"Rise & Fall of 1. FC Kaiserslautern"

Stefan Kuntz und seine Zeit als FCK-Boss: Vom Hoffnungsträger zum Gesicht der Krise

Stefan Kuntz kehrte 2008 als Vorstandsvorsitzender zum 1. FC Kaiserslautern zurück, als der Klub am Boden lag. Der frühere Profi wurde zunächst gefeiert wie ein Heilsbringer - doch sein Ende kam vorzeitig. Darüber berichtet die Doku "Rise & Fall of 1. FC Kaiserslautern" ausführlich.

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Es war das Ende einer Ära - und das Aus bei seinem Herzensklub kam vorzeitig: Am 4. April 2016 schied Stefan Kuntz als Vorstandsvorsitzender beim 1. FC Kaiserslautern aus. Eigentlich besagte die im Januar 2016 getroffene Abmachung zwischen Klub und dem früheren Profi, dass sich die Wege erst zum Ende der Saison 2015/2016 trennen werden. Die lapidare Begründung des Klubs für das frühere Aus: Die Beendigung der Zusammenarbeit zum jetzigen Zeitpunkt ermögliche eine frühzeitige Planung für die nächste Spielzeit 2016/2017, gerade auch im sportlichen Bereich.

Der Abgang einer FCK-Ikone

Der Abschied fiel Kuntz sichtlich schwer. Auf der Pressekonferenz, bei der seine vorzeitige Demission bekannt gegeben wurde, versuchte er, sich gefasst zu geben, aber man sah es an seinem gequälten Lächeln: Es schmerzte ihn. Schließlich war der 1. FC Kaiserslautern sein Klub, über den er einst als Spieler sagte: "Ich lebe und ich sterbe für diesen Verein."

Der Klub, mit dem er als Spieler unglaubliche Erfolge feiern durfte. 1990 wurden die Roten Teufel DFB-Pokalsieger, 1991 sensationell Deutscher Meister. 1994 wurde Kuntz im FCK-Dress Torschützenkönig - doch alle einstigen Meriten hatten nun keinen Wert mehr.

Vorstandschef Stefan Kuntz vom 1. FC Kaiserslautern tritt am 04.04.2016 auf einer Pressekonferenz mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurück.
Vorstandschef Stefan Kuntz vom 1. FC Kaiserslautern tritt am 04.04.2016 auf einer Pressekonferenz mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurück. Picture Alliance

Der 1. FC Kaiserslautern lag 2008 am Boden

Dabei hatte alles so gut begonnen. Als Kuntz im April 2008 zum FCK zurückkehrte, war der frühere Profi riesiger Hoffnungsträger und letzte Chance in einem. Als der Anruf des Klubs damals gekommen sei, so Kuntz rückblickend in der SWR-Sport-Doku "Rise &Fall of 1. FC Kaiserslautern", hätte es geheißen: "Der Verein geht den Bach runter und es kann ihn nur noch Einer retten: nämlich Du!"

"Mein Vertrag galt auch für den Fall des Abstiegs"

Kuntz kam in einer schier aussichtlosen Lage. Es war möglicherweise die schwierigste Zeit, die der Verein bis dahin je durchlebt hatte. Der Klub stand zehn Jahre nach dem Sensationstitel von 1998 dicht vor dem erstmaligen Fall in die 3. Liga. Acht Punkte betrug damals der Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz in der 2. Liga. "Mein Vertrag galt auch für den Fall des Abstiegs", so Kuntz rückblickend.

"Hier geht es zur Doku "Rise & Fall of 1. FC Kaiserslautern"

Kaum im Amt rief Kuntz mit seinen Kollegen die Aktion "Lautrer Herzblut" ins Leben. Dadurch sollten Fans, Verantwortliche und Spieler enger zusammenrücken. Es glückte - mit Kuntz kam auch das Fortune zurück - auch wenn es ein wenig dauerte. Erst am 34. Spieltag der Saison 2007/2008 gelang durch ein 3:0 gegen den 1. FC Köln die Rettung, die in der Pfalz wie eine Meisterschaft gefeiert wurde. Der damalige Sieg im legendären "Herzblut-Finale" wirkt bis heute nach und gehört zu den Legenden des Klubs, auch wenn kein Titel geholt, sondern nur ein Absturz vermieden wurde.

"Da haben wir erst gemerkt, welche Energie dieser Klub hat, wenn es gemeinsam in die richtige Richtung geht", so Kuntz rückblickend. "Es folgten fantastische Jahre."

Erst Wiederaufstieg, dann viel Kritik für Stefan Kuntz

Kuntz wirkte - und wie. In der Saison 2009/2010 gelang mit Trainer Marco Kurz die so ersehnte Rückkehr in die Bundesliga. Für Kuntz war dieser Erfolg "ein Erdbeben". Der siebte Platz als Aufsteiger in der ersten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg war das nächste Highlight und schürte weitere Erwartungen und Hoffnungen.

Doch diese wurden enttäuscht - in der Spielzeit 2011/2012 stieg der FCK chancenlos als Letzter ab. Hauptgrund: ein nicht bundesligatauglicher Kader, der vor allem Kuntz angelastet wurde. "Dass die Trefferquote mal hoch ist und mal nicht so hoch - das ist normal", so Kuntz heute, wenn er auf die damalige Zeit schaut. Dennoch: Ab da begann der Stern des gebürtigen Neunkirchners zu sinken.

In den folgenden drei Jahren scheiterte die Mannschaft jeweils relativ knapp am Wiederaufstieg (einmal Relegation, zweimal Vierter). Finanziell wurden durch teure Kader und vor allem die hohe Stadionmiete in dieser Zeit Defizite eingefahren, die den Klub schon in eine leichte Schieflage brachten. Es war klar: Der FCK braucht den Aufstieg auch aus finanziellen Gründen. Stattdessen ging es 2015/2016 Richtung Tabellenkeller. Die Unzufriedenheit mit Kuntz wurde immer größer, nicht nur im Umfeld, auch unter den Fans - letztlich folge die Trennung.

Proteste von Fans beim 1. FC Kaiserslautern gegen Vorstandschef Stefan Kuntz im Jahr 2014.
Proteste von Fans beim 1. FC Kaiserslautern gegen Vorstandschef Stefan Kuntz im Jahr 2014. Jan Hübner

Stefan Kuntz wurde vorgeworfen, ein "Alleinherrscher" zu sein

Für Kuntz, dessen Ansehen Schaden genommen hatte, ging damit "ein Kapitel zu Ende", wie er zu seinem Abschied sagte. Er freue sich trotzdem, "in dem großen FCK-Buch zwei Kapitel geschrieben zu haben, eines als Spieler und eines als Funktionär". Das Happy End zu seinen Passagen fehlte allerdings, nachdem Lautern mehrere Male in Folge das Saisonziel verpasst hatte und es auch wirtschaftlich immer schlechter aussah. Es fehlte an langfristigem Erfolg und auch an einer einheitlichen Philosophie. Kuntz wurde vorgeworfen, ein "Alleinherrscher" zu sein.

Ein letzter Dienst am 1. FC Kaiserslautern

Kuntz wusste um die Kritik an seiner Person. Mit seiner vorzeitigen Demission leistete er seinem Verein einen letzten Dienst. Auch wenn es ihn schmerzte. "Natürlich hätte ich mir hier ein anderes Ende gewünscht", sagte er rückblickend. "Es waren acht intensive Jahre."

2016 begründete er sein Ende als Boss bei den Roten Teufeln noch sehr emotional. Er habe das Gefühl verloren, "beim FCK zum richtigen Zeitpunkt der richtige Mann am richtigen Ort" zu sein.

"Alles, was den FCK betraf, habe ich persönlich genommen"

Heute, neuneinhalb Jahre später, sieht Kuntz es mit viel Abstand so: "Es wurde ja oft diese Alleinherrscher-Nummer gemacht. Alles, was den FCK betraf, habe ich persönlich genommen. Das war viel zu emotional. Ich habe sehr oft nicht souverän agiert. Ich habe gemerkt, dass ich die Art und Weise, wie ich den Verein geführt habe, nicht mehr fortsetzen kann."

Kuntz kennt seitdem die Schattenseiten des pfälzischen Traditionsklubs. "Da habe ich die hässliche Fratze von Kaiserslautern kennengelernt, weil sehr viele Intrigen gesponnen und Lügen verbreitet wurden."

2018 steigt der FCK in die 3. Liga ab

Sportlich, wirtschaftlich und emotional war es im April 2016 also Zeit für einen Neuanfang ohne die Klub-Ikone. Beim FCK folgten nach der Ära Kuntz Thomas Gries als neuer Vorstandsvorsitzender und Vorstand für Marketing und Vertrieb, Michael Klatt als Vorstand für Finanzen und Operatives und Mathias Abel als kommissarischer Vorstand Sport.

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Der 1. FC Kaiserslautern stürzt nach Jahren der Talfahrt 2018 in die 3. Liga ab. Finanziell steht der Klub vor dem Nichts - dann folgen Coronakrise, eine Planinsolvenz und eine schon fast nicht mehr für möglich gehaltene Rettung.

Besser wurde es ohne Kuntz allerdings nicht. Es folgten zwei weitere Jahre mit Abstiegskampf in der 2. Liga und 2018 ereignete sich schließlich das für Unmöglich gehaltene: der erstmalige Abstieg des pfälzischen Traditionsklubs in die 3. Liga.

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Johann Schicklinski