Julian Schuster wirkte noch sichtlich angefasst auf der Pressekonferenz nach dem Europa-League-Finale in Istanbul. Der Trainer des SC Freiburg versuchte zu erklären, warum seine Mannschaft gegen Aston Villa letztlich weitgehend chancenlos geblieben war und deutlich mit 0:3 verloren hatte.
Ein hartes Ergebnis, befand der frühere Profi. Denn der Matchplan, den er seinem Team mit auf den Weg gegeben hatte, sei eigentlich lange Zeit gut aufgegangen. "Es war zunächst genau das Spiel, das wir erwartet hatten. Beide Mannschaften haben unglaublich viel investiert, es war sehr umkämpft. Beide Teams haben kaum etwas zugelassen", analysierte Schuster.
Eine Standardsituation lässt das Spiel kippen
"Bei solch einem Spielverlauf spielen Standardsituationen dann eine entscheidende Rolle. Wir hatten nach einem Freistoß die erste große Chance des Spiels (durch "Chicco" Höfler; Anm. d. Red.). Aston Villa nutzt dann eine Standardsituation und wir geraten kurz vor der Halbzeitpause in Rückstand."
Aston Villa mit zwei Traumtoren kurz vor der Pause
Schuster spielte auf das 0:1 durch einen sehenswerten Volleyschuss von Youri Tielemans (41. Minute) an. Eine einstudierte Eckballvariante, die das Momentum im bis dahin ausgeglichenen Finale kippen ließ. Dass der Sport-Club durch einen nahezu perfekten Schlenzer von Emiliano Buendia (45.+3) noch vor der Pause mit 0:2 in Rückstand geriet, war angesichts der individuellen Klasse der Engländer bereits so etwas wie die Vorentscheidung. Spätestens als Morgan Rogers (58.) den 3:0-Endstand zugunsten der Engländer im "Tüpras Stadyumu", dem Stadion von Besiktas Istanbul, erzielte war klar: Aston Villa war an diesem Abend eine Nummer zu groß für den SC Freiburg.
Finale der Europa League Aston Villas Doppelschlag lässt den großen Traum des SC Freiburg platzen
Der SC Freiburg schlägt sich im bislang größten Spiel seiner Vereinsgeschichte 40 Minuten lang wacker, der Traum vom Titel aber platzt: Die Breisgauer unterliegen in Istanbul im Finale der Europa League gegen Aston Villa.
Julian Schuster: "Kein optimaler Spielverlauf"
"Du brauchst einen optimalen Spielverlauf, um gegen Aston Villa gewinnen zu können. Der war nicht da", urteilte Schuster lapidar. "Bis zu den zwei herben Rückschlägen vor der Halbzeitpause haben die Jungs den Plan sehr gut umgesetzt, vor allem in der Arbeit gegen den Ball." Tatsächlich machten die Breisgauer dem favorisierten Premier-League-Klub das Leben äußerst schwer. Der SC agierte defensiv strukturiert und engmaschig, zeigte ein starkes Rückzugsverhalten nach Ballverlusten und ließ so kaum etwas zu - bis eben die Traumtore für Aston Villa kamen.
Statistik spricht für Aston Villa
Die Engländer hätten in der zweiten Halbzeit mit der Führung im Rücken dann "sehr abgezockt und abgeklärt" gespielt, so Schuster weiter. "Sie haben auch nur wenig zugelassen." Dies belegt auch die Statistik. Diese wies 17:4 Torschüsse sowie 2,11:0,27 xGoals zugunsten Aston Villas auf. Die individuelle Klasse der Engländer war einfach sehr groß - und sie machte den Unterschied.
Europa-League-Finale Traurige Europa-Helden - Der SC Freiburg in der Einzelkritik
Der SC Freiburg hat den Titel in der Europa League verpasst. Im Finale von Istanbul war Aston Villa zu stark. Der Sport-Club in der Einzelkritik.
Matthias Ginter: "Das war fast schon Bayern-Niveau"
"Wir haben verdient verloren", urteilte auch Matthias Ginter im Gespräch mit SWR Sport. "Es hat ein bisschen was gefehlt. Der Gegner hatte fast schon Bayern-Niveau. Sie sind nicht umsonst Vierter in der Premier League geworden. Wir haben es nicht geschafft, ihre Qualitäten einzudämmen. Auch wenn wir alles versucht haben. Aber für uns hätte alles passen müssen, um als Außenseiter eine Überraschung zu schaffen."
Es hat nicht gereicht - aber der SC Freiburg muss sich nicht grämen. Schon das Erreichen des Endspiels war ein Riesenerfolg, einer der größten Tage der Vereinsgeschichte. Was bleibt ansonsten von diesem Finale? Es war das letzte Profispiel der Klub-Ikone Höfler. Der 36-Jährige hört auf, nicht auszudenken, wenn der Routinier bei seiner Gelegenheit in der ersten Halbzeit tatsächlich getroffen hätte. Was hätte das für ein Abschied sein können? So wurde es "nur" die Medaille für die Finalteilnahme.
War das Finale auch für Noah Atubolu der letzte SC-Einsatz?
Am Abend des Endspiels kursierten zudem übereinstimmende Medienberichte, dass der Sport-Club Torwart Mio Backhaus von Werder Bremen verpflichten werde. Rund 15 Millionen Euro sollen die Hanseaten für das Torwart-Talent aufrufen. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass die Freiburger Nummer eins Noah Atubolu den Klub im Sommer verlassen wird. Auch für das Eigengewächs wäre das Finale in Istanbul somit der letzte Einsatz für den Sport-Club gewesen. Für Atubolu soll es vor allem in der Premier League Interessenten geben.
SC Freiburg spielt nächstes Jahr in der Conference League
Mit welchem Personal auch immer: Die Breisgauer spielen dank Platz sieben in der Bundesliga auch in der kommenden Spielzeit wieder international. Dann wird der Sport-Club in der Conference League an den Start gehen - und dort nach der diesjährigen "Europa-Reise" sicherlich zu den Favoriten gehören.
Diese Tatsache ist ein Trost für die Breisgauer, wenn vielleicht auch nicht bereits unmittelbar nach der Niederlage gegen Aston Villa. Doch am Ende eines langen Abends zeigten sie sich schon wieder kämpferisch. "Klar ist da jetzt die Trauer", sagte Schuster und blickte voraus. "Aus diesen Erfahrungen werden wir aber lernen und uns weiter entwickeln. Wir können einiges mitnehmen und werden dadurch besser werden!"