblers 1:0 irgendso ein angeschossenes Knie-Schienbein-Pike-Ding war. "Ich glaube, der wusste selber nicht, wie er den reingekriegt hat", amüsierte sich Höfler. "Darüber spricht in zwei Tagen keiner mehr", entgegnete der Torschütze. "Daher ist das völlig egal."
Nur der SC Freiburg hatte Lukas Kübler auf dem Zettel
Dass Julian Schuster den 33-Jährigen, der von Anfang Januar bis Mitte März mit einer Knieverletzung ausfiel und danach eher behutsam wieder an das Team herangeführt wurde, in dem wichtigsten Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte in die Startelf beordert hatte, darf schon als Schachzug gewertet werden. Den hatten so nicht viele auf dem Zettel.
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Aber "wir wissen um gewisse Qualität in der Box. Da ist er brutal gefährlich", sagte Höfler. Auch bei Freistößen. "Ich weiß nicht, ob die Gegner ihn aufgrund seiner Größe immer unterschätzen? Kann schon sein." Höfler war jedoch nicht überrascht, als der 1,82 Meter kleine Kübler plötzlich in der Luft stand und den Ball über Sporting-Keeper Lukas Hornicek hinweg ins Tor köpfte: "Ich habe es auch schon oft genug gesehen." Schon zuvor hatte Johann Manzambi Torwart Hornicek und Sporting Braga mit einem Schlenzer aus etwa 20 Metern überrascht (41.).
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Atubolu, ausgerechnet Noah Atubolu
Dass Pau Victor das Spiel in der 79. Minute noch einmal spannend machte, rief Noah Atubolu auf den Plan. Der Freiburger Keeper konnte seinen Fehler wiedergutmachen. Er hatte den Ball in der letzten Sekunde des Hinspiels vor die Füße von Mario Dorgeles abgewehrt und den SC Freiburg damit fürs Rückspiel unter Druck gesetzt. Erst wischte er den Ball von Jean-Baptiste Gorby über die Latte (88.), dann holte er den Schlenzer von Gabri Martinez aus dem Winkel (90.+6).
"Wenn ich mir die letzten zehn Minuten anschaue, was dieser Typ schon wieder macht, wie er uns im Spiel hält", sagte Igor Matanovic bei RTL. "Es ist schön, wenn du vorne so viel arbeitest und du hinten noch so eine Katze drin hast. Ich bin mir sicher, dass wir ohne ihn nicht im Finale wären." Oder wie Maximilian Eggestein sagte: "In besonderen Spielen schreiben besondere Spieler besondere Geschichten." Nun kann Freiburg genießen.
SC Freiburg freut sich aufs Finale
Doch das nächste Menü ist schon auf dem Zettel. Die Vorfreude ist riesig: auf den 20. Mai, auf das Finale in Istanbul und auf einen würdigen Gegner: "Aston Villa, brutale Mannschaft", sagte Kübler. "Es wird hoffentlich ein geiles Spiel." Und Eggestein hat schon wieder etwas auf dem Herd: "Es ist unser zweites Finale in den letzten Jahren. Das letzte haben wir verloren." Er denkt dabei an 2022, an das 2:4 (im Elfmeterschießen) im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. "Jetzt wollen wir das natürlich gewinnen. Wir wissen, dass Aston Villa ein sehr starker Gegner ist und sich [Trainer] Unay Emery in Finals sehr gut auskennt. Aber es ist ein Spiel, das haben wir uns verdient. Und jetzt wollen wir auch den Titel gewinnen."